"Ich bin schwul": U19-Trainer von Bundesligist steht öffentlich zu Homosexualität

Hamburg - Christian Dobrick trainiert die U19-Mannschaft des FC St. Pauli. Der 29-Jährige liebt Männer. In einem RTL-Interview sprach der Trainer ganz offen über seine Homosexualität.

St. Paulis U19-Coach Christian Dobrick (29) outete sich öffentlich als homosexuell.  © Bildmontage: Christian Charisius/dpa/FC St. Pauli

"Ich bin Fußballtrainer, 29 Jahre alt. Und warum ich hier sitze, ist am Ende: Ich bin schwul und das wollte ich einmal gesagt haben", startete Dobrick in das Interview mit dem Sender und gab zu, lange darüber nachgedacht zu haben, diesen Schritt überhaupt zu gehen.

Bislang ist kein aktiver Profifußballer in Deutschland geoutet. Mit dem 29-Jährigen steht nun erstmals ein Trainer im Profi-Bereich zu seiner Homosexualität.

"Wenn ich maximal authentisch sein möchte als Trainer und Mut von meinen Spielern verlange, geht das nur, wenn ich vorne stehe und auch den Mut habe zu sagen: Freunde, das bin ich."

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Seine Spieler hätten zum Zeitpunkt des Interviews nichts von seinem Vorhaben gewusst, so der 29-Jährige. Doch mit dieser "Last" im Kopf zu leben, sei auf Dauer "tierisch anstrengend."

Gerade im Arbeitskontext abseits des Fußballplatzes sei er an seine Grenzen gekommen. Besonders dann, wenn Gespräche in Richtung Beziehungen und Partnerinnen lenkten. Er spricht gegenüber RTL von "Wortakrobatik" die er teilweise anwendete, um sich nicht zu verraten.

Etwas, was er mit seinem Outing jetzt für immer hinter sich lassen möchte. Schließlich wolle sich der gebürtige Flensburger mit wachsender Verantwortung im Profifußball auch vollends auf die sportlichen Aufgaben konzentrieren können. "Es zieht mindestens mal zehn Prozent vom Arbeitsspeicher im Hintergrund."

Zehn Jahre ist Dobrick bereits im Geschäft. Seine Homosexualität öffentlich zu machen, sei "ein längerer Prozess gewesen".

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FC St. Pauli unterstützt U19-Trainer: "Lieb doch, wen du willst!"

Präsident des FC St. Pauli Oke Göttlich (50) habe seine persönliche Unterstützung angekündigt.  © Gregor Fischer/dpa

Schließlich müssen man im Anschluss – leider – immer noch mit möglichen Veränderungen rechnen. "Man hat natürlich Befürchtungen", so die ehrlichen Worte des Kiezcoachs.

"Ändert das was?" – Diese Frage habe er sich natürlich gestellt. Am Ende brauche es seines Erachtens eben eine gewisse Autorität und ein gewisses Selbstbewusstsein, um diesen Schritt zu wagen.

Dobrick rechne trotzdem damit, nun von verschiedenen Seiten beschimpft zu werden. Dass der Verein oder Spieler komisch reagieren könnten, davon gehe er aber nicht aus.

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Sollte er dennoch vonseiten einer seiner Fußballer infolgedessen abgelehnt werden, scheint der 29-Jährige eine für sich gesunde Einstellung gefunden zu haben: "Wenn die persönliche Weltanschauung dem Beruf im Wege steht, dann tut es mir leid für ihn."

Der Verein gab inzwischen bekannt: "Als FC St. Pauli stehen wir selbstverständlich hinter ihm und seinem Coming out. Denn eigentlich ist es ganz einfach und sollte für alle gelten: Lieb doch, wen du willst!"

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