In St. Paulis Abstiegskampf herrscht Einigkeit: "Keinen Bock auf Relegation!"
Hamburg - Nach der bitteren Niederlage gegen den SC Freiburg am Sonntagabend (1:2) muss der FC St. Pauli weiter auf Platz 16 der Bundesligatabelle verweilen. Die erhofften Big Points hätten sechs Punkte Abstand zu den direkten Abstiegsplätzen geschaffen. In die Relegation will aber eigentlich auch niemand.
Dass in diesem Spiel mehr drin gewesen wäre, gab nicht nur Trainer Alexander Blessin (52) nach der Partie zu, sondern auch Hauke Wahl räumte deutliche Fehler in Halbzeit zwei ein.
"Freiburg ist deutlich besser rausgekommen", analysierte der Abwehrchef frustriert. "Sie haben da mehr Druck aufgebaut. Wir haben es nicht geschafft, höher zu pressen, standen zu tief, haben aus dem Ballgewinn zu wenig Möglichkeiten nach vorne erarbeitet."
Dabei fasste sich Wahl auch an die eigene Nase. Gerade kurz vor dem 2:1 aus Sicht der Gäste, als Yuito Suzuki (24) ordentlich Meter machte und frei auf das Tor der Kiezkicker zu lief.
"Ich glaube, dass ich es vorher schon nicht verteidige", gab der 31-Jährige im Anschluss zu. "Ich kann es da besser machen."
Trotz der Niederlage bleiben die Kiezkicker zunächst auf dem Relegationsrang und halten drei Punkte Abstand zu den direkten Abstiegsplätzen. Diese Platzierung unterschreiben würden die Hamburger aber auf keinen Fall. Das Ziel sei klar, so Wahl.
"Wir wollen 15. werden. Wir haben keinen Bock auf Relegation! Das sind anstrengende Spiele. Und ich glaube, mit der Art und Weise, wie wir Fußball spielen, können wir es auch schaffen."
Auch SC Freiburg hofft auf St. Paulis Klassenerhalt: "Einfach sympathisch und toll"
Ebenso will Keeper Nikola Vasilj (30) - der wegen eines Patzers nicht ganz unschuldig am Sieg der Freiburger war - nichts von Relegation wissen.
"Wir wollen nicht in die Playoffs, das ist eine einfache Antwort", so der Bosnier. "Und ich glaube, wir haben eine gute Chance auf die Plätze davor", zeigte er sich zuversichtlich.
Generell wolle sich auch Coach Blessin nicht mit dem Gedanken der Relegation anfreunden, selbst wenn es am Ende die letzte Chance auf die weitere Teilnahme am deutschen Oberhaus sein könnte.
"Dann nehmen wir das natürlich an, aber wir haben weiterhin die Chance, komplett über dem Strich zu sein, und das ist einfach unsere Prämisse."
Und selbst die Konkurrenz aus Freiburg, die derweil auf einer Welle der Glücksgefühle surft, fühlte mit den gebrochenen St. Paulianern.
Genug sportliche Qualität?
So wurde Ex-Kiezkicker Igor Matanovic (22) fast wütend, als ein Reporter vom potenziellen Abstieg seines ehemaligen Klubs sprach. "Ich wollte ihm schon eine auswischen", lachte der gebürtige Hamburger. "Aber ich mache mir keine Sorgen. Der Verein ist sehr stark. Auch heute haben sie uns viel abverlangt. Ich bin mir sicher, dass sie in der Liga bleiben."
Genauso wünsche sich SC-Trainer Julian Schuster St. Pauli weiterhin in der Bundesliga. "Ich hoffe sehr, dass wir nächstes Jahr wieder ein Auswärtsspiel hier am Millerntor spielen dürfen. Einfach weil ich dieses Stadion, die Fans, die Mannschaft und auch euch sympathisch und toll finde", erklärte der 40-Jährige bei der Pressekonferenz.
Und abseits dessen sei auch er mit Blick auf die sportliche Qualität des Teams davon überzeugt, dass das Team von Blessin den Klassenerhalt schafft.
Titelfoto: Bildmontage: WITTERS, Christian Charisius/dpa

