Hamburg - Es gab Gesprächsbedarf! Zunächst sah nach dem 1:1-Unentschieden gegen den 1. FC Köln alles normal aus. Beim FC St. Pauli ärgerten sie sich über den späten Ausgleich der Gäste und die verpasste Chance, an den Effzeh heranzurücken. Doch nur wenig später waren vor allem die Verantwortlichen auf Zinne.
Bis zur 83. Minute lagen die Kiezkicker durch einen Treffer von Karol Mets (32) in Führung, doch dann wurde der Este zum tragischen Helden. "Wenn diese doofe Elfmeterentscheidung nicht passiert, gewinnen wir 1:0", war sich Hauke Wahl (32) sicher. "Wieder war es eine Kleinigkeit, die ein Spiel zu unseren Ungunsten beeinflusst hat."
Der Abwehrchef spielte damit auf den entscheidenden Zweikampf zwischen Mets und Kölns Jakub Kaminski (23) an. Schiedsrichter Matthias Jöllenbeck (39) hatte zunächst auf Abstoß entschieden und sich erst nach Hinweis von Video-Referee Christian Dingert (45) die Szene angeschaut.
Daraufhin zeigte er auf den Punkt, Luca Waldschmidt (29) sorgte für den Ausgleich und somit für einen Punkt des Effzeh.
Selbst Mets gab zunächst zu, dass seine Zweikampfführung recht ungeschickt gewesen sei. "Wenn ich auf meinen Füßen geblieben wäre, wäre die Situation vorbei gewesen", erklärte er. "Er hat sein Bein sehr gut reingestellt und hat den Kontakt angenommen. Es war ein Elfmeter."
Das hatten zunächst alle angenommen, doch nach der Partie änderte sich vor allem bei Trainer Alexander Blessin (52), seinem Team und Sportchef Andreas Bornemann (54) schnell die Laune. Wobei Blessin Jöllenbeck gar keinen Vorwurf machen wollte, im Gegenteil: "Das Schiedsrichtergespann muss ich absolut loben, sie haben es gut gemacht."
St.-Pauli-Trainer Alexander Blessin ändert seine Meinung zum Elfmeter
Vielmehr nahm er sich VAR-Referee Dingert zur Brust. "Da hat der VAR aber ein bisschen Probleme gehabt, die richtige Szene zu zeigen. Man hätte nicht den Punkt des Fouls, sondern die Szene davor zeigen müssen", bemängelte er. Beim genauen Hinschauen des Zweikampfes war zu erkennen, dass zunächst Kaminski auf die Wade von Mets tritt und dann erst das geahndete Foulspiel geschieht.
"Zuerst habe ich gedacht, dass der Kontakt klar zuerst von Karol gewesen war und es deshalb ein klarer Elfmeter war. Der Fuß von Kaminski geht aber zuerst auf die Wade von Karol, dadurch ist es dann für mich auch kein Foul", machte Blessin deutlich.
Die Frage ist jetzt, ob Jöllenbeck die Szene aus dieser einen, aber alles entscheidenden Perspektive aus St.-Pauli-Sicht gar nicht sah. Sportchef Bornemann war nach der Partie so aufgebracht, dass er mit dem Laptop in die Schiedsrichter-Kabine gegangen war und Jöllenbeck zur Rede stellte.
Verständlich, denn für die Kiezkicker wäre ein Sieg von großer Bedeutung gewesen. Man wäre nicht nur auf zwei Zähler an Köln herangerückt, sondern hätte auch die Konkurrenz unter Druck gesetzt. So aber konnte der Rückstand auf Werder Bremen auf Rang 15 nur auf zwei Zähler verkürzt werden.