Neustart nach sechs Jahren: Dienstältester Zweitliga-Coach muss gehen
Karlsruhe - Der Karlsruher SC hat Christian Eichner (43) über Ostern ein ganz faules Ei finden lassen: Im Sommer muss der langjährige Trainer den Zweitligisten verlassen.
Das gab der KSC am Mittwochmorgen offiziell bekannt. Demnach ist die Entscheidung nach "intensiven und offenen" Gesprächen zwischen dem 43-Jährigen und Sport-Geschäftsführer Mario Eggimann (45) in den vergangenen Wochen gefallen und am Dienstagabend vom Aufsichtsrat abgesegnet worden.
"Christian hat sich über die Jahre durch gute Arbeit und Hingabe zu einem Aushängeschild unseres Clubs entwickelt. In unserer Verantwortung für den KSC ist es jedoch unsere Aufgabe, die Gesamtsituation zu jeder Zeit zu bewerten und zu hinterfragen", so Eggimann.
Mittlerweile sei der Eindruck gereift, dass man nach sechs Jahren Zusammenarbeit neue Impulse setzen wolle.
"Egal in welcher Funktion, ob als Spieler oder als Trainer, habe ich meine Rolle im Fußball immer so definiert, dass die Interessen des Vereins über allem anderen stehen. Insofern habe ich stets versucht, auch solche Entscheidungen loyal mitzutragen, die ich persönlich womöglich anders getroffen hätte", sagte Eichner im Statement des Klubs selbst.
Damit könnte der gebürtige Sinsheimer nicht nur seinen eigenen Rauswurf, sondern auch die völlig überraschende und ziemlich unrühmliche Trennung von seinem Assistenten Zlatan Bajramovic (46) nach neun Jahren gemeint haben. Offiziell begründete Karlsruhe den Schritt Anfang Dezember mit der sportlichen Ausrichtung, wobei lediglich der Austausch des Co-Trainers zu diesem Zeitpunkt aber zumindest ungewöhnlich erschien.
Weitere Erklärungen lieferte der KSC bis heute nicht, ließ Eichner die Situation damals stattdessen selbst auf Pressekonferenzen abmoderieren. Die Mannschaft reagierte mit einem Protest auf der Weihnachtsfeier, ihr Coach bezeichnete die Lage seinerzeit als "herausforderndsten Moment für alle".
Folgt Tobias Strobl beim Karlsruher SC auf Christian Eichner?
Der Ex-Profi durchlief als Spieler selbst die KSC-Jugend und war anschließend ab 2005 vier Jahre in 137 Einsätzen für die erste Mannschaft am Ball. Nach seiner aktiven Karriere sammelte er seine ersten Trainer-Sporen dann auch beim Bundesliga-Gründungsmitglied, ehe er 2020 das Chefcoachamt von Alois Schwartz (59) übernahm.
Mit sechs Jahren ist der frühere Linksverteidiger damit der dienstälteste Zweitliga-Trainer, mit weitem Abstand gefolgt von Bielefelds Mitch Kniat (40, zwei Jahre und neun Monate).
Unter der Regie des gebürtigen Sinsheimers schnupperte Karlsruhe immer wieder an den Aufstiegsrängen, doch zum großen Sprung reichte es nie.
In der aktuellen Spielzeit wurde dem KSC die rabenschwarze Phase im November und Dezember zum Verhängnis, in der das Team fünf Partien am Stück verlor und schließlich etwa zweieinhalb Monate ohne Liga-Erfolg blieb.
Zuletzt gelangen immerhin drei Siege aus den vergangenen drei Duellen, aber es schleichen sich wiederholt blamable Auftritte wie beim 1:5 in Nürnberg oder der 0:3-Pleite bei Kaiserslautern dazwischen. Am vergangenen Wochenende musste man sich mit 0:1 auf Schalke geschlagen geben. Aktuell steht der 9. Tabellenplatz zu Buche. Eichners Vertrag lief eigentlich noch bis Sommer 2027.
Einen Nachfolger soll Karlsruhe laut BNN ebenfalls schon auf dem Zettel haben. Demzufolge würde der Klub gern Tobias Strobl (35) nach Baden lotsen.
Der 35-Jährige mischt mit dem SC Verl in dieser Saison die 3. Liga auf und steckt als Tabellenvierter mitten im Aufstiegsrennen.
Erstmeldung vom 7. April, 6.34 Uhr, zuletzt aktualisiert am 8. April, 11.24 Uhr.
Titelfoto: Uli Deck/dpa

