Dresden in Schwarz-Gelb: Er bringt Dynamo auf alles, was Farbe verträgt
Dresden - Überall und nirgendwo: Dynamo ist in Dresden nur schwer zu übersehen. Schwarz-gelbe Graffiti gehören zum Bild der Stadt und tauchen überall dort auf, wo sich eine Fläche zur Leinwand machen lässt. Meist heimlich und am liebsten dann, wenn keiner zuschaut. Bei einem sieht das allerdings anders aus.
Christian Schenk (37) arbeitet legal als Sprayer, verdient unter dem Künstlernamen "Cororized Graffiti Dresden" seit Jahren sein Geld. Was dabei auf den Wänden landet, könnte unterschiedlicher kaum sein. Die SGD gehört dazu, klar. Doch der 37-Jährige hat noch einiges mehr drauf.
Im Gespräch mit TAG24 erzählt der Writer von kleinen Motiven, bei denen es auf Geduld und jedes noch so kleine Detail ankommt. Dann wieder entstehen riesige Wand-Kracher, die schon von Weitem ins Auge fallen. Und auch bei den Flächen, auf denen er sprüht, ist Abwechslung angesagt.
Angefangen beim privaten Garagentor reicht die Palette bis zu Fassaden von Unternehmen und Einrichtungen. Dazu kommen Projekte im öffentlichen Raum. Dort werden etwa Stromkästen oder Haltestellen zu echten Hinguckern.
Ganz nach Lust und Laune kann der gebürtige Dresdner allerdings nicht immer loslegen: "Die meisten Aufträge entstehen nach den Vorstellungen der Kunden", erklärt er. "Meine Aufgabe ist es dann, deren Wunschmotiv auf die Wand zu bringen und dabei trotzdem meine eigene Handschrift und Kreativität einfließen zu lassen."
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Ganz offiziell! Christian Schenk macht Dynamo Dresden sichtbar
Bei all den unterschiedlichen Motiven ist die Sportgemeinschaft auffällig oft dabei, zieht sich wie ein schwarz-gelber Faden durchs Schaffen des Familienvaters. Überraschen dürfte das kaum. In Dresden ist der Zweitligist allgegenwärtig, gehört für viele hier ganz selbstverständlich zum Leben dazu. So auch bei Christian.
Schon als Kind sei der Klub für ihn nicht wegzudenken gewesen. Zu Heim- und Auswärtsspielen fährt der Papa eines Sohnes mittlerweile seit fast 20 Jahren.
Fan-Dasein und Job lassen sich für ihn damit wunderbar verbinden. Die Gelegenheit dazu bekam er selbst schon direkt beim Verein. Dort war er bereits mehrfach aktiv, unter anderem im Rudolf-Harbig-Stadion und an der Geschäftsstelle. In der vergangenen Saison durfte der Graffitikünstler dann sogar beim Auswärtstrikot mitmischen.
Als Lieblingsmotiv würde Christian die SGD trotzdem nicht bezeichnen. "Mir macht grundsätzlich alles Spaß, solange ich bei der Gestaltung etwas Freiraum habe und kreativ arbeiten kann." Wobei auch die freie Hand für einen Dynamo-Fan Grenzen hat. Wo genau diese liegt, verrät Christian mit einem breiten Grinsen: "Ein Logo von Wismut Aue, Hansa oder Ähnlichem würde ich zum Beispiel nicht malen", schickt er ein Augenzwinkern in Richtung der Ostrivalen.
Farbe liegt hier in der Familie
Ansonsten erfüllt der Street-Artist jeden Wunsch und beweist dabei immer wieder, was mit einer Spraydose alles möglich ist. Das Können dafür liegt ihm quasi im Blut. Denn schon sein Opa hatte ein echtes Händchen für Pinsel und Farbe. "Er war wirklich sehr talentiert, vor allem bei Porträts. Das hat mich wahrscheinlich unterbewusst schon geprägt", erinnert sich Christian.
Mit den Ausbildungen zum Maler und Lackierer sowie zum Grafiker machte er seine kreative Ader zum Handwerk, schuf damit die Basis für seinen weiteren Weg. Dieser sollte jedoch nicht von heute auf morgen in die Selbstständigkeit führen.
Am Anfang waren es vor allem kleine Jobs, über rund 15 Jahre dann immer mehr: "Hier mal ein Kinderzimmer, da mal eine Leinwand oder eine Garagenwand", blickt er zurück.
"Am Anfang habe ich alles neben meinem Hauptjob gemacht. Nach Feierabend ging es dann oft direkt weiter zu den nächsten Aufträgen." Das Ganze habe er über sein Kleingewerbe laufen lassen, was auf Dauer ordentlich an die Substanz gegangen sei. "Kurz nach der Corona-Zeit habe ich dann den Schritt gewagt und mich komplett selbstständig gemacht. Rückblickend war das genau die richtige Entscheidung."
Wer jetzt Lust auf eine eigene bunte Wand bekommen hat, kann sich einfach bei ihm melden. Eine kurze Nachricht über Social Media oder seine Website genügt.
Titelfoto: Fotomontage: Eric Münch, Christian Schenk (2)

