Dresden - Sportlich steuert Dynamo aktuell durch holprige Straßen, aber die Dresdner Fans bleiben ungebrochen auf dem Gaspedal: Im Zweiwochen-Rhythmus pilgern sie ins Rudolf-Harbig-Stadion, das praktisch dauerausverkauft ist. Der Traum eines jeden Fußballclubs wirft aber auch die Frage auf: Reichen die Plätze im eigenen Wohnzimmer aus?
"Stand heute ist es genau richtig", sagte Geschäftsführer Stephan Zimmermann (39) kürzlich bei "Schwarz Gelb - Der Dynamo-Podcast". "Wenn man in die Zukunft schaut, glaube ich, ist es zu klein."
Im November oder Dezember wird die Sportgemeinschaft die 40.000-Mitglieder-Marke knacken, ins RHS passen aber nur gut 32.000 Zuschauer. Erstmals sind in dieser Saison sogar die VIP- und Businessbereiche ausgebucht.
Möchte man als Verein wachsen, dann müssen Erträge her. In Sachen Stadion sind die aber fast ausgereizt, weil man die Fans bei den Ticketpreisen auch nicht bis auf den letzten Cent "melken" wolle.
"Aus dem Grund gibt es auch Gespräche, sowohl mit der Stadion-Projektgesellschaft als auch mit der Landeshauptstadt, wie wir denn das Stadion und das Gelände weiterentwickeln können", so der 39-Jährige weiter.
Einfach sei das Vorhaben aber nicht, denn ein Stadionumbau oder -ausbau würde neben reichlich Schotter "in der Regel zehn Jahre" kosten, bis "da was passiert", erklärte Zimmermann: "Wir haben bei uns hier in der Stadt ein super Beispiel mit einer Brücke, wo immer noch nicht feststeht, wann es denn da mal losgeht oder wann die fertig sein wird."
Stephan Zimmermann: "Merken jetzt schon, dass an manchen Stellen der Putz abbröckelt"
Satte vier Millionen Euro Pacht pro Jahr zahlt Dynamo aktuell für die Nutzung der Arena an die Stadion-Projektgesellschaft - und damit deutlich mehr als die meisten Konkurrenten. Außerdem hat die Stadt den Betriebskostenzuschuss im Haushalt jüngst von 1,5 Millionen Euro auf 500.000 Euro gesenkt.
2039 laufen die Verträge aus, dann muss ein neuer Plan her.
"Dann hast du ein 30 Jahre altes Stadion, und wir merken jetzt schon, dass an manchen Stellen der Putz abbröckelt", sorgte sich der Dynamo-Boss und verriet: "In dem Wissen, dass du mindestens zehn Jahre brauchst, um ein neues Stadion oder einen Umbau zu planen und umzusetzen, müssen wir jetzt zusammenkommen. Das haben wir auch gemacht im letzten Monat."
Theoretisch möglich wäre eine weitere Tribüne auf der Hornbachseite, also der Gegengerade, möglich - allerdings nicht billig. Eine Studie von 2019 veranschlagte rund 50 Millionen Euro, aufgrund der Baukosten-Entwicklung wären das heute etwa 80 bis 100 Millionen Euro.
"In Karlsruhe hat man jetzt über 100 Millionen bezahlt, in Nürnberg hat man über 300 Millionen Euro, die ein Neubau des Stadions kostet", nannte der Dynamo-Boss weitere Beispiele. Dass die Stadt selbst bereit wäre, so viel Geld auszugeben, glaubt Zimmermann nicht.
"Deswegen muss es jetzt die Diskussion geben: Wie geht es weiter?", betonte der 39-Jährige.