Dynamo-Sport-Chef Ralf Becker: "Auf dem Transfermarkt passiert nix, was wir nicht wissen"

Dresden - 365 Tage Ralf Becker als Sportgeschäftsführer der SG Dynamo Dresden. Heute vor einem Jahr betrat der 50-Jährige das Podium und brachte den Verein zurück auf die große Bühne, die erst einmal wieder 2. Bundesliga heißt. TAG24 hat mit ihm über seine ersten zwölf Monate in Schwarz-Gelb gesprochen.

Der Mann mit dem Telefon: Dynamos Sportgeschäftsführer ist immer auf dem neusten Stand. Ihm entgeht nix auf dem Transfermarkt.
Der Mann mit dem Telefon: Dynamos Sportgeschäftsführer ist immer auf dem neusten Stand. Ihm entgeht nix auf dem Transfermarkt.  © Lutz Hentschel

TAG24: Herr Becker, Hand aufs Herz: Als Sie am 1. Juli kamen, war Dresden gerade drei Tage abgestiegen. Haben Sie von Anfang an daran geglaubt, dass der Gang durch die dritte Liga nur eine Spielzeit dauern wird?

Becker: "Man hat immer eine gewisse Hoffnung, hat Ziele. Es war ein langer Weg mit verschiedenen Phasen. Das war alles nicht selbstverständlich. Aber natürlich freue ich mich, dass alles so gut geklappt hat."

TAG24: Sie sind als Nachfolger von Ralf Minge in große Dynamo-Fußstapfen getreten. Wie groß war Ihr Respekt vor dieser Aufgabe?

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Becker: "Respekt ist immer dabei. Wichtig war, dass wir von Anfang an klar definiert hatten, was meine Hauptaufgaben sind. Bei mir lag die klare Fokussierung auf dem Sport. Ich hatte meine Vorstellungen, meine Ideen. Die hat der Verein mitgetragen. Viele fanden es verständlicherweise schade, dass Ralf Minge gegangen ist, der enorm viel für den Verein geleistet hat – aber Gegenwind hatte ich nie."

TAG24: Ist es auch ein Erfolg für Sie, dass heute keiner mehr groß über Ralf Minge spricht?

Becker: "Ich hoffe, über Ralf Minge und Dynamo wird noch in 50 Jahren gesprochen. Er ist einer der Größten im Verein. Ich für meine Seite bin froh, dass alles so aufgegangen ist, wie wir uns das gewünscht haben."

"Wir werden nicht auf Teufel-komm-raus erfahrene Spieler suchen"

Für Ralf Becker ist Patrick Weihrauch (r.) nach über sechs Monaten Verletzungspause fast schon so etwas wie ein Neuzugang.
Für Ralf Becker ist Patrick Weihrauch (r.) nach über sechs Monaten Verletzungspause fast schon so etwas wie ein Neuzugang.  © Lutz Hentschel

TAG24: Die EM läuft noch, das Personal-Karussell hat noch keine Höchstgeschwindigkeit aufgenommen. Glauben Sie, dass es danach wie bei einer Pyramide abläuft? Wenn die Großen einkaufen gehen, alles in der Breite nach unten rutscht?

Becker: "Nach der EM wird für uns nicht allzu viel passieren. Die Erstliga-Vereine verhalten sich noch total ruhig. Wenn die Runde beginnt und einige aussortieren, kann sicher noch etwas möglich sein. Da wird der eine oder andere sich umschauen, der es jetzt noch nicht ahnt."

TAG24: Wenn Sie in der 2. Liga auf Sandhausen oder Rostock schauen. Die Vereine kaufen ein ohne Ende. Sind da auch Spieler dabei, bei denen Sie denken: "Mist, den hätte ich gern gehabt"?

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Becker: "Nein. Jeder hat seine eigene Vision, seine DNA. Jeder versucht es auf seine Weise. Wir gehen unseren Weg weiter, den wir im Vorjahr eingeschlagen haben. Wir wollen eigene junge und externe junge Spieler aus- und weiterbilden. Das ist unsere Vision."

TAG24: Heißt das, es kommt keine Verstärkung mehr?

Becker: "Nein, das heißt es nicht. Wir werden aber nicht auf Teufel-komm-raus erfahrene Spieler suchen. Wir verfolgen und wissen ganz genau, was auf dem Transfermarkt passiert. Spieler, die anderswo unterschrieben haben, kennen wir, sind uns vielleicht zuvor ebenfalls angeboten worden. Entscheidend ist: Wir sind überzeugt von unserem Kader. Wir haben im Winter drei Jungs nachverpflichtet, aber nicht weil der Kader so schlecht war, sondern weil wir viele Verletzte hatten. Patrick Weihrauch und Robin Becker kommen jetzt wieder. Sie haben das Niveau für die 2. Liga."

Titelfoto: Lutz Hentschel

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