Eckig, kantig, ehrlich! Dynamo-Gesicht Kutschke sagt Tschüss
Dresden - Ganz so überraschend kommt die Nachricht nicht. Maximal der Zeitpunkt ist es. Nach dem Testspiel Ende März gegen Mlada Boleslav äußerte sich Stefan Kutschke (37) zum Ende seiner Laufbahn. Erst Klassenerhalt, dann Zukunft.
"Und ich will nicht, dass der Name Stefan Kutschke im Mittelpunkt steht", sagte er vor sechs Wochen. Jetzt ist der Zeitpunkt doch schon da: Der 37-Jährige macht Schluss! Kurz vorm möglichen Klassenerhalt am Samstag in Braunschweig macht der Kapitän der SG Dynamo Nägel mit Köpfen und hängt seine Töppen an selbige.
"Ich hoffe, dass ich nicht irgendwann zurückmuss zu meiner Ausbildungsstätte, auf die Agentur für Arbeit. Das wäre mein großer Wunsch. Aber da wird es weitergehen", sagte er im März. Und es geht weiter – bei Dynamo.
Ein streitbarer Geist war Kutschke immer. Einer, der aus seinem Herzen nie eine Mördergrube machte. Er sagte, was ihn bewegte, was ihm auf der Seele brannte, eckte an, war kantig in allen Belangen. Er führte den Dolch aber nicht von hintenherum und stach durch den Rücken in die Brust. Er schaute einem dabei in die Augen.
Immer gerade, immer klare Kante. Nicht immer einfach, aber ehrlich. Und wenn er selbst merkte, das er übers Ziel hinausschoss, zeigte er Einsicht und entschuldigte sich. Eine Gabe, die nur wenige haben. Besser so als hinterrücks.
Kutschkes Karriereende: Mehr als nur ein Abschied
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Mit Kutschke verliert Dynamo sportlich sein Gesicht, ein Stück weit auch seine Identität. Denn er ist Dynamo mit jeder Pore. Er lebt und liebt den Verein wie kein Zweiter. So sehr, dass die Dynamo-Fans längst vergessen haben, dass er ihren Hass-Verein in Leipzig namens Rasenball einst mit groß gemacht hat. Seine Tore in der Relegation 2013 gegen Lotte hievten die Bullen erst auf die Profi-Landkarte.
Als er vor vier Jahren aus Ingolstadt zurückkehrte, waren all seine anderen Vereine nie ein Thema. Gut so, mögen viele jetzt sagen. Aber gerade der harte Kern weiß, dass schaffen nur die wenigsten. Ihm ist das gelungen, weil er immer voranging, weil er den Ton vorgab, weil er Leistung zeigte. Und wenn es als Joker war. Geschenkt hat ihm keiner was.
"Stefan hat einen großen Stellenwert im Verein und der gesamten Region", sagt Sport-Geschäftsführer Sören Gonther (39). Den hat er sich über all die Jahre hart erarbeitet. So ehrlich müssen auch die sein, die nicht viel mit ihm anfangen können. Respekt vor deiner gesamten Laufbahn, Stefan!
Titelfoto: Lutz Hentschel
