Einer machte ihn "fassungslos": Gegner-Boss formte in Aue drei heutige Dynamos
Dresden - Als Fürths Sportchef Daniel Meyer (47) letztmals in offizieller Funktion in Dresden weilte, war er Trainer des FC Erzgebirge. Am 19. Oktober 2018 holte er ein 1:1. In seinen Reihen: Nicolai Rapp (29), der an jenem Freitagabend mit Gelb-Rot vom Platz flog. Monate später kamen zwei weitere jetzige Dynamos zu ihm nach Aue: Sören Gonther (39) und Christoph Daferner (28).
Rapp formte er zum Stammspieler und Leistungsträger der Veilchen.
"Mit ihm verbinde ich auch eine der kuriosesten Geschichten meiner Laufbahn, vielleicht sogar die kurioseste. Im Januar 2019 weilten wir in Belek im Trainingslager. Eines Abends klingelte bei mir das Handy. Ein Vertreter von Union Berlin war dran. Er erklärte mir, man habe bei 'Rappo' eben die Ausstiegsklausel gezogen. In einer halben Stunde werde er vom Hotel abgeholt. Ich konnte es gar nicht glauben, war fassungslos. Aber es war so."
Daher fiel die Verabschiedung damals kurz und knapp aus. Den Weg von Rapp hat Meyer aber immer verfolgt. "In Kontakt waren wir in letzter Zeit nicht mehr so oft, aber geschaut habe ich immer."
Auch bei Daferner und Gonther. "Bei Sören etwas mehr", gibt Meyer zu. Damals waren sie Trainer und Spieler, heute sind sie Sportchefs von Fürth und Dresden.
"Ja, wir werden alt. Ich noch mehr als Sören", lacht der 47-Jährige, der im Sommer vom Halleschen FC zum Kleeblatt wechselte.
Daniel Meyer schwärmt von Sören Gonther
"Sören war schon immer ein intelligenter Mensch, der stets vorangegangen ist, der etwas zu sagen hatte. Mir war klar, dass er solch einen Weg einschlagen wird", so Meyer.
"Ich weiß noch, dass ich damals einige Widerstände überwinden musste, um ihn aus Dresden zu holen. Er war 32, hatte einen Kreuzbandriss. Aber es war richtig. Mit welcher Ruhe er in gefühlt sieben Sprachen alles in der Abwehr regelte, war bemerkenswert. Ein Geschenk für jeden Trainer", schwärmt Meyer: "Mit ihm hatte Aue die besten Jahre in der 2. Liga."
Als Sportchefs sind sie danach öfter aufeinander getroffen. "Schon als er in Kassel und ich in Halle war. Auch da haben wir im gleichen Teich gefischt, haben auch ein Testspiel gegeneinander bestritten. Der Kontakt ist immer da."
Am Freitag werden sich beide wiedersehen. Mal schauen, wer nach dem Spiel besser drauf ist.
Titelfoto: Bildmontage: PICTURE POINT / S. Sonntag

