Ein Kommentar
Dresden - Im Grunde müssen die Dynamo-Verantwortlichen ein Dankschreiben an den SC Freiburg verschicken. Sie haben vor zwei Jahren Julian Schuster zum Nachfolger von Christian Streich befördert und nicht Thomas Stamm, der daraufhin nach Dresden ging. Für ihn war der SCF-Fakt sicher schmerzlich, für Dynamo aber der Glücksgriff des letzten Jahrzehnts.
Im ersten Jahr der Aufstieg in die 2. Bundesliga, im zweiten Jahr der Klassenerhalt - trotz einer Hinserie, die hätte nicht schlechter laufen können.
Bei allen Aufs und Abs in dieser Saison: Stamm blieb immer bei sich. Genau in der Analyse wie eine Schweizer Uhr, wenn nötig scharf wie ein Ricola-Bonbon, ruhig und sicher nach innen sowie außen wie der Alm-Öhi.
Die Eigenschaft von Heidis Großvater ist wohl die beste in diesem notorisch unruhigen wie kritischen Dynamo-Umfeld. Wenn alle am Durchdrehen waren, blieb er stoisch.
Der Trainer drehte nicht am Rad, machte keine verrückten Dinge. Er glaubte an sein Team, an seine Arbeit und an sich. Der 43-Jährige tat zu fast jeder Zeit das Richtige. Ab Januar zusammen mit dem neuen Sportchef Sören Gonther, dem nächsten Volltreffer.
Dass er immer wieder Jungs dazuholte, die er aus Freiburger Zeiten kannte, ist im Grunde lobenswert. Einen Vincent Vermeij oder einen Robert Wagner hätte keiner missen wollen in der Rückrunde. Stamm ist für Dynamo so wertvoll wie ein Schließfach in einer Schweizer Bank, und er bleibt für Dresden hoffentlich noch sehr lange so schmackhaft wie eine Tafel Schweizer Schokolade.