Rekord-Torschütze Gütschow in Sorge: "Dynamo fehlt der Killerinstinkt!"

Dresden - Einen wie ihn könnte Dynamo Dresden derzeit gut gebrauchen: Torsten Gütschow, ehemaliger Stürmer mit eingebauter Torgarantie. Mit 191 Treffern in 414 Pflichtspielen ist der heute 61-Jährige der Rekordtorschütze der SGD - auf die ihm vom Verein versprochene Auszeichnung wartet er übrigens bis heute. TAG24 hat mit "Horschtl" gesprochen, auch über die derzeitige schwierige Situation der Schwarz-Gelben.

Als Trainer war Torsten Gütschow (61) zuletzt in Bremen und Schwerin tätig.
Als Trainer war Torsten Gütschow (61) zuletzt in Bremen und Schwerin tätig.  © imago/foto2press

TAG24: Hallo Herr Gütschow, wie geht es Ihnen?

Torsten Gütschow: "Mir geht's gut, ich fühl’ mich noch jung und fit. Ich bin viel in Sachen Fußball unterwegs, sehe viele Spiele live in den Stadien."

TAG24: Nach Ihrem durchaus erfolgreichen Engagement beim Bremer SV lief's bei Dynamo Schwerin nicht rund - nach wenigen Monaten war schon wieder Schluss.

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Gütschow: "Der Reihe nach. In Bremen habe ich mit der Mannschaft 48 Punkte geholt. Wir hatten den geringsten Etat der Regionalliga und haben trotzdem den Klassenerhalt geschafft. Das ist mir schon bei Budissa Bautzen gelungen. Dass es dann in Bremen für mich trotzdem nicht weiterging, war wirklich enttäuschend. Schwerin wiederum war einfach ein Missverständnis. Aber jetzt bin ich wieder bereit für eine neue Herausforderung, ich will wieder als Trainer arbeiten. Ich bin sozusagen wieder auf dem Markt."

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Gütschow: "Das könnte ich mir als gebürtiger Sachse tatsächlich gut vorstellen, schließlich ist Lok ein absoluter Traditionsverein. Aber es gehören ja immer zwei Seiten dazu."

Mit 20 Treffern wurde Torsten Gütschow (heute 61) 1990/91 letzter Torschützenkönig der DDR-Oberliga. (Archivfoto)
Mit 20 Treffern wurde Torsten Gütschow (heute 61) 1990/91 letzter Torschützenkönig der DDR-Oberliga. (Archivfoto)  © imago/Camera 4

"Im Fußball nicht immer der Bessere, sondern meist der, der es mehr will"

Wenn das gegnerische Tor in seine Nähe kam, ließ sich Torsten Gütschow (r.) nur schwer aufhalten. Hier trifft er im April 1990 gegen Vorwärts Frankfurt. (Archivfoto)
Wenn das gegnerische Tor in seine Nähe kam, ließ sich Torsten Gütschow (r.) nur schwer aufhalten. Hier trifft er im April 1990 gegen Vorwärts Frankfurt. (Archivfoto)  © Frank Kruczynski

TAG24: Sie sind auch regelmäßig im Harbig-Stadion, verfolgen natürlich die Entwicklung bei Dynamo. Was läuft aus Ihrer Sicht derzeit schief, was fehlt Dynamo?

Gütschow: "Spielerisch kann man der Mannschaft oft wenig vorwerfen. Aber nehmen wir als Beispiel das Sachsenderby in Aue. Da fehlt mir einfach dieser Killerinstinkt vorm Tor, dieser absolute Wille, das Ding mit allen möglichen Körperteilen über die Linie zu drücken - oder hinten mit aller Macht das Gegentor zu verhindern. In manchen Situationen - nicht immer - vermisse ich die Leidenschaft, die Mentalität. Denn es gewinnt im Fußball nicht immer der Bessere, sondern meist der, der es mehr will."

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Gütschow: "Bei der Chancenverwertung erinnere ich mich an früher. Wenn es bei uns da mal nicht lief und der Ball vorn nicht rein wollte, da haben wir im Training die einfachsten Dinge gemacht - Eingaben, Flanken, Torabschluss. Auch aufs leere Tor, Hauptsache man bekommt wieder das Gefühl, den Ball über die Linie zu kriegen."

TAG24: Machen Sie sich Sorgen, dass Dynamo den Aufstieg so noch verspielt?

Gütschow: "Natürlich mache ich mir ein paar Sorgen, schließlich ist der Trend ja nicht so gut. Offenbar ist für manche der Druck doch zu groß. Obwohl: Druck in der 3. Liga - ich weiß gar nicht, was das sein soll. Ich bleibe trotzdem optimistisch, denn das Beste an der Situation ist: Dynamo hat alles noch in der eigenen Hand."

Titelfoto: IMAGO/Camera 4, IMAGO/foto2press

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