Schock-Bilanz nach Ausschreitungen: Dynamo unter Druck

Dresden - So groß die Freude über den Dynamo-Aufstieg am Sonntag sein mag: Die schockierenden Bilder von den schweren Ausschreitungen vor dem Harbig-Stadion beherrschten auch am Montag die Diskussion. Inzwischen ist klar: Die Gewalt des Fußballmobs war noch schlimmer, als bislang bekannt war. Politiker fordern vom Verein Konsequenzen. Am Montag hat die Polizei eine Soko zur Aufklärung eingesetzt.

185 Polizisten wurden verletzt.
185 Polizisten wurden verletzt.  © Steffen Füssel

Nicht etwa ein Dutzend Beamte, wie am Sonntag noch gemeldet, sondern 185 (!) Polizisten wurden bei den Ausschreitungen verletzt. 30 sind noch nicht wieder dienstfähig, sechs liegen weiterhin im Krankenhaus.

Der Hagel von Flaschen, Steinen und Pyrotechnik durch den Mob trafen auch Medienvertreter und friedliche Fans. Rund 30 von ihnen versorgte der Rettungsdienst vor Ort.

40 männliche Krawallmacher (18-69) gingen in Gewahrsam, 32 Straftaten wurden während des Einsatzes festgestellt sowie 103 Verstöße gegen die Corona-Schutz-Verordnung.

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Am Montag rief die Polizei die Sonderkommission "Hauptallee" ins Leben. "Ihre Aufgabe wird es sein, die Ermittlungen der festgestellten Straftaten voranzutreiben", so Polizeisprecher Marko Laske (47). Die neue Soko (42 Beamte) soll unter Kriminalrat Enrico Lange (36) zudem weitere Delikte aufdecken.

Oberbürgermeister Dirk Hilbert (49, FDP) hatte die Ausschreitungen von rund 500 gewaltbereiten Dynamo-Anhängern am Sonntag aufs Schärfste verurteilt.

Innenminister Roland Wöller (50, CDU) fordert Konsequenzen vom Verein.
Innenminister Roland Wöller (50, CDU) fordert Konsequenzen vom Verein.  © Thomas Türpe
Kriminalrat Enrico Lange (36) leitet die neue Soko "Hauptallee" mit 42 Kräften.
Kriminalrat Enrico Lange (36) leitet die neue Soko "Hauptallee" mit 42 Kräften.  © Petra Hornig

Innenminister erwartet, dass Fußballvereine Konsequenzen ziehen, wenn es eskaliert

Die Polizei sah sich rund 500 gewaltbereiten Fans gegenüber.
Die Polizei sah sich rund 500 gewaltbereiten Fans gegenüber.  © Franz Maler

Auch Innenminister Roland Wöller (50, CDU) zeigte Entsetzen über "diese rohe Gewalt".

Er forderte: "Wenn Fanaktivitäten derart eskalieren, erwarte ich von Fußballvereinen, dass sie Konsequenzen ziehen, um die vielen friedlichen Fans klar von gewaltbereiten Hooligans zu trennen."

Noch deutlicher wurde Rico Anton (44), CDU-Innenexperte im Landtag. Er forderte etwa Stadionverbote für Gewalttäter.

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Dynamo indes hatte am Sonntag gefeiert und erst nach den Krawallen getwittert: "Es ist sehr schade, dass dieser Tag so schwer beschädigt wurde."

Dynamo-Sprecher Henry Buschmann (37): "Der Prozess der intensiven Aufarbeitung begann am Sonntagabend." Derzeit läuft eine "Bestandsaufnahme" zu den Geschehnissen.

Bis Konsequenzen gezogen werden können, dauert es noch eine Weile.

Update 14.57 Uhr: Soko "Hauptallee" schaltet Hinweisportal frei

Unterdessen sucht die Polizei Zeugen zu den Geschehnissen am Sonntag vor dem Stadion und hat ein Hinweisportal eingerichtet. Bilder und Videos können - auch anonym - unter https://sn.hinweisportal.de hochgeladen werden. Die von Kriminalrat Enrico Lange (36) geleitete Soko "Hauptallee" besteht aus 42 Beamtinnen und Beamten.

Auch telefonisch nimmt die Polizeidirektion Dresden Hinweise unter der Rufnummer 0351/483 22 33 entgegen.

Titelfoto: Franz Maler

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