"Ansah ist sauber": Deutsche Sport-Legende knöpft sich Anti-Doping-Agentur vor
Birmingham - Bei der aktuell laufenden Leichtathletik-EM in England lieferte Owen Ansah (25) bereits ab und holte über 100 Meter eine historische Bronzemedaille für Deutschland. Doch über dem Erfolg schwebt eine drohende Dopingsperre, welche die NADA für eine angeblich verweigerte Kontrolle fordert. Diskus-Legende Robert Harting (41) sprang seinem Landsmann nun allerdings zur Seite und knöpfte sich die Anti-Doping-Agentur vor.
"Ansah ist sauber", schrieb der Olympiasieger von 2012 in einem Statement gegenüber RTL/ntv in aller Deutlichkeit. Stattdessen vermutet der mehrfache deutsche Sportler des Jahres einen organisatorischen Fehler seitens der NADA.
Für den 41-Jährigen sei es nämlich ein Fakt, dass der Rekord-Sprinter eine Kontrolle am Flughafen angeboten habe. "Der zuständige Kontrolleur der NADA könnte durch weitere anstehende Kontrollen anderer Athleten unter Zeitdruck geraten sein, weswegen er Ansah nicht zum Flughafen begleiten wollte", mutmaßte der gebürtige Cottbuser.
Nach bisherigem Kenntnisstand sollte Ansah am 9. Juli unmittelbar vor seiner Abreise vom Diamond-League-Meeting in Monaco eine Dopingprobe abgeben. Laut NADA habe er diese allerdings verweigert. Selbst erklärte der HSV-Athlet, dass er bereits auf dem Weg zum Flughafen gewesen und außerhalb seines angegebenen Zeitfensters kontaktiert worden sei.
Sollte sich hingegen der Kontrolleur geweigert haben, den Hamburger zu begleiten, dann "wäre der Fehler nicht beim Sportler entstanden, sondern innerhalb der Organisation", so Harting.
Robert Harting fordert die Einstellung des Verfahrens gegen Owen Ansah
Der dreifache Weltmeister verriet außerdem, dass die Nationale Anti-Doping-Agentur bereits in der Vergangenheit keineswegs fehlerfrei agiert habe und er selbst während seiner aktiven Zeit geführte Kontrollprotokolle habe korrigieren müssen, weil "der Kontrolleur sich im Kommentarfeld selber schützen wollte".
Daneben will Harting auch "seltsame Absprachen" seitens der Offiziellen mitbekommen haben.
Seine Forderung: "Die NADA muss das Verfahren gegen Ansah einstellen und akzeptieren, dass der Fehler bei ihnen liegt." Stattdessen solle sich die Organisation auf echte Dopingsünder konzentrieren. "Ansah hat zu keinem Zeitpunkt eine Dopingkontrolle verweigert."
Die NADA beharrt bislang jedoch auf einer vierjährigen Sperre, die sich nur auf drei Jahre reduzieren würde, wenn Ansah sie annimmt. Das haben der 25-Jährige und sein Anwalt aber schon abgelehnt, womit der Fall wahrscheinlich zunächst vorm Deutschen Sportschiedsgericht, später eventuell vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS landet.
Titelfoto: Bildmontage: Soeren Stache/dpa, Sven Hoppe/dpa

