Gold-Julia rast zu traumhaftem Olympiasieg, Rivalin Fräbel erlebt Drama

Cortina (Italien) - Vor vier Jahren weinte Julia Taubitz (29) nach ihrem Sturz bei dem Olympia-Rennen in Peking bittere Tränen. Am Dienstagabend flossen diese in Cortina gegen 19.10 Uhr vor Freude. Der Adrenalinjunkie aus Annaberg raste mit 120 km/h auf ihrem Schlitten zu Gold!

Den Kindheitstraum hat sich Julia Taubitz erfüllt. In Cortina fuhr die Annabergerin zum Olympiasieg.
Den Kindheitstraum hat sich Julia Taubitz erfüllt. In Cortina fuhr die Annabergerin zum Olympiasieg.  © dpa/Michael Kappeler

"Damals haben alle gesagt, es sind nur vier Jahre", meinte Taubitz noch im November mit Blick auf ihre "Revanche" und ihre "letzten Olympischen Spiele", wie sie verriet. "Insgeheim hoffe ich es sehr."

Sie wollte sich zuvor "den Traum vom Gold verwirklichen". Gesagt, getan! Nach achtmal WM-Gold, siebenmal WM-Silber und fünf Gesamtweltcup-Siegen holte die Eiskönigin für Sachsen das erste Olympia-Gold bei den Spielen 2026!

Kurz nach 17 Uhr hatte Taubitz bereits mehr als eine Hand dran. Dies lag nicht nur an ihrer Fahrt im dritten Durchgang. Dieser Lauf war top. Allerdings hatte Merle Fräbel (22) - ihre härteste Kontrahentin um den Titel - einen Bock am Start.

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Nach den Paddelschlägen knallte die Suhlerin erst rechts gegen die Bande, dann links. Der Schwung war weg, aus dem minimalen Rückstand von 61 Tausendstel wurden im Ziel 1,475 Sekunden - aus Rang zwei Platz zehn!

Taubitz sah das Malheur ihrer Teamkollegin am Bildschirm nur mit dem halben Auge, weil sie gerade ihre Handschuhe auszog.

Merle Fräbel (22, r.) weinte bitterlich nach dem Patzer im dritten Lauf.
Merle Fräbel (22, r.) weinte bitterlich nach dem Patzer im dritten Lauf.  © imago/Beautiful Sports

Julia Taubitz erfüllt sich einen Kindheitstraum und freut sich auf Aperol

Julia Taubitz (24, r.) saß noch auf dem Schlitten, da fiel Mama Simone ihr in die Arme und gratulierte.
Julia Taubitz (24, r.) saß noch auf dem Schlitten, da fiel Mama Simone ihr in die Arme und gratulierte.  © DPA/Robert Michael

Lauf Nummer vier konnte die 29-Jährige somit locker angehen. Nur keine Fehler machen. Sie machte keine, behielt die Nerven und riss im Ziel die Arme hoch. Schrie: "JAAAAAA!", legte sich auf den Rücken, schlug die Hände über den Kopf und nahm die Glückwünsche der Kolleginnen entgegen.

"Genieß es", meinte Bundestrainer Patric Leitner (48). Am Ende hatte sein Schützling auf die Zweite Elina Bota (25, Lettland) 0,918 Sekunden Vorsprung, auf die drittplatzierte Amerikanerin Ashley Farquharson (26) 0,957. Fräbel wurde Achte (+1,547).

So strahlte Taubitz mit ihrer Mama Simone und den gut 80 mitgereisten Fans um die Wette. "Ich glaube, ich habe lange nicht mehr so viel geweint. Da ist unglaublich viel abgefallen. Ich konnte jeden Lauf genießen. Das war mein Kindheitstraum, diese Goldmedaille um den Hals zu haben", so die Erzgebirgerin. Jetzt freute sie sich nur noch auf "Aperol".

Titelfoto: Bildmontage: dpa/Michael Kappeler, IMAGO/Beautiful Sports, dpa/Robert Michael

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