Deutsche Biathlon-Hoffnung packt über Seuchen-Saison aus: "Da sind mir wirklich die Tränen gekommen"
Garmisch-Partenkirchen - Als große deutsche Biathlon-Hoffnung stürmte Selina Grotian (22) vor drei Jahren in die Loipe und obwohl sie sich vergangene Saison ihren Kindheitstraum von Olympia auf den letzten Drücker erfüllen konnte, erlebte sie eigentlich einen gebrauchten Winter. Jetzt gewährte sie einen Einblick in die schwierigste Zeit ihrer sportlichen Laufbahn.
Nach einem starken Jahr wurde die mehrfache Junioren-Weltmeisterin im Dezember nämlich von einer Corona-Infektion ausgebremst, die sie auch um ihre Teilnahme in Antholz bangen ließ.
"Das war wirklich die schlimmste Zeit für mich", so die 22-Jährige im Podcast "Extrarunde". "Als Sportler im Bett zu liegen, ist eigentlich so die schlimmste Situation, in der man stecken kann."
Aufgrund der Erkrankung musste Grotian die Weltcups in Hochfilzen und Le Grand-Bornand sausen lassen. "Ich weine selten, aber da sind mir wirklich die Tränen gekommen. Diese Krankheit hat mich so belastet, ich war dann wirklich ausgeknockt drei Wochen lang. Das war sehr schwer für mich."
Gerade das Schrumpfen ihrer Olympia-Chance habe Grotian dabei sehr belastet. Den Tiefpunkt erlebte sie unmittelbar vor ihrer Rückkehr in Oberhof, als sie wegen des Drucks "einen Nervenzusammenbruch" bekommen habe und vor dem Wettkampf auch kaum noch habe schlafen können.
"Diese zwei Wochen waren für mich die härtesten zwei Wochen in meiner bisherigen Biathlon-Karriere, weil das mental für mich der Horror war", erklärte Grotian.
Selina Grotian kommt bei den Olympischen Spielen nicht in Tritt
Am Ende erfüllte sie die Olympia-Norm mit zwei Top-15-Platzierungen in Ruhpolding und qualifizierte sich so kurz vor knapp für die Spiele in Italien.
Dorthin sei sie dann auch mit großen Erwartungen gefahren: "Vor allem, weil ich einfach wusste, dass Antholz genau meine Strecke ist", sagte die Oberbayerin.
Doch unter den fünf Ringen zählte die DSV-Athletin in ihren drei Rennen jeweils nicht einmal zu den besten 40 Teilnehmerinnen.
"Ich weiß nicht, ob es dann noch an der Krankheit lag oder an was es letztendlich lag, vielleicht war die Vorbereitung ein bisschen zu viel", reflektierte Grotian ihren Olympia-Auftritt. "Und ich glaube auch, dieses mentale Auf und Ab war sehr kräftezehrend für mich. Es kam dann einfach alles zusammen."
Daneben war die 22-Jährige von der Atmosphäre enttäuscht, da die Biathleten in Antholz ziemlich ab vom Schuss gewesen seien und selbst in Mailand keine richtige Olympia-Stimmung geherrscht habe.
Nun will Grotian wieder neu angreifen: "Mein Hauptziel ist es, erstmal wieder in den Weltcup zu kommen", sagte sie. "Ich hoffe, dass das Glück wieder auf meiner Seite ist, ich nicht krank werde und endlich mal wieder eine komplette Saison laufen und meine Leistungen wieder wie in den Jahren davor abrufen kann."
Titelfoto: FRANCK FIFE / AFP

