Lappen weg: Olympiasiegerin nicht nur im Eiskanal schnell unterwegs
Oberhof - Kräftiges Schwungholen am Startbügel, drei Paddelschläge ins Eis, auf den Rücken legen und ab geht's in den Eiskanal. Als Julia Taubitz (30) dies vor wenigen Tagen zum ersten Mal in der Saison im norwegischen Lillehammer machte, war die zweifache Olympiasiegerin einfach happy. Geschwindigkeit ist ihr Element, nicht immer zum eigenen Vorteil.
"Wenn's eine Kamera beim ersten Trainingslauf gäbe, hätte die mein breites Grinsen aufgezeichnet - wie ein Honigkuchenpferd habe ich mich gefreut", berichtet die 30-Jährige. Dabei hatte sie "Angst, dass genau dieses Feeling weg ist".
Die Lust auf Geschwindigkeit ist bei Taubitz auch im Sommer hoch. "Ich habe die Straße mit dem Eiskanal verwechselt", berichtet die leidenschaftliche Motorradfahrerin.
Und: "Ich muss meinen Führerschein abgeben, war zu schnell."
Zum Glück startet jetzt die Wintersaison. Da fällt die Zwangsauszeit ohne "Lappen" nicht groß ins Gewicht und den Geschwindigkeitsrausch befriedigt sie auf dem Rodel.
Olympiasiegerin Taubitz genießt Sommerauszeit in Panama
Noch muss sich die Annabergerin auch als Deutschlands Beste (zweimal Olympia-Gold, Gesamtweltcup-Sieg) für den kommenden Weltcup qualifizieren.
"Das wird klappen", meint sie ganz zuversichtlich. Die Umstellung auf den neuen Schlitten fiel auch nicht so schwierig aus.
Der Weltverband hat das Reglement geändert. Der Schlittenbock und der Winkel sind größer. "Dadurch stürzt man nicht mehr so schnell", verrät Taubitz. "Die anderen haben schon vergangene Saison umgestellt, ich mit Blick auf Olympia nicht."
Deshalb hatte sie in Lillehammer nicht viel Zeit, sich ans neue Gerät zu gewöhnen, weil da die erste deutsche Weltcup-Quali anstand. "Aber in Sigulda war's schon richtig schnell", so die Sächsin. Am Wochenende stehen die Rennen in Oberhof an.
Die Akkus für den kommenden Winter sind aufgeladen, auch wenn Julia nach ihrem Olympia-Coup von einem Termin zum nächsten tourte.
Einen schönen Urlaub gönnte sich die achtfache Weltmeisterin auch. "Ich war mit meinem Freund in Panama. Wir haben nur den Flug, einen Mietwagen und das Quartier für die ersten zwei Tage gebucht", berichtet Taubitz. Und: "Es war toll, das Land zu erkunden."
Titelfoto: IMAGO/Christian Heilwagen

