Hannawald watscht DSV-Adler nach Tournee-Pleite ab: "Was mir wieder aufgefallen ist ..."

Bischofshofen (Österreich) - Die Vierschanzentournee endete für die deutschen Skispringer mal wieder in einer Enttäuschung: Gerade einmal ein Podestplatz stand durch Felix Hoffmann (28) zu Buche, vom ersten Gesamtsieg seit Sven Hannawald (51) 2002 waren die DSV-Adler weit entfernt. Der einstige Topspringer zeigt sich darüber entsprechend enttäuscht und geht hart mit den Deutschen ins Gericht.

Das deutsche Skispringen steckt aktuell in der Krise, sieht auch Sven Hannawald 51).
Das deutsche Skispringen steckt aktuell in der Krise, sieht auch Sven Hannawald 51).  © Angelika Warmuth/dpa

Sein Tournee-Fazit falle "wieder ein bisschen ernüchternd" aus, sagte Hannawald bei RTL/ntv. Ihm fehle bei den DSV-Athleten schlicht die Fähigkeit, in entscheidenden Momenten noch einmal über sich hinaus zu wachsen: "Mir ist wieder aufgefallen, dass uns Deutschen dieses 'noch mal mehr Gas geben' nicht möglich war."

Ein wenig in Schutz nahm er dabei Hoffmann, der am Ende den sechsten Gesamtrang belegte, obwohl er mit Knieproblemen gesprungen war.

"Im Nachhinein haben wir auch gehört, dass Felix Hoffmann mit einer leichten Knieverletzung ins Rennen gegangen ist, was wir so natürlich im Vorfeld nicht wussten", erklärte der erste Grand-Slam-Sieger der Vierschanzentournee. Mit dieser Information hätte man vielleicht geringere Erwartungen an Hoffmann gehabt, der in dieser Saison seinen großen Durchbruch feierte.

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Doch die Ergebnisse waren nicht das einzige, was Hannawald am deutschen Tournee-Auftritt störte - vielmehr war für ihn auch die Einstellung das Problem.

Sven Hannawald fehlt der Wille bei den deutschen Skispringern

Karl Geiger (32, im Bild) und Andreas Wellinger (30) befinden sich weiter in der Krise.
Karl Geiger (32, im Bild) und Andreas Wellinger (30) befinden sich weiter in der Krise.  © Daniel Karmann/dpa

"Ich sehe jetzt wenige Springer, die mal sauer sind oder einfach mal Luft rauslassen, weil es einfach nervt, dass sie es irgendwie nicht hinbekommen", kritisierte der 51-Jährige die Mentalität des Teams von Bundestrainer Stefan Horngacher (56).

Für ihn als Außenstehenden sei das störend: "Ich habe jetzt nicht das Gefühl, dass da irgendwo einer brennt, vorwärtszukommen. Und das ist, glaube ich, so ein bisschen der Unterschied zu Österreich."

Einen Deutschen nimmt der ARD-Experte von seiner Generalkritik allerdings aus: Philipp Raimund (25), der die halbe Tournee krank bestritt, trotzdem Achter wurde und im Gesamtweltcup auf dem vierten Platz liegt. "Der ist da voll Attacke, dem merkst du den Ehrgeiz an", sagte Hannawald.

Hinter Hoffmann und Raimund sah es in der Tournee-Wertung allerdings düster aus: Als einziger Deutscher hinter dem Top-Duo sprang Pius Paschke dreimal in den zweiten Durchgang, kein anderer kam je unter die besten 30 Starter. Karl Geiger (32) verpasste zum Auftakt in Oberstdorf sogar den Wettkampf.

Titelfoto: Bildmontage: Angelika Warmuth/dpa, Daniel Karmann/dpa

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