Los Angeles (USA) - Wohl jeder kennt den typischen "Hundefilter" der Foto-App Snapchat. Doch dass die Firma hinter der Anwendung noch an ganz anderen Projekten als lustigen Gesichtsfiltern arbeitet, zeigt die zuletzt vorgestellte "SPECS". Mithilfe dieser Sehhilfe soll der Alltag vieler Menschen erleichtert werden.
Vielleicht erinnern sich die einen oder anderen noch an die "Google Glass", die das Unternehmen bereits im Jahr 2012 erstmals vorgestellt und 2014 als Beta-Version veröffentlicht hatet.
Das dünne Gestell ohne Brillengläser war sozusagen das erste "Head-up-Display" für den Menschen im Alltag. Seitdem schreitet die Entwicklung solcher "Sehhilfen" immer schneller voran.
Etliche weitere Firmen stellten so in den darauffolgenden Jahren ihre Version der smarten Brille vor. Am Dienstag betrat schließlich auch die Snapchat-Firma "Snap" mit ihrem Produkt "SPECS" die Bühne auf der diesjährigen Augmented World Expo.
"Zu oft erwischen wir uns dabei, wie wir mit gesenktem Kopf auf einen Bildschirm schauen, anstatt uns mit den Menschen, Orten und Dingen zu beschäftigen, die gerade um uns herum sind", schreibt das Unternehmen auf seiner Website. "Wir glauben, dass Augmented Reality der natürlichste Weg ist, um einen Computer zu nutzen, weil es genau der Art und Weise entspricht, wie Menschen die Realität ohnehin schon erleben: sozial, visuell und dreidimensional."
Aller Voraussicht nach soll es bereits im Herbst dieses Jahres so weit sein, dass die ersten Käufer aus den USA, Großbritannien und Frankreich ihre "SPECS" in den Händen halten.
Preislich schlägt die smarte Brille jedoch ganz schön rein. So kostet ein Modell in den USA schlappe 2195 Dollar (umgerechnet circa 1891 Euro), während Menschen in Frankreich sogar 2295 Euro blechen müssen.
So sieht das Leben mit einer smarten Brille aus
In dem breiten, auftragenden Design der Brille steckt einiges an Technik. So sollen Träger die Möglichkeit haben, ähnlich wie bei einem Head-up-Display im Auto Routen und Richtungsanweisungen direkt in ihrem Sichtfeld zu haben.
Zudem soll die Brille auch bei alltäglichen Aufgaben behilflich sein. In dem Vorstellungsvideo ist zu sehen, wie die Brille die geöffnete Motorhaube eines Autos erkennt und anzeigt, in welche Öffnung die Kühlflüssigkeit kommt. Lautsprecher an den Seiten sollen die Aufgabe von Kopfhörern übernehmen.
Vollgeladen soll es die "SPECS" auf rund vier Stunden Betriebszeit bringen. Zum Laden verstaut man die smarte Brille im Anschluss wieder im mitgelieferten Etui.
Hologramm-Brille kann gefährlich sein
Jeder sollte wissen: Das Handy darf beim Autofahren nicht bedient werden, denn es kann den Fahrenden vom Verkehrsgeschehen ablenken und so einen Unfall verursachen. Doch wie sieht es aus, wenn das "Handy" die ganze Zeit auf der Nase sitzt?
Rechtlich gesehen befinden sich AR-Brillen in einer gesetzlichen Grauzone. Laut § 23 StVO ist es dem Fahrzeugführenden verboten, mit sämtlichen Geräten zu interagieren, die nicht sprachgesteuert sind - auch wenn es sich dabei um eine "Videobrille" handelt.
Jedoch ist es gestattet, eine solche zu nutzen, sofern diese dem Zweck der Navigation dient. Ebenso ist es erlaubt, eine Brille zu tragen, wenn deren Brillengläser als Sehhilfe fungieren.
Im Umkehrschluss bedeutet das: Wer eine AR-Brille im Auto ausschließlich zur Navigation und als Sehhilfe nutzt, darf diese tragen. Wenn man jedoch mit der Brille durch Wischen oder Tippen interagiert, kann es ganz schön teuer werden.