Berlin - Der 19. November dürfte für Gamer ein besonderer Tag werden. Wenn das wohl meist erwartete Spiel der vergangenen Jahre wie angekündigt erscheint, werden wohl weltweit Millionen Controller glühen. Ausgerechnet rund um diesen Termin gibt es nun ein Bildungsurlaubsangebot für Open-World-Games.
Unter dem Titel "Open World Games – Lektionen aus einer digitalen Welt" findet vom 18. bis 20. November ein dreitägiger Live-Onlinekurs statt. Auf dem Stundenplan stehen unter anderem Storytelling, digitale Kultur, Gamification, Motivation, Community-Dynamiken und Zusammenarbeit.
Doch was hat das mit Weiterbildung zu tun und was bringt es dem Arbeitgeber, wenn seine Mitarbeiter während der Arbeitszeit plötzlich in der GTA-Welt von Vice City unterwegs sind?
Ein Teil des Unterrichts findet tatsächlich direkt in virtuellen Welten statt. Die Teilnehmer bekommen Forschungsaufträge, suchen etwa nach Easter Eggs und analysieren, warum solche versteckten Details Spieler und Communitys fesseln. Die Beobachtungen werden anschließend gemeinsam ausgewertet und auf Themen wie Markenführung, Motivation oder Teamarbeit übertragen.
"Gespielt wird bei uns nie einfach so", erklärt Veranstalter Carlo Drechsel von "Dein Bildungsurlaub" gegenüber TAG24. Jede Spielphase sei Teil eines Forschungsauftrags, dessen Ergebnisse gemeinsam ausgewertet werden. Die Teilnehmer sollen etwa untersuchen, wie Geschichten erzählt werden oder was Menschen motiviert, und die Erkenntnisse anschließend auf ihren Berufsalltag übertragen.
GTA 6 wird in den Teilnahmeinformationen genannt, allerdings nach Verfügbarkeit. Aber auch andere Titel wie GTA V, "Cyberpunk 2077", "Watch Dogs 2", "Red Dead Redemption 2" oder "Zelda: Breath of the Wild" stehen zur Auswahl.
Auffällig ist trotzdem das Timing. Der Kurs beginnt einen Tag vor dem angekündigten GTA-6-Release. Laut Drechsel ist das kein Zufall: Die große Aufmerksamkeit rund um GTA 6 soll genutzt werden, um Lernen und digitale Kultur miteinander zu verbinden.
Gaming als Bildungszeit? Ganz so einfach ist es nicht!
Gezockt wird nach Lehrplan von 9 bis 17.30 Uhr – online und von zu Hause aus. Die Spielphasen sind Teil der Aufgaben und werden pädagogisch begleitet. Aus dem virtuellen Streifzug soll am Ende also eine Erkenntnis für die reale Arbeitswelt werden.
Und was hat der Arbeitgeber davon? Laut Drechsel sollen die Teilnehmer aus den Games Ideen für ihren Arbeitsalltag mitnehmen – etwa für bessere Kommunikation, Teamarbeit und Motivation. Nebenbei sollen auch Kreativität, Problemlösungsfähigkeit und Medienkompetenz gefördert werden.
Die Bildungszeit ist allerdings an Bedingungen geknüpft und nicht in jedem Bundesland gleich geregelt. Der Kurs ist derzeit in mehreren Bundesländern als Bildungszeit beziehungsweise Bildungsurlaub anerkannt.
In Berlin führt die Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung das Angebot offiziell in ihrer Datenbank in der Kategorie "Elektronische Datenverarbeitung".
Ganz kostenlos ist der ungewöhnliche Bildungsurlaub allerdings nicht. Für die Teilnahme werden 119 Euro fällig, die die Beschäftigten selbst zahlen müssen. Auch die benötigte Hardware und eine eigene Spiellizenz müssen vorhanden sein.
Wer mitmachen will, kann den Kurs zunächst 21 Tage kostenlos reservieren. Für die Bildungszeit muss der Antrag beim Arbeitgeber spätestens sechs Wochen vor Kursbeginn gestellt werden.
Bei einer Fünf-Tage-Woche gibt es in Berlin grundsätzlich fünf Tage Bildungszeit pro Jahr. Den nötigen Anerkennungsbescheid stellt "Dein Bildungsurlaub" kostenlos bereit.