Sprung ins nächste Level? Die Gaming-Branche wächst im Osten

Leipzig - Was momentan auf der 1700-Quadratmeter-Baustelle an der Leipziger Ritterstraße 42 bis zum Ende des Jahres entsteht, soll der Spielebranche in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt ordentlich Aufschwung verleihen.

Christopher Siebenhüner (l.) und Tom Potutschek freuen sich auf die Eröffnung ihres künftigen Projektzentrums in Leipzig.
Christopher Siebenhüner (l.) und Tom Potutschek freuen sich auf die Eröffnung ihres künftigen Projektzentrums in Leipzig.  © Hendrik Schmidt/dpa

"R42" haben die Unternehmensberater Christopher Siebenhüner und Tom Potutschek ihr Projekt in Leipzig getauft, das sie selbst als "Ökosystem" bezeichnen.

Denn in mehreren Räumen sollen im R42 alle Bereiche aus der Spielewelt vereint werden: Arbeitsplätze für Start-ups, eine Arena für Events oder eine Gamingecke mit Computern. Es soll zeigen, dass die Branche "viel größer und vielfältiger" ist, als man denkt, erklärt Siebenhüner. Auch die Hochschulen Mittweida und die Macromedia in Leipzig kooperieren mit R42.

Denn: Es gebe viele junge Start-ups und Unternehmer in Mitteldeutschland, die spannende Ideen für Games mitbringen und umsetzen - sie fliegen nur oft noch unter dem Radar: "Die Leute und das kreative Potenzial sind vorhanden, aber die Struktur fehlt", findet Potutschek.

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"Die Branche ist in den vergangenen Jahren gewachsen, aber nicht in der Geschwindigkeit, wie man sich das immer wünscht", sagt auch Alexander Marbach, Professor für Computergrafik und visuelle Gestaltung an der Hochschule Mittweida. Drei Studiengänge haben dort einen Bezug zur Gamingbranche, zum Beispiel der Bachelor Medienmanagement mit der Fachrichtung eSports Marketing.

Marbachs Studierende können im R42 eigene Forschungsideen mit den Start-ups umsetzen und ihnen dabei helfen, sich auf dem Markt zu zeigen, sagt er. "Das Ankurbeln ist tatsächlich so ein Teamgedanke in Mitteldeutschland. Leute, die versuchen wollen, die Spielbranche sichtbar zu machen."

Viele Start-ups sitzen in Leipzig

Das Gebäude für das Projektzentrum R42 in Leipzig ist derzeit Baustelle.
Das Gebäude für das Projektzentrum R42 in Leipzig ist derzeit Baustelle.  © Hendrik Schmidt/dpa

Das sieht Friedrich Lüder, der Vorsitzende des Vereins Games und XR Mitteldeutschland, ähnlich. In der Region gebe es rund 760 Akteure in der Szene, darunter Start-ups, etablierte Unternehmen und Studierende, die gründen wollen.

Über 60 Prozent von ihnen säßen in Sachsen, Schwerpunkt Leipzig. "Das hängt damit zusammen, dass Leipzig die Metropole in Mitteldeutschland ist, viele Hochschulen und eine schnelle Anbindung überallhin hat. Die Ausgangslage ist exzellent."

Außerdem wurde in der größten Stadt des Freistaats jahrelang die Spielemesse Gamesconvention ausgetragen, dessen Veranstalter seit 2009 die Kölner Gamescom unterstützt.

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In Sachsen-Anhalt hätten sich viele kreative Unternehmer in Halle angesiedelt, die sich mit dem Thema Interactive Design beschäftigten, sagt Lüder. In einem Projekt gestalteten Designer zum Beispiel für eine Firma eine Eingangshalle zu einem interaktiven Aquarium.

In den drei Bundesländern gebe es generell auch viele Firmen, die Technologien aus der Gamingwelt in anderen Gebieten anwenden. Zum Beispiel in der Medizintechnik, wenn es um die Simulation von Operationen mithilfe von virtueller Realität (VR) geht.

Mitteldeutsche Gaming-Szene braucht mehr Investments

Am vergangenen Wochenende besuchten Tausende Menschen die Gamescom in Köln.
Am vergangenen Wochenende besuchten Tausende Menschen die Gamescom in Köln.  © Oliver Berg/dpa/dpa-tmn

Doch viele der sehr bekannten Unternehmen aus der Spielebranche sitzen in den Metropolstädten Berlin, Hamburg, Köln und auch München. Erst am Dienstag hat in Köln die Videospielmesse Gamescom begonnen, die als weltweit größte Publikumsmesse für digitale Spiele gilt.

Was machen diese Städte also anders als die ostdeutschen Standorte? "Die Förderlandschaft, sodass man dezidierte Förderprogramme hat. Da sind die großen Metropolen sehr weit. Dort werden Millionen pro Jahr ausgegeben", nennt Lüder einen der Gründe.

In Mitteldeutschland sei das Investment noch ausbaufähig, es gebe keine eindeutigen Richtlinien, um Games etwa als Kulturgut zu unterstützen.

Diesen Eindruck hat auch Marbach. "Um eine Sichtbarkeit zu erzeugen, brauchen wir große Projekte und große Förderungen. Das muss dringend verbessert werden", fordert der Professor.

Der Preis "Games Innovation Award Saxony", der im vergangenen Jahr zum ersten Mal mit der Sächsischen Staatskanzlei an Entwickler aus der Szene verliehen wurde, sei ein erster guter Schritt. "Im Standort Sachsen steckt eine Menge Potenzial. Es gibt hier nicht nur eine vielfältige Medienlandschaft, sondern darüber hinaus auch erfolgreiche Unternehmen aus anderen Wirtschaftsbereichen, die die Expertise der Games-Branche für sich nutzen können und damit potenzielle Kunden sind", teilte die Sächsische Staatskanzlei mit.

Im R42, hofft Marbach, könnten Studierende etwa wissenschaftlich an Kriterien für Förderungen arbeiten, die konkret auf Games zugeschnitten sind. Auch Christopher Siebenhüner ist sich sicher: "Wir haben noch die Chance, mit vorn dabei zu sein."

Titelfoto: Hendrik Schmidt/dpa

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