Sie war die Stiefschwester von Anne Frank: Holocaust-Überlebende Eva Schloss ist tot
London (England) - Was Eva Schloss (†96) in ihrer Kindheit und Jugend erleben musste, ist unvorstellbar. Nach traumatischen Erlebnissen in jungen Jahren beschloss sie, sich dem Kampf gegen Ungerechtigkeit auf der Welt zu verschreiben. Nun heißt es Abschied nehmen - von einer Frau, die die Schoah überlebt hat und zeit ihres Lebens alles dafür tat, dass sich ein solches Verbrechen nicht wiederholt.
Laut einem Bericht des jüdischen Nachrichtenportals "Jewish Times" starb die gebürtige Österreicherin am vergangenen Samstag friedlich in ihrer Wahlheimat London. Eva Schloss wurde 96 Jahre alt.
Gemeinsam mit ihrer Familie floh die damals Neunjährige aus dem eben besetzten Österreich in die niederländische Hauptstadt Amsterdam, wo sie in das Nachbarhaus der Familie Frank einzog. Mit der gleichaltrigen Nachbarstochter Anne (†16) spielte Eva eigenen Angaben zufolge oft auf den Straßen oder in einer der beiden Familienwohnungen. Doch ebenso wie die Familie Frank wurde auch die Familie Schloss von den Nazis entdeckt und in Konzentrationslager deportiert. Nur Eva und ihre Mutter überlebten den Krieg, nach dem sie London als ihre neue Heimat wählten.
Dort heirateten beide Frauen, wobei sich ihre Mutter mit Otto Frank, dem Vater ihrer damaligen Kindheitsfreundin Anne, trauen ließ, was Eva selbst zur Stiefschwester ihrer Spielgefährtin aus Kindheitstagen machte.
Nun starb Eva nach einem aufregenden Leben im Alter von 96 Jahren friedlich in London. Sie hinterlässt drei Töchter und eine ganz besondere Stiftung - den "Anne Frank Trust".
Royale Unterstützung für Schloss' Stiftung
Im Jahr 1990 gründete die 96-Jährige mit ein paar weiteren Vertrauten die Stiftung "Anne Frank Trust UK", welche junge Menschen dazu ermutigen soll, Vorurteile durch Lehren um Anne Frank und den Holocaust zu bekämpfen.
Erst 2024 erklärte Schloss: "Wir dürfen niemals die schrecklichen Folgen vergessen, die es hat, Menschen als 'anders' zu behandeln. Wir müssen die Herkunft und Religion aller Menschen respektieren. Wir müssen mit unseren Unterschieden zusammenleben. Der einzige Weg dorthin führt über Bildung, und je früher wir damit beginnen, desto besser."
Noch im selben Jahr wurde Queen Camilla (78) erste königliche Schirmherrin der Organisation.
Titelfoto: Chris Jackson / POOL / AFP
