Bedürftiger biss auf Mikrochip: Preisgekröntes Rennpferd landet illegal in Suppenküche

Mersin (Türkei) - Nachdem das preisgekrönte Rennpferd Smart Latch verletzungsbedingt in den Ruhestand geschickt wurde, sollte die Stute ihre Rente eigentlich auf einem Pferdehof verbringen. Doch dort kam das Tier nie an.

"Smart Latch" gewann mehrere Rennen in der türkischen Stadt Adana, musste wegen einer Beinverletzung aber vorzeitig in den Ruhestand. (Symbolbild)
"Smart Latch" gewann mehrere Rennen in der türkischen Stadt Adana, musste wegen einer Beinverletzung aber vorzeitig in den Ruhestand. (Symbolbild)  © Malte Christians/dpa/dpa-tmn

Stattdessen wurde Smart Latch offenbar von einem illegalen Schlachter getötet und nichts ahnenden Gästen einer Suppenküche in Mersin im Süden der Türkei als Rindfleischgericht serviert.

Das berichtet unter anderem die türkische Nachrichtenagentur DHA.

Demnach sei der Fall aufgeflogen, weil ein Gast der kommunalen Hilfseinrichtung beim Löffeln seiner Suppe plötzlich auf einen harten Gegenstand gebissen hatte. Dabei habe es sich um den Mikrochip gehandelt, der der Vollblutstute einst eingepflanzt wurde, heißt es weiter.

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Beamte des örtlichen Landwirtschaftsministeriums untersuchten daraufhin das Essen in der Suppenküche - mit erschreckendem Ergebnis: In dem dort servierten traditionellen Gericht Kavurma, das normalerweise aus Lamm- oder Rindfleisch besteht, war tatsächlich Pferdefleisch enthalten.

Besitzer wollte Smart Latch an Reithof verschenken, damit Kinder auf ihr lernen, zu reiten

Das Schlachten und Verzehren von Pferden ist in der Türkei nicht illegal, gilt aber gemeinhin als gesellschaftliches Tabu. (Symbolbild)
Das Schlachten und Verzehren von Pferden ist in der Türkei nicht illegal, gilt aber gemeinhin als gesellschaftliches Tabu. (Symbolbild)  © Caroline Seidel/dpa

"Wir sind sehr unglücklich", erklärt der frühere Besitzer des Pferdes, Suat Topcu, gegenüber DHA. Die Stute, die mehrere Rennen in der nahegelegenen Stadt Adana gewonnen hatte, sei erst kürzlich in den Ruhestand geschickt worden, nachdem sie sich das Bein gebrochen hatte.

Um ihr einen würdigen Lebensabend zu schenken, habe Topcu Smart Latch daraufhin einem örtlichen Reitverein schenken wollen, damit Kinder auf ihrem Rücken lernen, zu reiten. Extra dafür habe er sogar eine spezielle Spedition beauftragt.

Bis er vom Landwirtschaftsministerium kontaktiert wurde, habe er aber keine Ahnung gehabt, was mit dem Tier passiert ist.

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Die Ermittler gehen derweil davon aus, dass Smart Latch nie auf dem Reiterhof ankam, sondern stattdessen zu dem Schlachter gebracht wurde. Ihr Fleisch sei anschließend als Rindfleisch etikettiert und verkauft worden. Die Stadtverwaltung Mersin kündigte an, lückenlos aufklären zu wollen, wie das Pferdefleisch als Rindergericht auf der Speisenkarte der Armenküche landen konnte.

Gegen Topcu selbst wurde außerdem eine Geldstrafe ausgesprochen, da er die Schenkung des Rennpferdes nicht ordnungsgemäß gemeldet hatte.

Titelfoto: Bildmontage: Caroline Seidel/dpa, Malte Christians/dpa/dpa-tmn

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