Familie will 16-Millionen-Vermögen verschenken: "Mir hat dieses Geld immer Unbehagen bereitet"

Schweiz - Während die meisten Menschen von einem Luxusleben in Saus und Braus und ganz ohne Geldsorgen träumen, hat sich eine Familie aus der Schweiz dazu entschlossen, ihr Vermögen über 15 Millionen Franken (etwa 16 Millionen Euro) zu verschenken.

Das Vermögen der Familie stammt aus einer Erbschaft des Vaters. (Symbolbild)  © Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa

"Mir hat dieses Geld immer Unbehagen bereitet", begründet die Mutter den Entschluss gegenüber der schweizerischen Zeitung "Beobachter".

Sie sei demnach in einfachen wirtschaftlichen Verhältnissen in einer Bauernfamilie groß geworden. Gemeinsam mit ihren zehn Geschwistern habe sie sogar "die Nase gerümpft", wenn "am Sonntag die Reichen mit ihren Sportwagen rumkurvten", führt sie aus. Dementsprechend habe sie sich nie mit dem Reichtum identifizieren können, den ihr Mann in die Ehe einbrachte.

Der Architekt in zweiter Generation hatte das Geld von seinem verstorbenen Vater geerbt, sei trotz des Wohlstands aber selbst in eher bürgerlichen Verhältnissen aufgewachsen, erzählt er. Zwar habe er in einem großen Haus samt Kindermädchen gewohnt, seine Eltern hätten den Reichtum aber nie zur Schau gestellt. Also packte er sein Erbe auf ein Konto - und fasste es nie wieder an.

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Selbst gegenüber den beiden Kindern habe das Ehepaar lange verschwiegen, wie viel Geld sie wirklich gebunkert haben. Natürlich habe die Kohle Sicherheit gebracht und der Familie ein weitgehend sorgenfreies Leben mit einem Haus in guter Lage, einem Feriendomizil im Wallis und größeren Auslandsreisen ermöglicht, über die Ausmaße des Wohlstands wurden die beiden Sprösslinge aber erst im jungen Erwachsenenalter aufgeklärt. "Die Summe hat mich umgehauen", erinnert sich die Tochter.

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Schweizer Familie will "möglichst das ganze Vermögen versetzen"

In einem ersten Schritt will die Familie rund 1,5 Millionen Franken an eine Schweizer Organisation spenden, die Klimaschutzprojekte unterstützt. (Symbolbild)  © 123RF/yulikov

Vor rund drei Jahren sei innerhalb der Familie dann die Idee entstanden, das Geld wegzugeben. Zunächst ausgehend von der Mutter, die nach wie vor als Pflegekraft arbeitet, dann auch von ihrer Tochter. "Als mir während meines Studiums das ganze Ausmaß der Klima- und Biodiversitätskrise bewusst wurde, fand ich, dass wir nicht mehr warten können. Wir müssen etwas tun", sagt sie.

Doch schnell stellte sich die Frage: Wohin mit dem Geld? Wie kann es am besten eingesetzt werden? "Wir merkten rasch, dass wir Hilfe brauchen", erklärt der Vater. Folglich trafen sie sich über ein Jahr lang regelmäßig mit einem Coach zur Familienberatung, um herauszufinden, was sie wollten und was sie von ihrer Spende erwarten. "Diese Struktur hat uns sehr geholfen. Alle kamen zu Wort, alle wurden angehört", meint die Mutter.

Auf diese Weise hätten sie sich inzwischen entschlossen, in einem ersten Schritt eine Schweizer Stiftung, die Klimaschutzprojekte vorantreibt, zu unterstützen. So hat sich die Familie verpflichtet, der Organisation bis Ende 2026 etwa 1,5 Millionen Franken zu überlassen. Weitere Spenden sind geplant, zunächst wolle man aber abwarten, "ob das Geld wirklich wirkt", erklärt der Sohn.

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Behalten wolle die Familie lediglich die Immobilien sowie so viel Geld, dass sich die Kinder beruflich verwirklichen und die Eltern einen angenehmen Lebensabend verbringen können. Abgesehen davon "wollen wir möglichst das ganze Vermögen versetzen", betont die Tochter und meint abschließend: "Das Einzige, auf das wir verzichten, ist die Möglichkeit auf ein Luxusleben, das ich angesichts der Weltlage als komplett daneben empfinden würde."

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