Tod per Post verschickt: 14 Jahre Haft für Chemikalien-Händler
Wrexham (Großbritannien) - Ein perfides Geschäft mit dem Tod: Ein 33-jähriger Mann aus Wrexham ist zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt worden, weil er im Internet Chemikalien zum Suizid verkauft hat. Die Ermittler sprechen von einem der ersten Fälle dieser Art in Großbritannien.
Der Täter, Miles Cross, hatte sich gezielt in Online-Foren für suizidgefährdete Menschen bewegt. Dort bot er seine tödliche Ware an - zum Preis von circa 115 Euro pro Paket, wie BBC berichtet.
Insgesamt schickte er die Chemikalien zwischen August und September 2024 an vier Personen, die sich in akuten Krisen befanden. Mindestens zwei Menschen starben infolge der Lieferungen.
Besonders erschütternd: Eine der Käuferinnen, die 29-jährige Shubreet Singh aus Leeds, tauschte kurz vor ihrem Tod Nachrichten mit Cross aus.
Die beiden sprachen sogar über ihre "letzte Mahlzeit". Wenige Tage später war die junge Frau tot - in ihrer Wohnung fand die Polizei eine Verpackung mit der Rücksendeadresse des Angeklagten.
Bei der Razzia der Wohnung von Cross stellten Beamte große Mengen Chemikalien, Verpackungsmaterial und Zahlungsnachweise sicher.
Das Gericht wertete es als besonders schwerwiegend, dass Cross die Empfänger nicht kannte, ihre Verletzlichkeit aber bewusst ausnutzte. Der Richter sprach von "zutiefst verstörenden" Nachrichten.
Cross selbst versuchte, sich als Helfer darzustellen
Er habe das Forum zunächst aus eigenen psychischen Problemen heraus genutzt und wollte dann "anderen helfen, ihr Leben zu beenden".
Die Staatsanwaltschaft widersprach deutlich: Die Chemikalien habe er bereits vor dem Einstieg in das Forum beschafft - mit klarer Absicht, sie weiterzuverkaufen.
Die Polizei warnt nun eindringlich vor Personen, die gezielt nach verzweifelten Menschen suchen. Das betroffene Forum wurde inzwischen geschlossen.
Ein ehemaliger Käufer sagte nach dem Kauf aus, es sei "erschreckend leicht" gewesen, an die Substanz zu kommen und dass er heute wohl tot wäre, hätte er sie nicht rechtzeitig weggeworfen.
TAG24 berichtet normalerweise nicht über Suizide oder suizidale Handlungen. Aufgrund der besonderen Umstände, des öffentlichen Tatgeschehens und der strafrechtlichen Aufarbeitung wurde dieser Fall dennoch thematisiert.
Solltet Ihr selbst von Suizid-Gedanken betroffen sein, findet Ihr bei der Telefonseelsorge rund um die Uhr Ansprechpartner, natürlich auch anonym. Telefonseelsorge: 08001110111 oder 08001110222 oder 08001110116123.
Titelfoto: Montage: 123rf/rigsby8131, North Wales Police

