Heimlich gefilmt, digital manipuliert: So können Smartglasses und Deepfakes Schaden anrichten

Dresden - Ein kurzer Moment, ein Klick- und schon kann aus einer Alltagsszene eine Hasswelle werden. Smartglasses machen das Filmen anderer Menschen noch einfacher, während Deepfakes Bilder und Videos täuschend echt verändern können. Für Betroffene kann das schnell zum digitalen Albtraum werden: Bloßstellung, Spott und Hass können sich im Netz rasant verbreiten.

Das Filmen ohne Einwilligung, etwa mit einer Smartglasses, kann sowohl straf- als auch zivilrechtliche Folgen haben. (Symbolbild)  © Christoph Schmidt/dpa

Mit Smartglasses wird das Filmen anderer Menschen unauffälliger. Die Kamera sitzt direkt an der Brille und ist damit weniger offensichtlich als ein Smartphone. Für den Träger praktisch, für andere jedoch problematisch: Wer gefilmt wird, bemerkt möglicherweise gar nicht, dass eine Aufnahme entsteht.

Besonders kritisch kann das an Orten sein, an denen Menschen weniger bekleidet sind, etwa im Schwimmbad oder am Strand. Solche Aufnahmen können anschließend auf Instagram, TikTok oder sogar auf pornografischen Seiten landen - ohne Zustimmung der betroffenen Person, was eine erhebliche Verletzung der Privatsphäre darstellen kann.

In Deutschland gilt grundsätzlich: "Filmaufnahmen sind (…) nur erlaubt, wenn eine Einwilligung der aufgenommenen Personen vorliegt", erklärt ein Pressesprecher des Sächsischen Datenschutz- und Transparenzbeauftragten.

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"Werden Filmaufnahmen ohne die erforderliche Einwilligung der dargestellten Person veröffentlicht, ist das nach dem Kunsturhebergesetz strafbar (§ 33 Kunsturhebergesetz). Auch Tonaufnahmen können strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen (§ 201 StGB). Ferner können auch zivilrechtliche Ansprüche wegen Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts drohen", so der Sprecher.

Die Stadt Potsdam hat auf das Problem bereits reagiert: In Schwimmbädern und Saunen der Bäderlandschaft Potsdam sind Smart Glases mit Kameras und Mikrofon explizit verboten.

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Moderne Gefahren: Deepfakes als neue Form digitaler Gewalt

Mithilfe von Deepfakes können Täterinnen und Täter neue Formen der Erpressung nutzen. (Symbolbild)  © Marcus Brandt/dpa

Moderne Gefahren gehen längst nicht mehr nur vom heimlichen Filmen aus, sondern können an ganz anderer Stelle beginnen. In den vergangenen Jahren haben sich Deepfakes zu einem immer weiter verbreiteten Problem entwickelt.

Ein Deepfake ist eine mithilfe von KI erzeugte oder manipulierte Aufnahme - etwa ein Bild, eine Audioaufnahme oder ein Video. Dabei kann der Eindruck entstehen, dass eine reale Person etwas sagt oder tut, was sie in Wirklichkeit nie gesagt oder getan hat.

Die gemeinnützige Organisation HateAid sieht dabei auch einen möglichen Zusammenhang mit Smartglasses: Die Brillen erleichtern das unauffällige Erstellen von Aufnahmen, die anschließend mithilfe von KI verändert oder für andere Zwecke missbraucht werden können.

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Wie HateAid gegenüber TAG24 erklärte, können Täterinnen und Täter inzwischen gezielt Technologien wie Nudify-Apps, Deepfakes und Deepfake-Pornografie einsetzen, um Menschen zu erpressen, öffentlich bloßzustellen oder sexualisierte Gewalt auszuüben.

Im März 2026 sorgte der Fall um Collien Fernandes für Aufsehen

Collien Fernandes (45) kritisiert selbst den mangelnden Schutz vor Deepfakes.  © Henning Kaiser/dpa

Einer der jüngsten prominenten Fälle ist der von Collien Fernandes (45). Im März dieses Jahres ging die Schauspielerin an die Öffentlichkeit und erzählte von ihren schrecklichen Erfahrungen mit Deepfake-Pornos. Noch immer sind Hunderte dieser Clips mit ihrem Gesicht im Umlauf.

Ihr Ex-Mann Christian Ulmen (51) soll zahlreiche Fake-Profile seiner damaligen Frau erstellt und mit Hunderten Männern Kontakt aufgenommen haben. Dabei soll er ihnen erotische Bilder und Videos geschickt und teilweise sogar Telefonsex gehabt haben.

Vor wenigen Tagen tauchten zudem zahlreiche Deepfake-Nacktbilder von 147 EU-Abgeordneten im Netz auf, 138 von ihnen sind Frauen. Nun fordern führende Parlamentarier härtere Maßnahmen und einen besseren Schutz vor digitaler Gewalt.

Auch HateAid fordert Veränderungen: "Es braucht rechtliche Klarheit, etwa durch spezifische Gesetze gegen KI-generierte Gewalt. Wir brauchen bessere technische Lösungen wie KI-basierte Erkennungstools auf Plattformen, um strafbare Inhalte schneller zu entfernen. Zudem müssen wir die Unterstützungsangebote für Betroffene stärken, inklusive Beratung, psychologischer Hilfe und Aufklärung."

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