Nach Tod von Kreml-Gegner Nawalny: Familie weiter ohne Zugang zu seiner Leiche

Salechard (Russland) - Nach dem Tod des Kremlgegners Alexej Nawalny im Straflager haben die Mutter und die Anwälte nach Angaben der Sprecherin des Oppositionellen weiter keinen Zugang zur Leiche des 47-Jährigen.

Nach offiziellen Angaben war Alexej Nawalny (†47) am Freitag im Straflager gestorben.
Nach offiziellen Angaben war Alexej Nawalny (†47) am Freitag im Straflager gestorben.  © Misha Japaridze/AP

Am Montagmorgen seien Alexejs Mutter Ljudmila Nawalnaja und die Anwälte nicht in die Leichenhalle in der nordrussischen Stadt Salechard gelassen worden.

"Auf die Frage, ob sich dort Alexejs Körper befindet, antworten die Mitarbeiter nicht", teilte Nawalnys Sprecherin Kira Jarmysch im Nachrichtenportal X (vormals Twitter) mit. Angehörige und das Team Nawalnys fordern den russischen Machtapparat seit Tagen zur Herausgabe der Leiche auf.

"Im Ermittlungskomitee wurde der Mutter und den Anwälten gesagt, dass die Untersuchung des Todes Nawalnys verlängert wurde. Wie lange sie noch dauert, ist nicht bekannt", teilte Jarmysch mit. "Die Gründe des Todes sind immer noch 'nicht festgestellt'."

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Nawalnys Team macht Putin für den Tod Nawalnys verantwortlich und wirft den Behörden Verzögerungstaktik vor.

Julia Nawalnaja trauert um ihren Ehemann

Julia Nawalnaja (47), die Witwe des russischen Oppositionsführers.
Julia Nawalnaja (47), die Witwe des russischen Oppositionsführers.  © Kai Pfaffenbach/Pool Reuters/dpa

Die Witwe des russischen Oppositionsführers, Julia Nawalnaja (47), war am Montag zum EU-Außenministertreffen in Brüssel eingeladen.

Sie hatte am Vorabend erstmals seit dem Tod ihres Mannes im sozialen Netzwerk Instagram einen Beitrag abgesetzt – ein Foto, auf dem Nawalny sie liebkoste und mit den Worten: "Ich liebe dich".

Tausende Menschen sprachen in Kommentaren Julia Nawalnaja Mut zu und wünschten ihr Kraft.

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Am Montagmorgen hatte der Eintrag mehr als eine halbe Million Aufrufe.

Blumen und Kerzen in Russland niedergelegt – trotz Festnahmen und Polizeigewalt

Auch in Russland wurden spontane Gedenkstätten für Alexej Nawalny (†47) errichtet.
Auch in Russland wurden spontane Gedenkstätten für Alexej Nawalny (†47) errichtet.  © Artem Priakhin/SOPA Images via ZUMA Press Wire/dpa

Auch in Russland zeigten Russen offen ihre Trauer – trotz Hunderter Festnahmen und Polizeigewalt. Viele legten an offiziellen Denkmälern für die Opfer politischer Gewalt Blumen nieder und zündeten Kerzen an.

Behörden versuchten weiter, die spontanen Gedenkstätten zu zerstören, Blumen wurden in Mülltüten gestopft und abtransportiert.

Auch westliche Botschafter legten in Moskau gegenüber der Geheimdienstzentrale an der Lubjanka Blumen nieder und erinnerten an Nawalnys mutigen Widerstand gegen Putin.

Der russische Präsident, der in einem Monat wiedergewählt werden will, hat sich bisher nicht geäußert zum Tod seines schärfsten Gegners.

Der nach vielen Tagen in immer wieder angeordneter Einzelhaft körperlich geschwächte Nawalny war nach russischen Behördenangaben am Freitag bei einem Hofgang in seinem sibirischen Straflager bei eisigen Temperaturen zusammengebrochen. Wiederbelebungsversuche waren nach Angaben des Strafvollzugs erfolglos.

Titelfoto: Misha Japaridze/AP

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