Madrid (Spanien) - Maricarmen Abascal (†87) war das Gesicht des Protests gegen die Wohnungsnot in Spanien. Zwei Wochen nach der Zwangsräumung ihrer Wohnung ist die Seniorin gestorben.
Die 87-Jährige war am 23. September nach einem jahrelangen Streit mit ihrem Vermieter von der Polizei aus ihrer Wohnung geholt und anschließend von Rettern ins Krankenhaus gebracht worden.
Zwei Wochen später starb sie.
Für die Protestbewegung gegen die Wohnungsnot ist Abascal nunmehr zum Symbol geworden. Auf der Madrider Puerta del Sol, wo Demonstranten seit Tagen campieren, wurde eine Schweigeminute für sie abgehalten. Die Bestürzung ist weiter groß.
Unter dem Motto "Ni una Maricarmen más" - "Nicht eine weitere Maricarmen" gingen erneut Hunderte auf die Straße. Vor dem Parlament skandierten viele laut: "Das sind keine Tode, das sind Morde."
Hintergrund ist der Streit um den Mieterschutz.
Kurz zuvor waren Regierungspläne für stärkeren Schutz von Mietern am Widerstand konservativer und rechtspopulistischer Parteien gescheitert. Ministerpräsident Pedro Sánchez (54) kündigte daraufhin Neuwahlen für den 29. November an.
Besonders bitter: Nach der Zwangsräumung der 87-Jährigen zeichnete sich offenbar doch eine Lösung ab. Nach Angaben ihrer Anwältin stand eine Einigung mit dem Vermieter über ihre Rückkehr in die geliebte Wohnung und einen neuen Mietvertrag mit einer Laufzeit von acht Jahren unmittelbar bevor. Dazu kam es jedoch nicht mehr.
Generalstreik am 11. November in Spanien
Noch aus dem Krankenhaus hatte sich Abascal an die Öffentlichkeit gewandt und gesagt: "Ich habe es nicht geschafft, mein Haus zu verteidigen, aber ich habe dafür gekämpft, damit auch andere für das kämpfen, was ihnen zusteht."
Nun ist ihr Name zum Schlachtruf der Protestbewegung geworden. Die Gewerkschaften kündigten für den 11. November einen Generalstreik in Spanien an.