Tragödie in Ceuta: Rettungsdienst lässt Migrant (†50) in Händen von deutscher NGO elendig verenden
Ceuta (Spanien) - In der spanischen Exklave Ceuta ist ein Mann (†50) an einem Stand der deutschen Hilfsorganisation "Mission Lifeline" kollabiert und gestorben. Die NGO gibt der EU die Schuld.
Der tragische Vorfall habe sich am Freitagnachmittag gegen 14.40 Uhr am Strand "Trampolin" ereignet, wie der NGO-Vorsitzende Nolte Bauer (28) gegenüber TAG24 am Sonntag erklärte. Dort harren auch gut zwei Monate nach dem riesigen Migrantenansturm noch immer aus Marokko geflüchtete Menschen in provisorisch errichteten Zelten aus.
Mitarbeiter von "Mission Lifeline" seien darauf hingewiesen worden, dass an bereitgestellten Duschkabinen ein Mann kollabiert sei.
Bauers anschließende Schilderung des Vorfalls macht fassungslos und unterstreicht die Ausnahmesituation in der Kleinstadt am nördlichen Zipfel Afrikas. Bereits Ende August hatten Krankenpfleger vor einem "beispiellosen Gesundheitskollaps" in Ceuta gewarnt.
Laut Bauer habe der Mann mit seinem eigenen Erbrochenen im Mund zitternd am Boden gelegen, als Ersthelfer auf Spanisch den ersten Notruf absetzten - der jedoch viel zu lange auf sich warten ließ.
Hätte ein Marokkaner, ohne Spanisch-Kenntnisse, die Rettungskräfte alarmiert, wäre wohl niemand erst gekommen, sagte Bauer: "Die Wahrscheinlichkeit liegt bei 30 bis 40 Prozent, dass überhaupt jemand kommt und wenn, dann erst spät." Dass der Notarzt in Ceuta für Migranten teilweise gar nicht erst ausrücke, sei dabei "absolut die Regel".
"Mission Lifeline" in Ceuta: Rettungsdienst kommt meist nur, wenn man Spanisch spricht
Der 50-Jährige hätte bereits das Bewusstsein verloren, als die ersten Rettungskräfte knapp 30 Minuten nach Absetzen des Notrufs eintrafen - allerdings ohne erforderliche Behandlungsutensilien.
Ein "richtiger" Rettungswagen sei laut Bauer erst gegen 15.30 Uhr eingetroffen. Nach wenigen Minuten der erfolglosen Reanimationsversuche habe man aufgegeben, der Tod des Mannes war besiegelt.
Bauer betonte, dass sich die Vorwürfe seiner NGO nicht gegen den örtlichen Rettungsdienst richten, sondern gegen jenen "Rahmen", der Ceuta in diese schlimme Lage versetze.
Aus seiner Sicht gebe es eine "einfache Lösung" um solche Todesfälle künftig zu vermeiden: Eine dezentrale Unterbringung der Geflüchteten, auch in Deutschland und anderen EU-Staaten. Doch anstatt zu handeln würde die EU die Geflüchteten dort "auf einem Haufen" lassen.
In einer Mitteilung der 2016 in Dresden gegründeten Hilfsorganisation kritisierte Bauer zuvor: "Europa stellt in Ceuta politische Interessen über den Schutz von Menschenleben."
Spanische Exklave Ceuta: Seit Migrantenansturm herrscht Ausnahmezustand
Neben der medizinischen Versorgung stehen auch Sicherheitskräfte in Ceuta enorm unter Druck. Zuletzt kam es dort zu gewaltsamen Ausschreitungen zwischen Migranten, Einheimischen und Militär.
Auch NGOs vor Ort sind in Sorge. "Mission Lifeline" hatte Anfang September vor rechtsextremen "Krawalltouristen" gewarnt, die sowohl die Geflüchteten als auch die Hilfsorganisationen angreifen würden. Als Reaktion habe man bereits die eigenen Sicherheitsvorkehrungen verschärft.
"Mission Lifeline" ist laut eigenen Angaben seit Mitte August in Ceuta, betreibt unter anderem eine mobile Ladestation für Handys und unterstützt bei der Bereitstellung von Lebensmitteln.
Titelfoto: Bildmontage: MISSION LIFELINE International e.V., Marcos Moreno/EUROPA PRESS/dpa

