Tragödie bei Silvesterparty: 40 Tote und 115 Verletzte in Nobel-Skiort
Von Christiane Oelrich, Michael Evers und Miriam Schmidt
Crans-Montana (Schweiz) - Das verheerende Feuer bei einer Silvesterfeier in einer Bar im Schweizer Nobel-Skiort Crans-Montana hat Schock und Bestürzung ausgelöst. Ungefähr 40 Menschen waren laut offiziellen Angaben bei der Brandkatastrophe ums Leben gekommen, 115 weitere wurden größtenteils schwer verletzt.
"Es handelt sich um eine der schlimmsten Tragödien, die es in der Geschichte dieses Landes gab. Wir sind bestürzt", sagte der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin, der vom "Drama von Crans-Montana" sprach. Einige Opfer schwebten am Abend noch in Lebensgefahr.
Die Silvesterparty in der Bar "Le Constellation" in dem beliebten Touristenort hatte sich in der Silvesternacht binnen weniger Minuten in ein Inferno verwandelt. "Es herrschte absolute Panik, alle schrien", berichteten die Französinnen Emma und Albane im Sender BFMTV über die dramatischen Momente nach dem Ausbruch des Feuers. "Jemand schlug ein Fenster ein, damit die Leute rauskamen."
Ein anderer Augenzeuge, Samuel Rapp, berichtete von schreienden jungen Menschen auf der Straße mit versengten Haaren, die sich die Kleider vom Leib rissen. "Es war der Horror", sagte er dem Schweizer Fernsehen.
Die Ursache für den Brand ist weiter unklar. "Es gibt mehrere Hypothesen, unsere Hauptthese ist, dass der gesamte Raum Feuer gefangen hat, und das zu einer Explosion geführt hat", sagte die Generalstaatsanwältin des Kantons Wallis, Beatrice Pilloud. Die Ermittlungen liefen. Dazu würden auch am Brandort gefundene Telefone ausgewertet.
Mathias Reynard: "Viele Schwerverletzte, viele stark Verbrannte"
Die Augenzeuginnen aus Frankreich sagten, das Feuer sei durch Kerzen verursacht worden, die in Champagnerflaschen gesteckt hätten. Eine davon sei zu nah an die Decke gekommen, die dann Feuer gefangen habe. Der italienische Botschafter in der Schweiz, Gian Lorenzo Cornado, spekulierte über einen Feuerwerkskörper. Zu diesen Mutmaßungen wollte Pilloud nichts sagen. "Die Untersuchung läuft, die Gründe werden wir zu einem späteren Zeitpunkt nennen."
Die Identifizierung der Todesopfer dauert an. "Wir haben viele Schwerverletzte, viele stark Verbrannte", sagte der Präsident der Regierung im Kanton Wallis, Mathias Reynard. "Die Identifizierung der Leichen und der Verletzten kann leider noch etwas Zeit brauchen. Wir haben volles Vertrauen in die Teams, die sich um die Identifizierung kümmern." Dies sei vor allem für die Angehörigen "ein furchtbarer Moment". Bei den Opfern handelt es sich nach Angaben der Polizei überwiegend um junge Leute, womöglich auch Minderjährige, wie der Kommandant der Kantonspolizei, Frédéric Gisler, sagte.
Crans-Montana ist einer der bekanntesten Touristenorte in den Schweizer Alpen und über Feiertage wie Weihnachten und Neujahr mit Tausenden Besuchern aus aller Welt meist ausgebucht. Es werde "wahrscheinlich auch Opfer aus dem Ausland" geben, sagte Gisler. Über mögliche deutsche Opfer war zunächst nichts bekannt.
Viele offene Fragen
Zu den Brandschutzvorkehrungen in der Bar machte Pilloud zunächst keine Angaben. "Die Untersuchung wird zeigen, ob Sicherheitsmaßnahmen eingehalten wurden oder nicht", sagte sie. Wie viele Leute sich zum Zeitpunkt des Unglücks in der Bar aufhielten und für wie viele Besucher sie zugelassen war, konnte sie ebenfalls nicht sagen. Auf Nachfrage äußerte sie sich nicht dazu, ob die Bar über die korrekten Notausgänge verfügte und ob diese auch funktionierten.
Die vielen Opfer wurden per Hubschrauber in umliegende Krankenhäuser gebracht, etwa in Sitten, Zürich, Lausanne und auch ins rund 100 Kilometer Luftlinie entfernte Genf. Nachbarländer hätten Aufnahmen angeboten, teilten die Behörden mit. So sollten Opfer etwa nach Mailand in Italien verlegt werden.
Der Alarm ging bei der Polizei gegen 1.30 Uhr ein. In der Bar feierten noch zahlreiche Besucher der Silvesterparty in das neue Jahr. Die Einsatzkräfte seien innerhalb von zwei Minuten vor Ort gewesen, so die Polizei. Angesichts des Ausmaßes der Tragödie eilte unter anderem auch die Bergwacht aus dem Aostatal in Italien zu Hilfe.
Erstmeldung vom 1. Januar, 7.32 Uhr. Letzte Aktualisierung am 1. Januar, 19 Uhr.
Titelfoto: Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa
