Staatsanwalt enthüllt: So ging Neonazi Liebich den Fahndern ins Netz

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Schönbach bei Asch/Chemnitz/Zeithain - Es war ein Katz-und-Maus-Spiel: Monatelang versteckte sich Neonazi-Transfrau Marla-Svenja Liebich (55) vor ihrer Gefängnisstrafe, schikanierte in sozialen Plattformen die Justiz. Im April schlugen die Ermittler zu und nahmen die Rechtsextremistin fest. Nun erklärt Staatsanwalt Dennis Cernota aus Halle, wie sie Liebich schnappen konnten.

Neonazi-Transfrau Marla-Svenja Liebich (55) bei ihrem Auslieferungs-Prozess in Pilsen (Tschechien). Die 55-Jährige kam mit Lippenstift, lackierten Fingernägeln und im Leoparden-Shirt.
Neonazi-Transfrau Marla-Svenja Liebich (55) bei ihrem Auslieferungs-Prozess in Pilsen (Tschechien). Die 55-Jährige kam mit Lippenstift, lackierten Fingernägeln und im Leoparden-Shirt.  © Hendrik Schmidt/dpa

Eigentlich sollte die 55-Jährige im August 2025 ihre Haft in der Chemnitzer Frauen-JVA antreten. Stattdessen tauchte sie unter, behauptete auf der Plattform X, in Russland zu sein.

Doch die Ermittler hatten Zweifel. "Dass er nicht in Russland war, wie er uns glauben machen wollte, war uns schnell klar", erklärte Staatsanwalt Dennis Cernota der "Mitteldeutschen Zeitung".

Dass Menschen nicht zum Haftantritt kommen, sei keine Seltenheit. Besonders im Fall Liebich war hingegen, dass sich die Rechtsextremistin beinahe täglich bei X meldete. Sie spottete über die Staatsanwaltschaft.

Die Ermittler analysierten die Beiträge, hörten Liebichs Freundes- und Bekanntenkreis ab. Davon ahnte die 55-Jährige offenbar nichts, lebte seelenruhig in Schönbach bei Asch (Tschechien).

Bis zum 9. April. Die Ermittler hatten Hinweise darauf, dass Liebich an diesem Tag eine Bekannte treffen würde. So kam es auch: Polizisten legten sich auf die Lauer und schnappten dann zu. Die Rechtsextremistin wurde festgenommen.

Der tschechische Ort Schönbach bei Asch: Hier wurde Liebich am 9. April festgenommen.
Der tschechische Ort Schönbach bei Asch: Hier wurde Liebich am 9. April festgenommen.  © Katrin Mädler/dpa

Video zeigt die Festnahme von Liebich:

Staatsanwalt: Liebich-Festnahme wichtig für Vertrauen in den Rechtsstaat

Liebich sitzt derzeit in der Männer-JVA in Zeithain.
Liebich sitzt derzeit in der Männer-JVA in Zeithain.  © Katharina Kausche/dpa

Eine Genugtuung für die Staatsanwaltschaft? "Ein Stück weit schon", sagt Staatsanwalt Dennis Cernota gegenüber der "Mitteldeutschen Zeitung". In erster Linie ginge es allerdings um das Vertrauen in den Rechtsstaat.

Für Liebich hat die Flucht keine strafrechtlichen Folgen. Allerdings könnte das Katz-und-Maus-Spiel dazu führen, dass die 55-Jährige nicht frühzeitig aus dem Knast entlassen wird.

Aktuell sitzt Liebich in der Männer-JVA in Zeithain. Ein himmelweiter Unterschied zum Horror-Knast in Pilsen, wo sie wochenlang auf ihre Auslieferung wartete. In Zeithain bleibt Zeit für Hobbys, ihre Zelle soll einen Blick ins Grüne haben, es sei wie in einem "Ferienlager", schrieb die Rechtsextremistin auf X.

Dennoch will sie in den Frauenknast. Eine Beschwerde wurde laut ihren Aussagen bereits eingereicht. Ausgang offen.

Titelfoto: Bildmontage: Katharina Kausche/dpa, Hendrik Schmidt/dpa

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