Balken biegen sich: Einsturz von New Yorker Wolkenkratzer droht

Von Christina Horsten, Anne Pollmann, Marc Kalpidis

New York (USA) - Mitten im dicht besiedelten New Yorker Stadtbezirk Manhattan geht die Angst vor dem befürchteten Teileinsturz eines Hochhauses um.

Ein Wolkenkratzer in New York droht einzustürzen. Das Gebäude wurde evakuiert.  © Angelina Katsanis/AP/dpa

"Zwei tragende Stützen sind eingeknickt; zudem wurden mehrere Risse und absackende Decken festgestellt", sagte Bürgermeister Zohran Mamdani (34) auf einer Pressekonferenz.

Messungen hatten ergeben, dass sich das Gebäude bewegt. Am frühen Abend sei das dann nicht mehr der Fall gewesen, erklärte die Stadtverwaltung - deshalb könnten nun temporäre Stützen zur Sicherung des Gebäudes angebracht werden.

Der 37-stöckige Gebäudekomplex an der 42. Straße im Stadtteil Midtown wurde weiträumig abgesperrt, mit Feuerwehrdrohnen untersucht und mittels Geräten kontrolliert, die Verschiebungen im Zentimeterbereich aufzeichnen können, wie die Feuerwehr mitteilte.

USA Schockmoment bei Landeanflug: Airbus wird von Rakete getroffen

Weil es sich um einen Stahlrahmenbau handele, sei kein vollständiger, sondern allenfalls ein lokaler Einsturz zu erwarten. "Dennoch bleibt genau das unsere Sorge", sagte ein Feuerwehrbeamter. Die Lage sei "sehr ernst".

Anzeige

Verbogene Stützstreben im 21. Stockwerk

Ein eingeknickter Stützpfeiler ist durch ein Fenster zu sehen.  © Angelina Katsanis/AP/dpa

Das Problem mit der Statik betrifft maßgeblich das 21. Stockwerk des Hochhauses. Auf Bildern aus dem Inneren des Gebäudes sind ein eingeknickter Stützpfeiler und verbogene Metallstreben zu sehen. Laut der "New York Times" machten Arbeiter die Aufnahmen, bevor das Gebäude evakuiert wurde.

Nach einer späteren Begehung mit Bauexperten gab die Stadtverwaltung am Abend die Einschätzung ab, dass die Situation "gleichbleibend, stabil und sicher sei". Auf Nachfrage wollte ein Sprecher jedoch nicht explizit sagen, dass die Gefahr eines Teileinsturzes völlig gebannt sei. Auch zur Ursache des Vorfalls könne er sich vor den ausstehenden Untersuchungen nicht äußern.

Das frühere Hauptquartier des Pharmakonzerns Pfizer befindet sich derzeit im Umbau - aus früheren Büros sollen mehr als 1600 Wohnungen werden.

USA Babysitterin ließ es zurück: Kleinkind (2) stirbt in Hitze-Auto

Laut den Architekten handelt es sich um das größte derartige Umwandlungsprojekt in der Geschichte der Stadt, die Arbeiten sollten 2027 abgeschlossen werden.

Hotels und Schule evakuiert

Die Polizei sperrte den Bereich um das Gebäude ab.  © Angelina Katsanis/AP/dpa

Der Projektentwickler wies jede Verantwortung von sich und sprach von einem "typischen Konstruktionsfehler" des in den 1960er Jahren errichteten Gebäudes. Wahrscheinlich seien die eingeknickten Stahlträger nicht oder nicht ausreichend verstärkt worden, sagte er der "New York Times".

Von Einsturzgefahr könne keine Rede sein, die Zwischendecken seien wohl nur um zehn Zentimeter abgesackt. Das von der Stadtverwaltung genehmigte Projekt sei an sich "perfekt", die Fertigstellung werde sich bloß um ein paar Wochen verzögern.

Die Feuerwehr hatte kurz vor 8 Uhr morgens Ortszeit einen Anruf wegen herabfallender Ziegelsteine erhalten, wie Lillian Bonsignore erzählte, die Leiterin der New Yorker Berufsfeuerwehr. Die Einsatzkräfte erklärten die umliegende Gegend daraufhin zur Sperrzone, mehrere Gebäude wurden evakuiert.

Auch zwei Hotels und eine Schule mit Hunderten Schülern mussten laut Medienberichten geräumt werden. Alle New Yorker waren aufgerufen, die Zone zwischen dem berühmten Chrysler Building und dem Hauptquartier der Vereinten Nationen weitestgehend zu meiden.

Die Gegend rund um das betroffene Gebäude ist eine der betriebsamsten der Millionenmetropole: Tausende Menschen wohnen und arbeiten hier, hinzu kommen unzählige Touristen und zig Pendler, die den nahegelegenen Bahnhof Grand Central als Verkehrsknotenpunkt nutzen.

Erstmeldung vom 7. Juli 2026, 19.47 Uhr; letzte Aktualisierung vom 8. Juli 2026, 6.50 Uhr.

Mehr zum Thema USA: