Von Franziska Spiecker, Johanna Haensel, Gaby Maria Mahlberg
Chappaqua (USA) - Nach der Befragung des früheren US-Präsidenten Bill Clinton (79) zum Fall Epstein vor dem Kongress hat der zuständige Ausschussvorsitzende die Vorladung weiterer Personen in Aussicht gestellt. Der republikanische Vorsitzende des Kontrollausschusses, James Comer (53), verwies am Freitagabend (Ortszeit) zudem auf viele noch offene Fragen dazu, wie der Sexualstraftäter Jeffrey Epstein (✝66) so viel Reichtum angehäuft habe.
Demokraten sahen in der Befragung eines Ex-Präsidenten indes einen Präzedenzfall und forderten, dass auch US-Präsident Donald Trump (79) unter Eid vor dem Ausschuss zu Epstein aussagen müsse.
Am Donnerstag hatte bereits die frühere Außenministerin Hillary Clinton (78) viele Stunden vor Ausschussmitgliedern ausgesagt – bei ihrem Mann dauerte es ähnlich lang. Anders als seine Frau trat Bill Clinton danach allerdings nicht vor die Presse.
Der Ausschussvorsitzende Comer wiederum äußerte sich im Anschluss vor Journalisten – und bezeichnete die Befragung Bill Clintons als "sehr produktiv". Clinton habe versucht, jede Frage zu beantworten. Er sei sich sicher, dass viele Menschen in den USA weitere Fragen zu einigen der gegebenen Antworten haben würden, sobald das Video und Transkripte veröffentlicht würden, sagte er.
Die nicht öffentliche Anhörung fand in Chappaqua im US-Bundesstaat New York statt, wo die Clintons leben. Die Republikaner kündigten an, Videoaufzeichnungen der Anhörungen "so schnell wie möglich" zu veröffentlichen.
Medien: Clinton äußert sich zu Bild mit Frau in Whirlpool
In einem später auf X veröffentlichten Video sagte Clinton, er hoffe, dass die Veröffentlichung seiner Aussage "alle dazu motivieren wird, vor den Kongress zu treten und zu sagen, was sie wissen". Zudem solle das Justizministerium alle Epstein-Akten veröffentlichen. "Die Überlebenden verdienen das."
In den Dokumenten zu den Ermittlungen zu Epstein, der jahrelang einen Missbrauchsring betrieben hatte, tauchen Bill Clintons Name und Bilder von ihm auf. Nennungen in den Akten allein sind kein Beleg für Fehlverhalten.
Mehrere US-Medien berichten unter Berufung auf mit der Aussage vertraute Personen, dass Bill Clinton vor dem Ausschuss zu einem vom Justizministerium veröffentlichten Foto befragt worden sei.
Dieses zeigt ihn demnach in einem Whirlpool mit einer Frau, deren Gesicht unkenntlich gemacht wurde. Clinton habe den Kongressmitgliedern gesagt, dass er nicht wisse, wer die Frau sei, und dass er keinen Sex mit ihr gehabt habe, berichten etwa die "New York Times" und der Sender CNN.
Bill Clinton: Ich habe "nichts Falsches getan"
Zu Beginn seiner Befragung vor dem Ausschuss hatte Clinton jede Kenntnis von Straftaten des 2019 in Haft gestorbenen Sexualstraftäters Epstein zurückgewiesen.
In einer in den sozialen Medien verbreiteten Erklärung schrieb Clinton, er habe "nichts gesehen und nichts Falsches getan". Seine Bekanntschaft mit Epstein sei nur kurz gewesen und habe Jahre bevor dessen Verbrechen ans Licht gekommen seien, geendet.
Auch Comer betonte vor der Befragung, dass den Clintons derzeit kein Fehlverhalten vorgeworfen werde. Ziel der Untersuchung sei es, zu klären, wie Epstein zu Einfluss und Reichtum gelangte und welche Netzwerke ihn möglicherweise schützten. Bill Clinton sollte ihm zufolge zu Fotos, E-Mails und Reisebewegungen im Zusammenhang mit Epstein befragt werden.
Bekannt sei unter anderem, dass Epstein während Clintons Präsidentschaft 17 Mal im Weißen Haus war und der Ex-Präsident mindestens 27 Mal mit Epsteins Flugzeug reiste, sagte Comer.