Angeklagter gesteht Falsch-Aussage im Block-Prozess: "Wenn ich das erwähne, werde ich diese Frau verbrennen"
Hamburg - Am Freitag wurde der Prozess wegen der mutmaßlichen Kindesentführung gegen Christina Block (52) fortgesetzt. Nachdem am 33. Verhandlungstag keine Zeugen vernommen worden waren, wurden am 34. Verhandlungstag gleich drei Zeugen gehört. Für besonderes Aufsehen sorgte jedoch eine erneute Einlassung des Angeklagten Tal S. (36). TAG24 war vor Ort und berichtete im Liveblog.
Im Rahmen der Zeugenaussagen – gehört wurden ein Bankmitarbeiter, eine Mitarbeiterin ihres Vaters Eugen Block sowie eine Polizeibeamtin – äußerte sich auch die Unternehmerin Christina Block zweimal selbst.
Dabei distanzierte sie sich unter anderem deutlich von ihrem Vater Eugen Block: "Mein Vater hat meine Sorgen nicht gehört und sich, wie so oft, über mich hinweggesetzt. Im Übrigen sind auch seine jetzigen Aktivitäten nicht mit mir abgestimmt", erklärte sie bitter.
Zudem grenzte sie sich erneut von dem mitangeklagten Familienanwalt Dr. Andreas C. ab. Sie habe lediglich das getan, "was er gesagt hat".
Zum Abschluss des Verhandlungstages erklärte der Angeklagte Tal S., er habe zuvor eine Falschaussage gemacht. Auf die Frage, wann er Christina Block erstmals gesehen habe, habe er nicht ehrlich geantwortet.
Am Freitag berichtete er nun von einem Treffen im Hotel "Grand Elysée", das auch der Zeuge David B. geschildert hatte. Dieses Treffen habe kurz vor der Entführung in der Silvesternacht 2023/24 stattgefunden. Dabei soll Block den Entführern dafür gedankt haben, dass sie "ihre Kinder retten".
Der Nebenklagevertreter Philip von der Meden erklärte, es sei "nachvollziehbar", warum Tal S. erst jetzt von diesem Treffen berichtet habe. Dieser habe mehrfach betont, er habe "etwas Gutes tun" und der Unternehmerin helfen wollen.
Verteidiger Ingo Bott hingegen unterstrich, gerade diese neue Aussage sei der Grund dafür, weshalb er die Einstellung des Verfahrens beantragt habe. Es gebe zu viele unterschiedliche "Realitätsangebote", eine "materielle Wahrheitsfindung" sei kaum noch möglich. Zudem sei es für den Angeklagten "günstig" gewesen, erst jetzt von dem Treffen zu berichten.
Update, 16.05 Uhr: Blocks Berufung abgelehnt
Während des 34. Verhandlungstages wurde bekannt, dass Stephan Hensel das alleinige Sorgerecht für die beiden jüngsten Kinder des Ex-Paares behält.
Das zuständige dänische Gremium, der sogenannte Prozesszulassungsrat, bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass Blocks Antrag auf Berufung im Sorgerechtsstreit abgelehnt worden sei.
Update, 16 Uhr: 34. Verhandlungstag ist zu Ende
Der Prozesstag ist zu Ende. Bott kündigte schon an, seine Befragung fortsetzen zu wollen.
Die Hauptverhandlung wird am Dienstag, 3. Februar, um 9.30 Uhr fortgesetzt.
Update, 15.40 Uhr: "Ich wollte es Christina leichter machen!"
Bott hält Tal S. jetzt vor, dass er auch ein weiteres Treffen in dem Wohnzimmer des Bauernhofs der Familie V. (dorthin waren Theo und Klara nach der Entführung zunächst gebracht worden) in einer größeren Runde mit Frau Block in seiner ersten Einlassung nicht erwähnt hatte.
"Ich glaubte zu dem Zeitpunkt, dass je weniger Details ich erzähle, umso besser. Das war ein Fehler", so Tal S.
Bott: "Warum?"
Tal S.: "Wie gesagt, ich wollte nicht, dass Christina, die mir hier gegenüber sitzt, im Gefängnis landet!"
Bott: "Inwiefern sollte ein Gespräch in größer Runde meine Mandantin belasten?"
Tal S.: "Weil Christina in ihrer Aussagen jeglichen Kontakt zu diesem Geschehen nicht erzählt hat und ich wollte es ihr leichter machen".
Update, 15.15 Uhr: Block-Anwalt bleibt hartnäckig
Ingo Bott will jetzt die erste Einlassung von Tal S. "Schritt für Schritt" durchgehen, ob seine dort getätigten Aussagen weiterhin inhaltlich korrekt sind.
Der Staatsanwalt hakt nach und fragt, ob Bott Tal S. jetzt wirklich jeden Satz seiner Mitschrift vorhalten will. Der Block-Anwalt: "Ja, das ist zulässig!"
Bott fragt, ob der Angeklagte vielleicht die gelesene Anklageschrift mit seinen Erinnerungen vermische. Die Staatsanwaltschaft greift ein und betont: "Er hat nie gesagt, dass er sich an das Erlebte nicht erinnert, nur dass er nicht alle Daten im Kopf hat!".
Update, 14.55 Uhr: Warum sagt Tal S. jetzt aus?
Die Staatsanwaltschaft fragt nach, warum er sich nun entschieden habe, von dem Treffen zu erzählen. Tal S. erklärte: "Ich wollte es schon vor langer Zeit." Besonders ausschlaggebend sei jedoch der "Deal mit den Israelis" gewesen, der es unter anderem David B. ermöglichte, "hier auszusagen, ohne, wie ich, ins Gefängnis zu müssen".
Ingo Bott fragt weiter nach, ob er vor seiner heutigen Aussage Kontakt zur Staatsanwaltschaft gehabt habe. Der 36-Jährige antwortet simpel: "Nein".
Bott lässt nicht locker: "Was meinen Sie denn mit dem 'Deal'?", "Wie ich es gesagt habe", so S.
Bott wieder: "Was meinen Sie mit diesem Treffen?"
Tal S.: "Das Treffen, welches vor Silvester im Hotel mit der Gruppe und Christina stattgefunden hat."
Bott: "Hatten Sie in der Zwischenzeit Kontakt zu den anderen Israelis?"
Tal S.: "Ich sitze in U-Haft und habe kein Kontakt zur Außenwelt. Nur eine Stunde im Monat, wo ich mit meinem Vater und einem Freund rede".
Jetzt fragt der Block-Anwalt nach einem möglichen Kontakt zwischen seinem Verteidiger, Dr. Sascha Böttner, und Stephan Hensel. Auch das verneint der Angeklagte: "Ich kriege hier gar nichts mit".
Es scheint fast so, als Suche Ingo Bott etwas verzweifelt nach einem Indiz, für eine mögliche Beeinflussung des Zeugen.
Update, 14.45 Uhr: "Ich wollte lieber mich opfern, als die Mutter von den zwei Kindern zu gefährden"
Die Staatsanwaltschaft fragte verwundert, warum Tal S. von dem Treffen mit Christina Block vor der Entführung nicht schon früher erzählt habe. Der Angeklagte erklärte, dass er dies "bewusst" zurückgehalten habe: "Auch als ich danach gefragt wurde und dafür möchte mich bei zwei Personen entschuldigen, bei der Vorsitzenden und meinem Rechtsanwalt", sagte er.
Er berichtete weiter: "Ich habe lange mit mir selbst gestritten über das Geschehen, Tage und Nächte, ob ich es erzählen soll oder nicht." Insbesondere nach der Aussage von Frau Block habe er gewusst: "Wenn ich das erwähne, werde ich diese Frau verbrennen und dass sie dadurch ins Gefängnis kommen kann. Ich wollte nicht, dass diese Frau, die nur ihre Kinder wiederhaben wollte, wegen meiner Aussage ins Gefängnis muss."
Abschließend betonte Tal S.: "Ich wollte lieber mich opfern, als die Mutter von den zwei Kindern zu gefährden."
Update, 14.20 Uhr: Tal S. kannte Teile des "Plans" nicht
Weil noch Zeit ist und die Zeugenbefragungen zu Ende sind, bittet die Staatsanwaltschaft die Kammer darum, nochmal Fragen an den Angeklagten Tal S. (36) stellen zu dürfen. Der Israeli sitzt seit seiner Festnahme auf Zypern 2024 in U-Haft.
Der Staatsanwalt will wissen, wie oft genau S. Christina Block getroffen habe. Neben einem "Vieraugengespräch" auf dem Bauernhof in Süddeutschland nach der Entführung, habe es weitere Treffen mit dem "ganzen Team" im Konferenzraum des "Grand Elysée"-Hotels vor der Silvesternacht 23/24 gegeben. Bei einem dieser Treffen habe Block gesagt: "Danke, dass ihr gekommen seid, um meine Kinder zu retten".
Bei diesen Treffen sei stets betont worden, dass man im Sinne des deutschen Rechts handele und die Behörden informiert seien. Teile des Plans habe er jedoch nicht gekannt. So habe er beispielsweise nicht gewusst, wie es weitergehen würde, nachdem er die Kinder zum Wohnmobil gebracht hatte, das an der deutsch-dänischen Grenze auf die Entführer sowie auf Theo und Klara gewartet hatte.
Er habe zum Beispiel nicht gewusst, ob man anschließend "wieder ins Hotel fahren oder direkt zu Christina nach Hause" fahren werde, berichtete Tal S.
Update, 14.10 Uhr: Anwalt spricht von Gerhard Dellings Überforderung
Nach der Pause gab Rieks eine Stellungnahme ab. Durch die Aussage der Polizeibeamtin habe man erstmals etwas Konkretes über den Ablauf am Neujahrstag erfahren.
Gerhard Delling sei Teil dieses "absurden Tages" gewesen. Während seine Partnerin überstürzt aufgebrochen sei – in der Hoffnung, ihre Kinder wiederzusehen, und bereits in einem Zug nach Süddeutschland gesessen habe –, sei Delling in Hamburg geblieben. Sie habe ihn gebeten, zunächst niemanden, auch nicht die Polizei, zu informieren, bis die Situation eindeutig geklärt sei.
Ihm seien in dieser Situation unzählige Gedanken durch den Kopf gegangen, wie er damit umgehen solle. Die Lage sei für ihn vollkommen überfordernd gewesen. Dennoch habe er die Polizei gleich zweimal zurückgerufen, mit dem ausdrücklichen Willen, zu helfen.
Es sei ihm wichtig zu betonen, dass er trotz der situativen Überforderung und der großen Sorge versucht habe, das Richtige zu tun. Gleichzeitig habe er vermeiden wollen, im Weg zu stehen, wenn sich seine Lebensgefährtin wieder mit ihren Kindern vereinen könne. Schließlich habe dieser Konflikt auch sein eigenes Leben über zweieinhalb Jahre maßgeblich bestimmt.
"Delling ist es wichtig zu betonen, dass er versucht hat, trotz der situativen Überforderung und auch der Sorge […], das Richtige zu tun", so Rieks. "Letztlich wollte er jedoch auch nicht im Wege stehen, dass die Kinder wieder mit ihrer Mutter zusammentreffen", so der Anwalt. Schließlich habe er das Leid, das dieser Konflikt in den vergangenen Jahren verursacht habe, aus nächster Nähe miterlebt.
Dabei habe Delling aber zu keinem Zeitpunkt "strafbare Handlungen fördern wollen", betont Rieks. Von einem möglichen Gewalteinsatz gegen Herrn Hensel oder die Kinder habe Delling zu diesem Zeitpunkt nichts gewusst. Entsprechend habe er ein solches Vorgehen auch nicht unterstützen können.
Update, 13.48 Uhr: Bott beschreibt die Anklage "widersinnig"
Auch diese Zeugenvernehmung endete nach nur wenigen Fragen. Anschließend gab Ingo Bott eine Erklärung ab, die nicht nur im Zuschauerraum für einige zweifelnde Blicke sorgte.
Der Block-Anwalt erklärte, die "unspektakuläre Aussage" der Polizeibeamtin habe "ganz klar vor Augen geführt", wie "widersinnig" die Anklage gegen seine Mandantin sei. Der Vorwurf laute, Christina Block habe vorsätzlich gehandelt und "gewusst, dass etwas passiert". Bott fragte jedoch: "Wäre es dann nicht total hirnrissig, sich genau an den Orten aufzuhalten, an denen die Polizei normalerweise als Erstes sucht?"
Seine Argumentation bezog er insbesondere auf die Aussage der Zeugin, wonach Christina Block auch im Hotel "Grand Elysée" gesucht worden sei, da dieses der Block-Familie gehöre.
Dass Christina Block im Rahmen der Neujahrsfeier zwar dort gewesen war, jedoch nicht mehr zum Zeitpunkt der polizeilichen Suchmaßnahmen angetroffen werden konnte, spielte für Bott offenbar keine Rolle. Als die Polizei mit der Suche begann, befand sie sich bereits gemeinsam mit ihrer Tochter Greta auf dem Weg nach Süddeutschland.
Es folgt eine weitere Pause, damit sich Rechtsanwalt David Rieks mit seinem Mandanten, Gerhard Delling, für eine mögliche Stellungnahme absprechen kann.
Update, 13.40 Uhr: Zeugin wusste nichts von Ermittlungsverfahren gegen Christina Block
Auf Nachfrage des Verteidigers von Gerhard Delling, Dr. David Rieks, gab die Zeugin an, erst später von Ermittlungsverfahren gegen Christina Block von ihren Kollegen erfahren zu haben. Sie sei ab 17.30 Uhr am 1. Januar 2024 nicht mehr mit dem Fall beauftragt gewesen.
Update, 13.21 Uhr: Die Polizei machte sich Sorgen um Frau Block
Während ihrer Suche nach Frau Block sei ihnen immer mitgeteilt worden, unter anderem von Eugen Block, dass die Unternehmerin Silvester im "Grand Elysée" verbracht und das Hotel nach der Neujahrsfeier "eilig" verlassen habe.
Eugen Block habe während des Gesprächs von sich aus gefragt, ob es um "unsere Kinder" in Dänemark gehe, erinnert sich die Zeugin. "Haben Sie das mal hinterfragt, warum er sofort davon ausging, dass es um die Kinder geht?", will die Richterin wissen.
"Das kann sein, erinnere mich aber nicht mehr", so B., die weiter betonte, dass man sich zwischendurch auch Sorgen um Frau Block gemacht habe: "Es konnte nicht ausgeschlossen werden, dass auch für sie eine Gefahrenlage besteht. Weswegen wir einzelne Details nicht hinterfragt haben."
Update, 13.07 Uhr: Prozess geht weiter
Der 34. Verhandlungstag wird nach der Pause mit der Vernehmung der letzten Zeugin für diesen Tag fortgesetzt.
Die Kriminalbeamtin Nadine B. (38) war am 1. Januar 2024 im Dienst und hatte im Auftrag der dänischen Polizei die Aufgabe, Frau Block über "die Geschehnisse" [die Entführung der Kinder Theo und Klara] in Dänemark aufzuklären. In diesem Zusammenhang habe man versucht, die Unternehmerin an ihrem Wohnsitz, bei ihrem Vater Eugen Block sowie im Hotel "Grand Elysée" anzutreffen. Alle drei Versuche seien ebenso wie die Kontaktaufnahme per Telefon erfolglos geblieben.
Eine weitere Dienststelle habe später jedoch gemeldet, dass es ein Gespräch mit Eugen Block und dessen Tochter gegeben habe. Dabei sei angegeben worden, sie zusammen mit ihrer Tochter [Greta] sei "für ein bis zwei Tage unterwegs" gewesen; zu ihrem genauen Aufenthaltsort seien keine Angaben gemacht worden.
Im Zuge der Ermittlungen habe Nadine B. zudem ein Gespräch mit Gerhard Delling (66) geführt, der sich selbstständig bei der Dienststelle gemeldet habe. Gemeinsam mit einem Kollegen habe sie außerdem telefonisch mit Stephan Hensel gesprochen, um zu klären, was sich in Dänemark genau ereignet habe. Dabei habe Hensel den Verdacht geäußert, dass die Entführung von einem ehemaligen Polizisten geplant worden sei.
Hensel selbst ist nach der Mittagspause nicht mehr anwesend.
Update, 11.42: Frau Block äußert sich erneut
Direkt im Anschluss äußert sich Christina Block erneut persönlich und gibt an, erst von ihrem ehemaligen Rechtsanwalt Otmar Kury im Frühjahr 2024 von der Abhebung des Geldes erfahren zu haben. Ebenso von der getätigten Überweisung der "Eugen Block Holding GmbH" auf das Konto von Christa Block. "Ich weiß nicht, was meine Mutter damit gemacht hat", betont die Unternehmerin.
Auf Bitten Kurys habe sie den letzten Mail-Verkehr mit ihrer Mutter offengelegt: "Dabei fand Herr Kury den letzten Satz in der Mail vom 19. Juli 2024 sehr aussagekräftig", so Block weiter. Da soll gestanden haben, dass ihre Mutter davon ausgehe, dass sie ihre Kinder "in Bälde" wiedersehe.
Es folgt die obligatorische Mittagspause bis 13 Uhr.
Update, 11.39 Uhr: Superkurze Zeugenbefragung
Weiter gehts mit der Zeugenbefragung des Bankmitarbeiters (62), der Christa Block (†) im Juni 2023 120.000 Euro ausgezahlt hat.
Er erinnere sich an diese Auszahlung auch nur, weil die Mutter der Unternehmerin "ein paar Wochen danach verstorben ist". Das Geld sei drei Tage vorher bestellt worden, von wem wisse er nicht mehr. Christa Block sei bei der Abholung "wie immer gewesen". Sie soll in Begleitung eines Wirtschaftsprüfers gekommen sein, auf Nachfrage des Nebenklagevertreters erkennt der Zeuge auf einem Foto einen Mitarbeiter von Dr. Andreas C. als den Begleiter.
Danach ist seine Befragung auch schon wieder beendet.
Update, 11.30 Uhr: Richterin spricht von einem "bedauerlichen Versehen"
Nach der zweiten Pause verkündet die Richterin zwei neue Beschlüsse, zunächst wird der Antrag der beiden Verteidiger von Uta und Marc B. abgelehnt, die Verhandlung für eine Stunde zu unterbrechen.
Bei dem Vorwurf der "Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung" handle es sich um ein "bedauerliches Versehen der Kammer", betont die Richterin. Die Kammer gehe nicht von diesem Vorwurf aus. "Die Anklage war vermutlich auch ein Versehen", wirft Anwalt Fock missbilligend ein.
Update, 11.10 Uhr: "Sie sollten sich schämen!"
Unmittelbar nach der Pause ergreift Rechtsanwalt Daum erneut das Wort: "Es ist geradezu skandalös, dass dieser Beschluss erkennen lässt, dass die Kammer meinen Antrag offenbar nicht einmal richtig gelesen hat", erklärt er. "Wenn Sie jetzt erklären, dass meine Mandantin Bescheid wüsste, ist dieses Verfahren langsam so weit, dass Sie sich schämen sollten!"
Dem Beschluss zufolge werde seiner Mandantin sowie ihrem mit angeklagten Ehemann "Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung" vorgeworfen. In der Anklageschrift hingegen laute der Vorwurf auf "Beihilfe zur Entführung und zur Freiheitsberaubung".
Er wirft der Richterin vor, ihre rechtliche Einschätzung so darzustellen, dass eine sachgerechte Verteidigung kaum möglich sei. "Das ist erschütternd", so Daum.
Der Anwalt von Marc B., Nils Fock, schließt sich seinem Kollegen an und spricht von einer "Frechheit". Beide Verteidiger beantragen eine weitere Pause, um sich mit ihren Mandanten zu besprechen. Die Verhandlung wird erneut für zehn Minuten unterbrochen.
Update, 10.55 Uhr: Cousine von Block bricht in Tränen aus
Jetzt geht es um den Antrag des Rechtsanwalts Reinhard Daum vom 13. Januar 2026.
Der Verteidiger von Uta B., der angeklagten Cousine von Christina Block, hatte im Namen seiner Mandantin beantragt, im Sinne eines fairen und transparenten Verfahrens umfassend darüber informiert zu werden, welche konkreten Vorwürfe die Staatsanwaltschaft ihr im Einzelnen zur Last legt. Bis zum heutigen Tag sei dies nicht geschehen.
Die Richterin lehnt den Antrag jetzt mit einem Beschluss ab. Woraufhin Uta B. in Tränen ausbricht. Daum reagiert vehement und verlangt eine Unterbrechung der Verhandlung: "Ich lasse nicht zu, dass Sie jetzt einfach weiterverhandeln", erklärt er und wendet sich direkt an die Richterin.
Es folgt eine 10-minütige Pause.
Update, 10.45 Uhr: "Mein Vater hat meine Sorgen nicht gehört"
Die Zeugenbefragung von Isabell K. ist beendet und Christina Block nimmt persönlich Stellung. Sie betont erneut, dass ihre Mutter genau wie sie "tief traurig darüber gewesen [ist], dass die Kinder von einem auf den anderen Tag weg waren". Schlussendlich sei Christa Block auch in ihrem "Unverständnis" und ihrer Trauer gestorben.
"Die Zeugenaussage zeigt, dass viele Dinge passiert sind, zu dessen Zeitpunkt ich aber nichts davon wusste", so Block weiter, die damit unter anderem auf den Besuch ihrer Eltern in Dänemark 2022 und die Geschenkübergabe im Dezember 2023 durch die angeklagten Sicherheitsunternehmer P. anspielt. Sie hätte beide Aktionen nicht befürwortet, aus Angst, dass diese ihre Chance, ihre Kinder jemals wiederzusehen, noch weiter verringere.
"Aber mein Vater hat meine Sorgen nicht gehört und hat sich wie so oft über mich hinweggesetzt. Im Übrigen sind auch seine jetzigen Aktivitäten nicht mit mir abgestimmt", so die Unternehmerin bitter.
Update, 10.26 Uhr: Bott tauscht sich doch nicht mit seiner Mandantin aus
Nachdem sich Bott dann doch nicht mit Christina Block, sondern mit Dr. Marko Voß, dem Anwalt des angeklagten Familienanwalts der Blocks, ausgetauscht hat, geht die Befragung weiter.
Bott fragt nach dem Verhältnis von Christa Block und ihren Enkelkindern, dieses sei "sehr gut" gewesen. Dies wisse sie aus mehreren Telefonaten mit der Frau ihres Chefs. Besonders in Erinnerung geblieben sei ihr ein Fotoshooting zum 80. Geburtstag der Oma der Block-Kinder.
Nachdem Theo und Klara im Sommer 2021 nicht mehr zurückgekommen waren, sei Christa Block "ganz, ganz traurig und ungläubig darüber, dass das passieren kann" gewesen. Dies wisse sie auch aus einem Telefonat mit der Block-Mutter.
Bott fragt auch diese Zeugin schon nach den 120.000 Euro, die von dem Konto der Mutter – Christa Block – abgehoben worden sein sollen. Doch die Zeugin gibt an, davon auch nur aus der Presse zu wissen. Zum damaligen Zeitpunkt habe sie noch keine Vollmacht für das Konto gehabt.
Update, 10.12 Uhr: "Sagt Ihnen der Name 'Cyber Cupula' etwas?"
"Sagt Ihnen der Name 'Cyber Cupula' etwas?", will die Richterin weiter wissen. "Ich weiß, dass sie einmal bei uns in der Unternehmenszentrale waren, aber inhaltlich war ich überhaupt gar nicht involviert", betont die Zeugin.
Ebenso seien ihr weitere Namen wie "System 360 Grad" (die Firma, die 2022 einen ersten Versuch gestartet haben soll, Theo und Klara nach Deutschland zu bringen) nur aus der Presse bekannt.
Auf Nachfrage von Nebenklagevertreter Dr. Philip von der Meden gab die Zeugin an, dass "Herr Block sehr traurig" über die Situation mit seinen Enkelkindern war und ist, dies aber nie im Büro ausgelebt habe.
Jetzt liegt das Fragerecht bei Block-Anwalt Ingo Bott (42), dieser beantragt jedoch eine Pause, "um sich mit seiner Mandantin abzustimmen". "Das verstehe ich nicht, Sie wussten doch, dass die Zeugin heute kommt", so die Richterin, gewährt aber eine Pause von fünf Minuten.
Update, 10.03 Uhr: Zeugin hat Zugriff auf das Privatkonto von Eugen Block
Im Zusammenhang mit dem Sicherheitsunternehmer P. erinnerte sich die Zeugin auch an die von diesem gestellten Rechnungen, die sowohl Eugen Block als auch sie "persönlich" als zu hoch empfunden hätten. Darüber habe sie dann auch den mitangeklagten Familienanwalt Dr. Andreas C. informiert.
Seit dem Tod von Christa Block (†82) im Jahr 2023 übernehme sie die Online-Überweisungen für das Privatkonto von Eugen Block. "Das ist ein leidliches Thema, wenn man sich damit nicht auskennt", so die Zeugin, die ihrem Chef nach seinem Verlust ihre Unterstützung aktiv angeboten habe.
Update, 9.50 Uhr: "Ja, woher wusste ich das?"
Die Richterin bittet die Zeugin zu erzählen, was sie im Zusammenhang der im Prozess verhandelten Themen vielleicht noch erinnert. Diese gab an, dass es mal einen Brief von Eugen Block an eine Richterin gab und einen Mail-Verkehr mit dem angeklagten Sicherheitsunternehmer.
"Nachdem seine Ekelkinder vom Vater in Dänemark einbehalten wurden, hat Herr Block jeglichen Funken Hoffnung gehegt, dass der Rechtsstaat ihm helfen wird, dass er seine Enkelkinder wieder sehen darf", so die Zeugin. Mehr wisse sie nicht, da sie zwar die Mails nach Relevanz aussortiere, dabei aber nicht in die "inhaltliche Tiefe" gehe.
"Woher wussten Sie dann, dass die Mail von Herr P. [der Sicherheitsunternehmer] relevant waren?", will die Richterin wissen. Die Zeugin zögert – "Ja, woher wusste ich das?", murmelt sie – und dann gibt sie an, dass ihr Eugen Block wohl mitgeteilt haben muss, dass er Mails von P. erwarte.
Update, 9.43 Uhr: Zeugin entscheidet welche Mails "relevant" sind
K. erzählt, sie habe 2014 als seine Assistentin angefangen und sei bis heute auch dafür zuständig, den "bestmöglich strukturierten Arbeitsalltag" zu organisieren, obwohl sie inzwischen auch ihre eigenen Projekte innerhalb der Holding führe. Unter anderem sei sie für die E-Mails von Eugen Block zuständig. Solche, die sie für "relevant" halte, drücke sie ihm aus und lege ihm in eine Mappe in sein Büro.
"In privaten Dingen bin ich eigentlich nicht aktiv, aber wenn er mich da um Hilfe bitte, dann helfe ich im auch da", so die Zeugin auf Nachfrage der Richterin. Dabei handle es sich aber um "ganz alltägliche Dinge" wie Arzttermine vereinbaren oder mal ein Taxi zu bestellen.
Update, 9.38 Uhr: Prozess beginnt
Mit rund 10 Minuten Verspätung beginnt der 34. Verhandlungstag und die Befragung der Zeugin Isabell K. (36), die nach eigenen Angaben als Prokuristin der "Eugen Block Holding GmbH".
Update, 09.09 Uhr: Überschaubarer Andrang
Wie schon am vergangenen Dienstag ist die Zahl der Zuschauenden, aber auch der Medienvertretenden sehr überschaubar. Im Saal 237 herrscht 20 Minuten vor Beginn noch gähnende Stille, bis jetzt ist noch keiner der Prozessbeteiligten anwesend.
Update, 9 Uhr: So geht es am Freitag weiter
Am mittlerweile dritten Prozesstag dieser Woche und insgesamt 34. Verhandlungstag sind drei Zeugen geladen. Die Vernehmungen sind für 9.30 Uhr, 11.30 Uhr und 13 Uhr angesetzt.
Als erste Zeugin soll eine Mitarbeiterin aus dem engen Umfeld von Eugen Block (85) aussagen, bei der es sich um seine langjährige Sekretärin handeln soll. Anschließend wird ein Mitarbeiter einer Bankfiliale gehört, bei der Blocks 2023 verstorbene Mutter Christa Block (†82) ihr Konto führte.
Kurz vor Prozessbeginn hatte der frühere Block-Anwalt Otmar Kury behauptet, Christa Block habe die Entführung ihrer Kinder in Auftrag gegeben. Nach eigenen Angaben habe man im Zuge entsprechender Ermittlungen festgestellt, dass die Großmutter, die unter der "Entführung der Enkel" durch Stephan Hensel (51) psychisch schwer gelitten habe, den Auftrag zur Rückholung der Kinder aus Dänemark erteilt habe. Als Beleg nannte Kury eine Banktransaktion, bei der Christa Block 120.000 Euro in bar abgehoben haben soll.
Christina Block erklärte im Rahmen des Prozesses, dass ihre Mutter ebenso wenig wie sie selbst eine gewaltsame Entführung der Kinder in Auftrag gegeben hätte.
Als dritte Zeugin ist eine Kriminalbeamtin geladen. Mit den Aussagen soll das Zeugenprogramm nachgeholt werden, das ursprünglich für den 15. Januar geplant war, damals jedoch krankheitsbedingt ausfiel, wie das Gericht am Donnerstag mitteilte.
Update, 8.50 Uhr: Recap von Dienstag
Der 33. Verhandlungstag verlief ohne Zeugenvernehmungen, dafür mit vielen Diskussionen. Block-Anwalt Ingo Bott (42) beantragte die Einstellung des Verfahrens und begründete dies mit einer nicht mehr möglichen objektiven Wahrheitsfindung. Vertrauliche Akteninhalte würden regelmäßig an die Presse gelangen, zudem stimmten sich Zeugen untereinander ab.
Auch David Rieks, Verteidiger von Gerhard Delling (66), und Reinhard Daum, Anwalt von Blocks Cousine Uta B., kritisierten diese Umstände und regten an, die Öffentlichkeit vom weiteren Verfahren auszuschließen.
Im weiteren Verlauf kam es zum Streit zwischen Daum und der Vorsitzenden Richterin Isabel Hildebrandt über unleserliche Aktenrohdatensätze. Nachdem Hildebrandt eine direkte Antwort verweigert hatte, stellte Marko Voß, Verteidiger des Block-Familienanwalts Dr. Andreas C., einen Befangenheitsantrag, dem sich die übrigen Verteidiger anschlossen.
Der Prozess könnte sich bis Ende 2026 verlängern, bislang sind nur Termine bis Ende Juni angesetzt.
Titelfoto: Marcus Brandt/Pool dpa/dpa
