Angeklagter gesteht Falsch-Aussage im Block-Prozess: "Wenn ich das erwähne, werde ich diese Frau verbrennen"

Hamburg - Am Freitag wurde der Prozess wegen der mutmaßlichen Kindesentführung gegen Christina Block (52) fortgesetzt. Nachdem am 33. Verhandlungstag keine Zeugen vernommen worden waren, wurden am 34. Verhandlungstag gleich drei Zeugen gehört. Für besonderes Aufsehen sorgte jedoch eine erneute Einlassung des Angeklagten Tal S. (36). TAG24 war vor Ort und berichtete im Liveblog.

Christina Block (52) mit ihrem Anwalt Ingo Bott (42). Im Hintergrund ihr mitangeklagter Lebensgefährte Gerhard Delling (66).
Christina Block (52) mit ihrem Anwalt Ingo Bott (42). Im Hintergrund ihr mitangeklagter Lebensgefährte Gerhard Delling (66).  © Marcus Brandt/Pool dpa/dpa

Im Rahmen der Zeugenaussagen – gehört wurden ein Bankmitarbeiter, eine Mitarbeiterin ihres Vaters Eugen Block sowie eine Polizeibeamtin – äußerte sich auch die Unternehmerin Christina Block zweimal selbst.

Dabei distanzierte sie sich unter anderem deutlich von ihrem Vater Eugen Block: "Mein Vater hat meine Sorgen nicht gehört und sich, wie so oft, über mich hinweggesetzt. Im Übrigen sind auch seine jetzigen Aktivitäten nicht mit mir abgestimmt", erklärte sie bitter.

Zudem grenzte sie sich erneut von dem mitangeklagten Familienanwalt Dr. Andreas C. ab. Sie habe lediglich das getan, "was er gesagt hat".

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Zum Abschluss des Verhandlungstages erklärte der Angeklagte Tal S., er habe zuvor eine Falschaussage gemacht. Auf die Frage, wann er Christina Block erstmals gesehen habe, habe er nicht ehrlich geantwortet.

Am Freitag berichtete er nun von einem Treffen im Hotel "Grand Elysée", das auch der Zeuge David B. geschildert hatte. Dieses Treffen habe kurz vor der Entführung in der Silvesternacht 2023/24 stattgefunden. Dabei soll Block den Entführern dafür gedankt haben, dass sie "ihre Kinder retten".

Der Nebenklagevertreter Philip von der Meden erklärte, es sei "nachvollziehbar", warum Tal S. erst jetzt von diesem Treffen berichtet habe. Dieser habe mehrfach betont, er habe "etwas Gutes tun" und der Unternehmerin helfen wollen.

Verteidiger Ingo Bott hingegen unterstrich, gerade diese neue Aussage sei der Grund dafür, weshalb er die Einstellung des Verfahrens beantragt habe. Es gebe zu viele unterschiedliche "Realitätsangebote", eine "materielle Wahrheitsfindung" sei kaum noch möglich. Zudem sei es für den Angeklagten "günstig" gewesen, erst jetzt von dem Treffen zu berichten.

Update, 16.05 Uhr: Blocks Berufung abgelehnt

Während des 34. Verhandlungstages wurde bekannt, dass Stephan Hensel das alleinige Sorgerecht für die beiden jüngsten Kinder des Ex-Paares behält.

Das zuständige dänische Gremium, der sogenannte Prozesszulassungsrat, bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass Blocks Antrag auf Berufung im Sorgerechtsstreit abgelehnt worden sei.

Update, 16 Uhr: 34. Verhandlungstag ist zu Ende

Der Prozesstag ist zu Ende. Bott kündigte schon an, seine Befragung fortsetzen zu wollen.

Die Hauptverhandlung wird am Dienstag, 3. Februar, um 9.30 Uhr fortgesetzt.

Update, 15.40 Uhr: "Ich wollte es Christina leichter machen!"

Bott hält Tal S. jetzt vor, dass er auch ein weiteres Treffen in dem Wohnzimmer des Bauernhofs der Familie V. (dorthin waren Theo und Klara nach der Entführung zunächst gebracht worden) in einer größeren Runde mit Frau Block in seiner ersten Einlassung nicht erwähnt hatte.

"Ich glaubte zu dem Zeitpunkt, dass je weniger Details ich erzähle, umso besser. Das war ein Fehler", so Tal S.

Bott: "Warum?"

Tal S.: "Wie gesagt, ich wollte nicht, dass Christina, die mir hier gegenüber sitzt, im Gefängnis landet!"

Bott: "Inwiefern sollte ein Gespräch in größer Runde meine Mandantin belasten?"

Tal S.: "Weil Christina in ihrer Aussagen jeglichen Kontakt zu diesem Geschehen nicht erzählt hat und ich wollte es ihr leichter machen".

Update, 15.15 Uhr: Block-Anwalt bleibt hartnäckig

Ingo Bott will jetzt die erste Einlassung von Tal S. "Schritt für Schritt" durchgehen, ob seine dort getätigten Aussagen weiterhin inhaltlich korrekt sind.

Der Staatsanwalt hakt nach und fragt, ob Bott Tal S. jetzt wirklich jeden Satz seiner Mitschrift vorhalten will. Der Block-Anwalt: "Ja, das ist zulässig!"

Bott fragt, ob der Angeklagte vielleicht die gelesene Anklageschrift mit seinen Erinnerungen vermische. Die Staatsanwaltschaft greift ein und betont: "Er hat nie gesagt, dass er sich an das Erlebte nicht erinnert, nur dass er nicht alle Daten im Kopf hat!".

Update, 14.55 Uhr: Warum sagt Tal S. jetzt aus?

Die Staatsanwaltschaft fragt nach, warum er sich nun entschieden habe, von dem Treffen zu erzählen. Tal S. erklärte: "Ich wollte es schon vor langer Zeit." Besonders ausschlaggebend sei jedoch der "Deal mit den Israelis" gewesen, der es unter anderem David B. ermöglichte, "hier auszusagen, ohne, wie ich, ins Gefängnis zu müssen".

Ingo Bott fragt weiter nach, ob er vor seiner heutigen Aussage Kontakt zur Staatsanwaltschaft gehabt habe. Der 36-Jährige antwortet simpel: "Nein".

Bott lässt nicht locker: "Was meinen Sie denn mit dem 'Deal'?", "Wie ich es gesagt habe", so S.

Bott wieder: "Was meinen Sie mit diesem Treffen?"

Tal S.: "Das Treffen, welches vor Silvester im Hotel mit der Gruppe und Christina stattgefunden hat."

Bott: "Hatten Sie in der Zwischenzeit Kontakt zu den anderen Israelis?"

Tal S.: "Ich sitze in U-Haft und habe kein Kontakt zur Außenwelt. Nur eine Stunde im Monat, wo ich mit meinem Vater und einem Freund rede".

Jetzt fragt der Block-Anwalt nach einem möglichen Kontakt zwischen seinem Verteidiger, Dr. Sascha Böttner, und Stephan Hensel. Auch das verneint der Angeklagte: "Ich kriege hier gar nichts mit".

Es scheint fast so, als Suche Ingo Bott etwas verzweifelt nach einem Indiz, für eine mögliche Beeinflussung des Zeugen.

Update, 14.45 Uhr: "Ich wollte lieber mich opfern, als die Mutter von den zwei Kindern zu gefährden"

Die Staatsanwaltschaft fragte verwundert, warum Tal S. von dem Treffen mit Christina Block vor der Entführung nicht schon früher erzählt habe. Der Angeklagte erklärte, dass er dies "bewusst" zurückgehalten habe: "Auch als ich danach gefragt wurde und dafür möchte mich bei zwei Personen entschuldigen, bei der Vorsitzenden und meinem Rechtsanwalt", sagte er.

Er berichtete weiter: "Ich habe lange mit mir selbst gestritten über das Geschehen, Tage und Nächte, ob ich es erzählen soll oder nicht." Insbesondere nach der Aussage von Frau Block habe er gewusst: "Wenn ich das erwähne, werde ich diese Frau verbrennen und dass sie dadurch ins Gefängnis kommen kann. Ich wollte nicht, dass diese Frau, die nur ihre Kinder wiederhaben wollte, wegen meiner Aussage ins Gefängnis muss."

Abschließend betonte Tal S.: "Ich wollte lieber mich opfern, als die Mutter von den zwei Kindern zu gefährden."

Update, 14.20 Uhr: Tal S. kannte Teile des "Plans" nicht

Weil noch Zeit ist und die Zeugenbefragungen zu Ende sind, bittet die Staatsanwaltschaft die Kammer darum, nochmal Fragen an den Angeklagten Tal S. (36) stellen zu dürfen. Der Israeli sitzt seit seiner Festnahme auf Zypern 2024 in U-Haft.

Der Staatsanwalt will wissen, wie oft genau S. Christina Block getroffen habe. Neben einem "Vieraugengespräch" auf dem Bauernhof in Süddeutschland nach der Entführung, habe es weitere Treffen mit dem "ganzen Team" im Konferenzraum des "Grand Elysée"-Hotels vor der Silvesternacht 23/24 gegeben. Bei einem dieser Treffen habe Block gesagt: "Danke, dass ihr gekommen seid, um meine Kinder zu retten".

Bei diesen Treffen sei stets betont worden, dass man im Sinne des deutschen Rechts handele und die Behörden informiert seien. Teile des Plans habe er jedoch nicht gekannt. So habe er beispielsweise nicht gewusst, wie es weitergehen würde, nachdem er die Kinder zum Wohnmobil gebracht hatte, das an der deutsch-dänischen Grenze auf die Entführer sowie auf Theo und Klara gewartet hatte.

Er habe zum Beispiel nicht gewusst, ob man anschließend "wieder ins Hotel fahren oder direkt zu Christina nach Hause" fahren werde, berichtete Tal S.

Update, 14.10 Uhr: Anwalt spricht von Gerhard Dellings Überforderung

Nach der Pause gab Rieks eine Stellungnahme ab. Durch die Aussage der Polizeibeamtin habe man erstmals etwas Konkretes über den Ablauf am Neujahrstag erfahren.

Gerhard Delling sei Teil dieses "absurden Tages" gewesen. Während seine Partnerin überstürzt aufgebrochen sei – in der Hoffnung, ihre Kinder wiederzusehen, und bereits in einem Zug nach Süddeutschland gesessen habe –, sei Delling in Hamburg geblieben. Sie habe ihn gebeten, zunächst niemanden, auch nicht die Polizei, zu informieren, bis die Situation eindeutig geklärt sei.

Ihm seien in dieser Situation unzählige Gedanken durch den Kopf gegangen, wie er damit umgehen solle. Die Lage sei für ihn vollkommen überfordernd gewesen. Dennoch habe er die Polizei gleich zweimal zurückgerufen, mit dem ausdrücklichen Willen, zu helfen.

Es sei ihm wichtig zu betonen, dass er trotz der situativen Überforderung und der großen Sorge versucht habe, das Richtige zu tun. Gleichzeitig habe er vermeiden wollen, im Weg zu stehen, wenn sich seine Lebensgefährtin wieder mit ihren Kindern vereinen könne. Schließlich habe dieser Konflikt auch sein eigenes Leben über zweieinhalb Jahre maßgeblich bestimmt.

"Delling ist es wichtig zu betonen, dass er versucht hat, trotz der situativen Überforderung und auch der Sorge […], das Richtige zu tun", so Rieks. "Letztlich wollte er jedoch auch nicht im Wege stehen, dass die Kinder wieder mit ihrer Mutter zusammentreffen", so der Anwalt. Schließlich habe er das Leid, das dieser Konflikt in den vergangenen Jahren verursacht habe, aus nächster Nähe miterlebt.

Dabei habe Delling aber zu keinem Zeitpunkt "strafbare Handlungen fördern wollen", betont Rieks. Von einem möglichen Gewalteinsatz gegen Herrn Hensel oder die Kinder habe Delling zu diesem Zeitpunkt nichts gewusst. Entsprechend habe er ein solches Vorgehen auch nicht unterstützen können.

Update, 13.48 Uhr: Bott beschreibt die Anklage "widersinnig"

Auch diese Zeugenvernehmung endete nach nur wenigen Fragen. Anschließend gab Ingo Bott eine Erklärung ab, die nicht nur im Zuschauerraum für einige zweifelnde Blicke sorgte.

Der Block-Anwalt erklärte, die "unspektakuläre Aussage" der Polizeibeamtin habe "ganz klar vor Augen geführt", wie "widersinnig" die Anklage gegen seine Mandantin sei. Der Vorwurf laute, Christina Block habe vorsätzlich gehandelt und "gewusst, dass etwas passiert". Bott fragte jedoch: "Wäre es dann nicht total hirnrissig, sich genau an den Orten aufzuhalten, an denen die Polizei normalerweise als Erstes sucht?"

Seine Argumentation bezog er insbesondere auf die Aussage der Zeugin, wonach Christina Block auch im Hotel "Grand Elysée" gesucht worden sei, da dieses der Block-Familie gehöre.

Dass Christina Block im Rahmen der Neujahrsfeier zwar dort gewesen war, jedoch nicht mehr zum Zeitpunkt der polizeilichen Suchmaßnahmen angetroffen werden konnte, spielte für Bott offenbar keine Rolle. Als die Polizei mit der Suche begann, befand sie sich bereits gemeinsam mit ihrer Tochter Greta auf dem Weg nach Süddeutschland.

Es folgt eine weitere Pause, damit sich Rechtsanwalt David Rieks mit seinem Mandanten, Gerhard Delling, für eine mögliche Stellungnahme absprechen kann.

Update, 13.40 Uhr: Zeugin wusste nichts von Ermittlungsverfahren gegen Christina Block

Auf Nachfrage des Verteidigers von Gerhard Delling, Dr. David Rieks, gab die Zeugin an, erst später von Ermittlungsverfahren gegen Christina Block von ihren Kollegen erfahren zu haben. Sie sei ab 17.30 Uhr am 1. Januar 2024 nicht mehr mit dem Fall beauftragt gewesen.

Titelfoto: Marcus Brandt/Pool dpa/dpa

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