Chef-Entführer im Block-Prozess: "Frau Block sagt leider nicht die Wahrheit"

Hamburg - Bereits zum fünften Mal hat der mutmaßliche Chef-Entführer David B. (68) am Dienstag im Prozess wegen Kindesentführung gegen die Unternehmerin Christina Block (52) ausgesagt. Er war der einzige Zeuge, der für den 31. Verhandlungstag geladen war. TAG24 war vor Ort und berichtete in einem Liveblog.

Christina Block (52) mit ihrem Anwalt Ingo Bott (42).
Christina Block (52) mit ihrem Anwalt Ingo Bott (42).  © Georg Wendt/dpa

Der Zeuge gab an, dass Block lüge, wenn sie behaupte, von einer Entführung sei nie die Rede gewesen, auch wenn der Begriff an sich ausschließlich "für das benutzt wurde, was Stephan Hensel getan hat".

Dieser hatte die beiden jüngsten Block-Kinder, Theo und Klara, nach einem Umgangswochenende im Sommer 2021 nicht nach Deutschland zurückgebracht.

Block soll bereits vor der Operation rund um die Silvesternacht 2023/24 von den Plänen gewusst haben. Sie habe das Team sogar ausdrücklich gebeten, ihre Kinder keiner Gewalt auszusetzen und ihnen keine Masken über das Gesicht zu ziehen.

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Wann genau der 31. Dezember 2023 festgelegt wurde, wisse B. nicht mehr: "Ich erinnere mich an keinen genauen Zeitpunkt, aber es herrschte höllisch viel Druck von Herrn Dr. C., dass die Kinder vor Weihnachten zurück sein müssen."

"Ab dem Moment, in dem wir die sogenannten 'goldenen Daten' hatten, ergab es für mich Sinn, dass eine Operation geplant werden kann, um die Kinder zurückzubringen", führte der Zeuge weiter aus. Mit den "goldenen Daten" ist die Information von Block gemeint, dass Theo und Klara gemeinsam mit ihrem Vater am Hafen von Gråsten das Feuerwerk anschauen würden.

B. betont, dass es nie geplant sei, "in ein Haus zu gehen oder jemanden aus der Schule zu holen. Das war wirklich die letzte Möglichkeit, die auf dem Tisch lag".

Update, 15.55 Uhr: Der 31. Verhandlungstag ist beendet

Nach einer Stellungnahme von Dr. Voß, dem Verteidiger des Familienanwalts Dr. C., zur Selbstleseanordnung der Richterin vom 18. Dezember 2025, ist der 31. Verhandlungstag beendet.

Der Prozess wird am Montag, 29. Januar, fortgesetzt.

Update, 15.30 Uhr: Zeugenbefragung ist beendet

Nach der Entführung habe es noch "zwei, drei" Telefonate mit Christina Block, dem angeklagten Familienanwalt, B. sowie Keren T. gegeben. "Ich erinnere mich konkret, dass wir alle überrascht waren von dem Ergebnis. Es war so unerwartet, dass das Kind Christina weggenommen worden war", so der Zeuge. "Herr C. hat gesagt: Das ist schrecklich. Ich habe gesagt, dass wir eine höhere Bezahlung bekommen müssen, weil ich noch Teile des Teams bezahlen musste".

Doch danach hätte er nie wieder etwas von Block oder dem Anwalt gehört.

Die Zeugenbefragung von David B. ist vorerst beendet und wird nächste Woche fortgesetzt.

Update, 15.15 Uhr: Wusste die Unternehmerin von dem Bauernhof in Süddeutschland?

Erneut geht es um den Bauernhof der Familie V. in Süddeutschland. Dieser wird unter anderem auf Empfehlung des Familienpsychologen von Christina Block als "sicherer Treffpunkt" ausgewählt, der neutral und ausdrücklich "nicht das Haus, in dem die Kinder aufgewachsen sind" sein sollte.

Die Richterin will wissen, ob Frau Block genau wusste, wohin die Kinder gebracht werden. B. antwortet: "Ich habe ihr nicht gesagt, wo die Kinder festgehalten werden. Ich glaube, sie hat später Anweisungen bekommen, wie sie zu dem Ort kommt."

Im Voraus sei abgestimmt worden, dass Block bei Erhalt einer bestimmten Nachricht in das mit dem Handy präparierten Zimmer im "Grand Elysée"-Hotel in Hamburg. Von dort habe sie anschließend von Keren T. weitere Anweisungen erhalten, so B.

Update, 14.50 Uhr: Audioaufnahme wird abgespielt, Block hält sich die Ohren zu

Jetzt wird im Gerichtssaal eine Audioaufnahme abgespielt.

Der Zeuge soll angeben, ob er darauf möglicherweise Stimmen erkennt. Bei der Aufnahme handelt es sich um das bereits in Augenschein genommene Audiomaterial vom Alarmknopf, den Theo während der Entführung um den Hals getragen hat.

Christina Block hält sich währenddessen die Ohren zu. Immer wieder hört man Schnipsel wie eines der Kinder sagt, "I Can’t Breathe" oder wimmert.

Die Richterin will wissen, ob bei B. Bilder zurückkommen. "Ja, das war ein schrecklicher Moment", so der Zeuge, der zu Beginn der Audioaufnahme im Auto seine eigene Stimme erkannt haben will.

"Ich erinnere mich, dass ich gesagt habe, dass ich sie zu ihrer Mama bringe. Eines der Kinder schrie daraufhin, dass es nicht will – 'nein, nein, nein'.Das war ein schrecklicher Moment", so B.

Update, 14.27 Uhr: Zeuge musste Kredit aufnehmen

Die Richterin wollte schließlich wissen, woher das Geld für die Zahlung stammte. Auf die Frage, ob es von seinem Auftraggeber gekommen sei, antwortete B.: "Nein, ich habe einen Kredit aufgenommen."

Zuletzt habe er Anfang Januar 2024 Kontakt mit Dr. C. und/oder Christina Block gehabt. In diesem Zusammenhang habe er auch darauf hingewiesen, dass er weiteres Geld benötige. Dieses habe er jedoch bis heute nicht erhalten, so B.

Es folgt eine 5-Minuten-Pause.

Update, 14.25 Uhr: Hunde sollen einen der Entführer gejagt haben

Während der Flucht durch den Wald – B. wartete nach eigenen Angaben im Flucht-Wohnmobil an der Grenze – soll einer der Entführer, das ehemalige GNTM-Model Jonathan C. (35), von Polizeihunden verfolgt worden sein und anschließend im Wald verschwunden sein.

Einige Zeit später habe B. Jonathan C. in Israel wiedergetroffen – nach eigenen Angaben an einem israelischen Flughafen. „Ich wollte verstehen, was dort passiert ist“, sagte B. Demnach sei Jonathan C. von Hunden gebissen worden, habe es aber dennoch geschafft, aus dem Wald zu entkommen und die Nacht in einer deutschen Stadt zu verbringen.

Zugleich sei das Treffen auch mit einer Geldübergabe verbunden gewesen. „Ihm war zugesichert worden, dass er 10.000 Euro erhalten würde“, erklärte B. „Einen Teil des Geldes habe ich ihm am Flughafen übergeben.“

Update, 14.09 Uhr: "Haben schlechte Ratschläge bekommen"

Nun steht Klaras Handy im Fokus, möglicherweise soll B. es sogar während der Fahrt aus dem Auto geworfen haben. Auf die Frage nach dem Grund antwortete er: "Damit wir nicht von der dänischen Polizei verfolgt werden."

Die Richterin hakte nach: "Warum hätte sie die Polizei nicht verfolgen sollen? Ihnen wurde doch mehrfach versichert, dass die Aktion legal sei."

B. erwiderte: "Ich habe mehrfach gesagt, dass uns von Dr. C. und Christina versichert wurde, dass es von deutscher Seite aus legal sei. Jetzt sehe ich natürlich, dass wir sehr schlechte Ratschläge bekommen haben – sowohl von Dr. C. als auch von Christina und führenden Rechtsanwälten. Ich bin mir aber sicher, dass Christina dem niemals zugestimmt hätte, wenn sie gewusst hätte, dass ihre Kinder ihr wieder weggenommen werden würden."

Im Umkehrschluss sei ihm klar gewesen, dass die Aktion auf dänischen Boden nicht legal sei. Vor diesem Hintergrund habe er auch die Route mit den Kindern durch den Wald geplant: "Ich hatte Angst, dass die Grenze vielleicht dichtgemacht wurde."

Update, 13.55 Uhr: Es geht weiter

Mit rund zehn Minuten Verspätung geht der 31. Verhandlungstag weiter.

Die Richterin will klären, wer die Kinder zum Fluchtauto gebracht hatte. "Ich erinnere mich nicht mehr genau, aber eines der Kinder wurde mir übergeben", erklärte B. Bei diesem Kind soll es sich um Theo gehandelt haben.

Auf die Frage, wie die beiden Kinder im Auto platziert gewesen seien, antwortete B.: "Sie saßen zwischen den beiden Vordersitzen, also zwischen Fahrer- und Beifahrersitz. Eines der Kinder war zunächst auf meinem Schoß. Während der Fahrt ist es dann durch die Beschleunigung von meinem Schoß gefallen, möglicherweise sind die Kinder dann aufeinander gefallen."

Zuvor hätten die Kinder – entgegen seiner vorherigen Aussage vor der Mittagspause – Widerstand geleistet. "Sie wollten nicht ins Auto", berichtete B.

Auf die Nachfrage, warum er trotz der Gegenwehr weitergemacht habe, erklärte er: "Ich habe tatsächlich mit Widerstand gerechnet. Ich muss das in Kontext setzen: Ich habe gesehen, wie Christian Block gelitten hat, wie sehr sie darum gebettelt hat, ihre Kinder wiederzusehen, und wie groß ihre Angst war, dass sie plötzlich verschwinden könnten."

B. betonte: "Obwohl ich zustimme, dass es ein sehr schwieriger Moment für die Kinder war, war das, worum Christina uns gebeten hatte, nämlich die Kinder zurückzuholen, etwas, was jede Mutter in diesem Raum getan hätte."

Update, 12.10 Uhr: Zeuge räumt Gewalt ein

Die Vorsitzende Richterin konfrontiert B. mit der Aussage des Angeklagten Tal S., der berichtet hatte, B. habe ihm gesagt, er solle im Notfall "Kraft" anwenden und im Rahmen einer vorherigen Planung auch Klebeband mit sich führen.

B. erklärt dazu: "Ich kann mir vorstellen, dass er sich damit auf die Immobilisation von Herrn Hensel bezog."
Der Zeuge betont: "Er sollte eigentlich nur für den Moment festgehalten werden, der notwendig war, um die Kinder in das Auto zu bringen. Es gab keine Idee, ihn zu verletzen." Er habe gedacht, der ganze Vorgang würde nur wenige Sekunden dauern.

Mit Gegenwehr hätten er und sein Team nur von Stephan Hensel gerechnet, für ihn wurden die zwei "Professionellen" engagiert, so der 68-Jährige, der damit unter anderem den Angeklagten Tal S. meint.

"Und die Kinder? Wie kamen Sie auf die Idee, dass sie sich nicht gegen fremde Männer wehren würden?", fragt die Richterin.

B. erklärt, die Kinder seien unglücklich gewesen und hätten geschrien, sich aber physisch nicht gewehrt und es sei nicht mehr Gewalt angewendet worden, "als dass sie im Auto bleiben mussten."

Er räumt ein: "Ich stimme zu, dass das als Anwendung von Gewalt angesehen werden konnte. In meiner Einschätzung war das Leid für einen kurzen Moment sein, um danach wieder bei ihrer Mama zu sein"

Es folgt die obligatorische Mittagspause bis 13.45 Uhr.

Update, 11.50 Uhr: "Höllenmäßig viel Druck"

Die Richterin fragt, ob und wann über die Operation in der Silvesternacht 23/24 mit der Familie Block gesprochen wurde. "Ich erinnere mich an keinen genauen Zeitpunkt, aber es war höllen-mäßig viel Druck von Herr Dr. C., dass die Kinder vor Weihnachten zurück sein müssen", so B.

"Ab dem Moment, wo wir die goldenen Daten hatten, machte es für mich Sinn, dass eine Operation geplant werden kann, um die Kinder zurückzubringen", so der Zeuge weiter. Bei den "goldenen Daten" handelt es sich um die Info, dass Theo und Klara zusammen mit ihrem Vater am Hafen in Gråsten das Feuerwerk angucken würden.

B. betont, dass dies nie geplant gewesen sei, "in das Haus zu gehen oder jemanden von der Schule wegzuholen. Das war wirklich die letzte Möglichkeit, die auf dem Tisch lag."

Wer Christina Block genau informiert habe, wisse er nicht mehr. "Dass uns diese Daten von Christina zur Verfügung gestellt wurden, ist aber sicher. In dem Zuge hat sie uns auch die Gegenstände für die Kinder gegeben", so B. Im Flucht-Wohnmobil waren Kleidung und ein paar alte Spielsachen der beiden jüngsten Block-Kinder

Die Übergabe der Gegenstände und Informationen habe wenige Tage vor der Entführung stattgefunden. Der Zeuge gibt auch an, dass er der Unternehmerin versprechen musste, dass keine Gewalt angewendet werden würde.

B. betont, dass Christina Block das Vorgehen nicht als Entführung ansah – ein Begriff, der im Gespräch mit ihr übrigens nie verwendet worden sei, sondern nur im Zusammenhang mit dem, was Stephan Hensel getan habe.

Einzelheiten des Plans seien ihr nicht mitgeteilt worden, es sei jedoch klar gewesen, dass die Kinder in ein Auto gebracht würden. B. erinnert sich außerdem, dass Christina Block mehrmals darauf hingewiesen habe, "dass keine schwarzen Hüte auf die Köpfe gesetzt werden sollten".

Besprochen worden sei laut B. jedoch die Art der Kommunikation. "Es sollte ein Mobiltelefon geben, das auf sie in einem Zimmer im Hotel wartet." Auf die Nachfrage der Richterin, wie Christina Block in das Zimmer hätte gelangen sollen, antwortete B.: "Daran erinnere ich mich nicht, das war Keren."

Titelfoto: Marcus Brandt/dpa

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