Hamburg - Der 42. Verhandlungstag im Entführungsprozess gegen Christina Block (52) war am Dienstag schon nach rund zwei Stunden wieder beendet. Grund ist ein eingeschränktes Beweisprogramm. Eine Hamburger Polizistin hatte als Zeugin ausgesagt, in der Nacht auf den 1. Januar 2024 zunächst von Stephan Hensel (51) sowie dessen Anwalt über die Entführung informiert worden zu sein. TAG24 war vor Ort und berichtete in einem Liveblog.
11 Uhr: Prozesstag vorzeitig beendet
Ungewöhnlich früh ist der 42. Prozesstag auch schon wieder zu Ende. Aufgrund eines mangelnden Beweisprogramms fallen auch die angesetzten Termine am Donnerstag und Freitag aus. Fortgesetzt wird am Montag, 30. März, um 10.30 Uhr.
Zuvor war ein Beschlussentwurf der Kammer zur Diskussion gestellt worden, weitere Urkunden sowie unter anderem auch die Aussagen der Kinder Theo und Klara in eine Selbstleseliste aufzunehmen. Dies würde die Beweisaufnahme "signifikant abkürzen", so die Vorsitzende Richterin. Die Staatsanwaltschaft gab bereits an, einen solchen Entschluss "sehr zu begrüßen". Den übrigen Verfahrensbeteiligten wird nun Gelegenheit zur Stellungnahme eingeräumt.
Hintergrund des derzeit eingeschränkten Beweisprogramms ist auch die Situation der israelischen Zeugen, die aufgrund des Krieges im Nahen Osten derzeit nicht aus Israel ausreisen können. Nach Angaben der Richterin werde derzeit geprüft, diese Zeugen gegebenenfalls per Videovernehmung über die deutsche Botschaft zu befragen.
10.40 Uhr: Ingo Bott: "Mir geht es nicht um fundamentale Kritik an der Polizei"
Die Zeugenbefragung ist beendet. In ihren abschließenden Stellungnahmen zeigen sich die Verteidiger Rieks, Bott und Voß einig und zugleich überrascht darüber, dass sich offenbar nicht damit beschäftigt worden sei, wo die Kinder nach deutschem Recht tatsächlich hingehörten.
Besonders Dr. Marko Voß betont, der Zeugin sei der Widerspruch zwischen den Angaben von Stephan Hensel und den Meldedaten bekannt gewesen.
Auch stößt auf Seiten der Verteidigung auf Unverständnis, warum die Polizei die Mutter nicht kontaktiert habe, obwohl entsprechende Telefonnummern vorgelegen hätten. Ingo Bott erklärt: "Mir geht es nicht um fundamentale Kritik an der Polizei. Andererseits hätten wir, wenn die Maßnahmen ergriffen worden wären, jetzt vielleicht eine komplett andere Lage gehabt."
Stattdessen habe man sich von Stephan Hensel und dessen Anwalt Philipp von der Meden "verkürzt und unvollständig informieren lassen"
Der Nebenklagevertreter von Stephan Hensel bezeichnet die Befragungen der Verteidiger Voß, Rieks und Bott als "Rumgestochere". Der Versuch der Argumentation folge dem Bild eines "perfekten Verbrechens": Bott hatte argumentiert, dass seine Mandantin sich wohl kaum am 1. Januar 2024 in Hamburg aufgehalten hätte, wenn sie Kenntnis über die Entführung gehabt hätte.
"Das perfekte Verbrechen gibt es nur im Kino. Straftäter machen Fehler", so der Nebenklagevertreter. Der aktuelle Prozess sei der beste Beweis dafür.
10.32 Uhr: Dr. Voß: "Haben Sie auch mal den Namen von Stephan Hensel eingegeben?"
Der Anwalt des angeklagten Familienanwalts der Blocks, Dr. Andreas C., fragt nochmals nach der Recherche der Polizistin. Die Zeugin hatte ausgesagt, im Auskunftssystem der Polizei habe sie zu den beteiligten Personen keine Treffer gefunden, ebenso wenig zum Sorgerechtsverfahren: "Außer den Erzählungen von Herrn Hensel hatte ich keine Informationen dazu."
Dr. Marko Voß hakt nach: "Haben Sie auch mal den Namen von Stephan Hensel eingegeben? Gegen ihn lief damals ja schon ein Strafverfahren." Die Zeugin kann sich daran nicht mehr erinnern.
Der Verteidiger möchte weiter wissen: "Haben Sie sich die Frage mal gestellt, wo die Kinder eigentlich hingehören?" In ihrem Vermerk schreibe sie von einem Abgleich der Meldeakten; demnach seien die Kinder noch bei ihrer Mutter in Hamburg gemeldet gewesen. "Das war für mich kein Widerspruch, da die Datensätze durchaus auch veraltet sein können", so die Zeugin.
10.15 Uhr: Delling-Anwalt: "Warum war die Polizei Hamburg überhaupt involviert?"
Delling-Anwalt, David Rieks, will von der Zeugin wissen, warum die Polizei Hamburg überhaupt involviert gewesen sei. Schließlich hätten sich bereits die Kollegen in Flensburg mit der Entführung befasst.
Die Polizistin betont, sie sei lediglich mit der Informationsgewinnung betraut gewesen. Da der Verdacht im Raum gestanden habe, die Mutter der Kinder könne in die Tat verwickelt sein und aus Hamburg stamme sowie dort wohne, sei auch die Polizei Hamburg in die Ermittlungen einbezogen worden.
Während ihres Dienstes habe der Lagedienst jedoch entschieden, dass "keine Sonderlage" vorliege.
10.06 Uhr: Ingo Bott: "Haben sie versucht herauszufinden, wo die Kinder sind?"
Die Richterin hat keine weiteren Fragen. Block-Anwalt Ingo Bott (42) will von der Zeugin wissen, was diese genau zwischen 0 und 4:30 Uhr unternommen hat, um herauszufinden, wo die Kinder sind. Gerade vor dem Hintergrund des mitgeteilten Sorgerechtsstreits ist es für den Verteidiger nicht ganz nachvollziehbar, warum nicht versucht wurde, die Mutter zu kontaktieren.
Die Zeugin gibt an, mit Hensel telefoniert, Kontakt zu den Kollegen in Flensburg aufgenommen und das Bundeskriminalamt (BKA) kontaktiert zu haben. Weitere Maßnahmen habe sie bis zu ihrem Dienstschluss nicht ergriffen.
10 Uhr: Es gab keine Lösegeldforderung
Auf Nachfrage der Richterin erinnert sich die Zeugin, dass Stephan Hensel ihr gegenüber betont habe, dass es "bis jetzt keine Lösegeldforderung" gegeben habe.
9.50 Uhr: Theo soll ein "ortungsfähiges Armband" getragen haben
Herr Hensel habe der Zeugin zudem mitgeteilt, dass sein Sohn ein ortungsfähiges Armband trage, welches dieser aufgrund eines mutmaßlichen weiteren Entführungsversuchs ein Jahr zuvor erhalten habe. Zudem habe man das Handy seiner Tochter unweit des Tatorts gefunden.
Außerdem soll er Teile der Kennzeichen der Autos durchgegeben haben, mit denen seine Kinder entführt worden seien. Er habe gegenüber der Polizistin die Vermutung geäußert, dass es sich dabei um amtliche deutsche Kennzeichen und um Mietwagen handeln könne.
Die Zeugin habe daraufhin Kontakt zu den Kollegen in Flensburg aufgenommen, die bereits von der dänischen Polizei mit Fahndungsmaßnahmen beauftragt worden seien, da Erkenntnisse darüber vorgelegen hätten, dass die Fluchtfahrzeuge bereits die deutsch-dänische Grenze passiert hätten.
9.48 Uhr: Anwalt von Stephan Hensel wählte den Notruf
Der Prozess startet direkt mit der Zeugenbefragung der Polizistin Saskia B. (39). Diese habe in der Silvesternacht 2023 auf 2024 als Sachbearbeiterin beim Kriminaldauerdienst gearbeitet und sich kurz nach Mitternacht mit dem Notruf des Nebenklagevertreters Philip von der Meden (42) beschäftigt.
Von der Meden habe über den polizeilichen Notruf gemeldet, dass sein Mandant Stephan Hensel (51) an seiner Wohnanschrift überfallen und seine zwei Kinder entführt worden seien. Zudem soll der Anwalt bereits von einem Sorgerechtsstreit berichtet haben und dass man annehme bzw. vermute, dass gegebenenfalls die Kindsmutter die Entführung beauftragt habe.
Daraufhin habe sie Kontakt zu Herrn Hensel aufgenommen, der ihr ebenfalls mitgeteilt habe, dass er vermute, Frau Block oder ihr Vater Eugen Block (85) oder Gerhard Delling könnten die Entführung beauftragt haben.
Stephan Hensel selbst ist heute nicht anwesend. Als Nebenkläger muss er nicht jedem Prozesstag beiwohnen.
9.38 Uhr: Prozess startet
Mit wenigen Minuten Verspätung beginnt der 42. Verhandlungstag.
9.25 Uhr: 42. Verhandlungstag startet ungewöhnlich ruhig
Eigentlich ist der offizielle Prozessbeginn um 9.30 Uhr, doch bis jetzt sind noch nicht einmal alle Angeklagten eingetroffen, darunter auch Christian Block und Gerhard Delling mit ihren Anwälten.
Generell startet der 42. Verhandlungstag ungewöhnlich ruhig. Auch im Zuschauerraum sind noch fast alle Bänke leer. Das kann aber auch den langen Schlangen am Einlass geschuldet sein.
9 Uhr: So geht es am Dienstag weiter
Wie das Gericht am Montag mitteilte, wird die Zeugenbefragung der Polizeibeamten am Dienstag fortgesetzt wird. Für 09.30 Uhr ist eine weitere Hamburger Kriminalbeamtin als Zeugin geladen.
Ungewiss bleibt weiterhin, wann die mutmaßlichen Entführer aus Israel aussagen können. Aufgrund des Krieges im Nahen Osten ist eine Einreise derzeit nicht möglich. Nach Angaben der Vorsitzenden besteht jedoch die Hoffnung, dass die Zeugen ab dem 14. April 2026 wieder in Deutschland vernommen werden können – vorausgesetzt, die Lage lässt dies zu.
Update, 8.50 Uhr: Recap von Freitag
Am 41. Verhandlungstag kam es zunächst zu angespannten Wortwechseln: Die vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt ermahnte mehrere Verteidiger erneut, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.
Anschließend sagte ein Hamburger Kriminalbeamter aus, der im Februar 2024 in Kupfermühle (Schleswig-Holstein), den mutmaßlichen Grenzübertrittsort der Entführe mit den jüngsten Blockkindern, untersucht hatte. Dabei seien unter anderem Ohrringe eines der Kinder gefunden worden. Außerdem berichtete er von einer Zeugin, die Ende Dezember 2023 ein Wohnmobil gesehen haben will.
Danach endete der Prozesstag überraschend bereits rund vier Stunden früher als ursprünglich vorgesehen.