Block-Prozess: Mutmaßlicher Entführer hat "Sorge um sein leibliches Wohl"

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Hamburg - Am 47. Verhandlungstag im Kindesentführungs-Prozess gegen Christina Block (52) wird die Befragung eines mutmaßlichen Entführers fortgesetzt. Der 35-jährige B. hat nach eigenen Angaben eines der Fluchtautos am 31. Dezember 2023 gefahren. TAG24 ist vor Ort und berichtet in einem Liveticker.

Christina Block (52) wird vorgeworfen, die Entführung ihrer beiden Kinder in Auftrag gegeben zu haben.
Christina Block (52) wird vorgeworfen, die Entführung ihrer beiden Kinder in Auftrag gegeben zu haben.  © Christian Charisius/dpa-Pool/dpa

15.17 Uhr: Und nochmal 30 Minuten!

Wie die Kammer mitteilt, benötigt sie weitere 30 Minuten, um über den Antrag von Gül Pinar zu entscheiden.

14.45 Uhr: 30 Minuten Pause!

Die Kammer zieht sich zur Beratung über den Antrag zurück und kündigt eine "mindestens 30-minütige Pause" an.

14.37 Uhr: Anwältin fordert das Handy des Zeugen zu beschlagnahmen

Zum Abschluss ihrer Befragung stellt Gül Pinar einen weiteren Antrag: Sie fordert, das Handy des Zeugen zu beschlagnahmen und auszuwerten. Zuvor hatte der Zeuge auf ihre Frage, ob sein Handy jemals sichergestellt worden sei, dies verneint und zugleich bestätigt, dass er zwar ein neues Gerät habe, aber weiterhin dieselbe Nummer nutze.

Hintergrund ist die vom Zeugen erwähnte Signal-Gruppe, über die die Hauptkommunikation innerhalb des mutmaßlichen Entführerteams erfolgt sein soll. Auch wenn der Zeuge angab, die Gruppe sowie die gesamte App gelöscht zu haben, könnten die Chats laut Pinar rekonstruiert werden.

Daraus ließe sich möglicherweise ableiten, dass "andere Personen" die Tat geplant hätten und nicht etwa ihr Mandant, dem unter anderem vorgeworfen wird, den Tatort in Dänemark "ausgekundschaftet" zu haben.

Sie fordert eine "zeitnahe" Sicherung des Handys, da die Gefahr bestehe, dass bei einer Rückkehr des Zeugen nach Israel mögliche Beweise verloren gehen könnten. Zumal der Zeuge nun von der Bedeutung des Handys für die Verteidigung wisse.

14.32 Uhr: Sieben Minuten bis zur deutschen Grenze

Zurück bei den Treffen im "Grand Elysée"-Hotel, bei denen laut Zeuge hauptsächlich Drohnenfotos gezeigt worden sein sollen.

"Was wurde zu den Fotos erklärt?", fragt Pinar. Der Zeuge gibt an, es sei erläutert worden, wie die Nachbarschaft aussehe, wo sich das Haus des Vaters, Stephan Hensel, befinde und welche Wege am besten zur Grenze führten.

Demnach habe man vom Haus des Vaters etwa sieben Minuten bis zur deutschen Grenze benötigt.

Stephan Hensel (51), Ex-Mann und Vater der Kinder von Christina Block, mit seinem Anwalt Philip von der Meden (42), beide sind am heutigen Dienstag nicht anwesend.
Stephan Hensel (51), Ex-Mann und Vater der Kinder von Christina Block, mit seinem Anwalt Philip von der Meden (42), beide sind am heutigen Dienstag nicht anwesend.  © Marcus Brandt/dpa

14.21 Uhr: Screenshots werden gezeigt

Nach der Pause zeigt die Anwältin des Zeugen allen Beteiligten Screenshots auf dem Handy ihres israelischen Kollegen, auf denen Said B. die "Saudis" mit Namen identifiziert haben will.

Die Kammer seien die Fotos bzw. mindestens ein Name bereits bekannt, so die Richterin.

14.09 Uhr: Zeuge amüsiert: "Die 'Saudis' sind Israelis"

Pinar fragt erneut nach der Rolle der "zwei Saudis", die am gestrigen Prozesstag mehrfach vom Zeugen erwähnt worden waren. Die beiden sollen bereits seit Langem für David B. gearbeitet haben und vor allem für alle IT-bezogenen Aufgaben zuständig gewesen sein.

Sie sollen den mutmaßlichen Entführern auch die Prepaid-Handys zur Verfügung gestellt haben. Kontakt hätten sie jedoch ausschließlich mit B. gehabt, nicht mit dem übrigen Team.

"Sprechen sie dasselbe Arabisch? Also hätte man sich verstehen können", will Pinar dennoch wissen. Daraufhin der Zeuge amüsiert: "Die 'Saudis' sind Israelis, das war nur ein Spitzname. Ich weiß nicht, warum die so genannt wurden."

Es folgt eine zehnminütige Pause.

13.52 Uhr: Kammer lässt Frage zu

Die Kammer lässt die Frage wie erwartet zu, ist sich jedoch der "Schwierigkeiten" für den Zeugen bewusst. Die Frage sei unter anderem vor dem Hintergrund zulässig, um die Gründe der Rekrutierung des Zeugen für die "Operation" zu verstehen. Die Voraussetzungen für einen Ausschluss der Öffentlichkeit seien nicht erfüllt.

Der Zeuge beantwortet die Frage daraufhin und nennt den Namen eines Bauunternehmens, für das er für etwa 150 Wohnungen zuständig sei.

13.28 Uhr: Zeuge hat "Sorge um sein leibliches Wohl"

Pinar fragt erneut, warum der Zeuge seinen Arbeitgeber nicht nennen möchte. Zuvor hatte bereits Ingo Bott diese Frage gestellt. Die Anwältin des Zeugen beanstandet die Frage und verweist darauf, dass diese im Rahmen der Hauptverhandlung nichts zur Sache tue.

Im Verlauf der weiteren Diskussion führt sie aus, dass ihr Mandant sich in "Lohn und Brot" befinde und der arabischen Minderheit in Israel angehöre. Er möchte "schlicht" nicht, dass sein Arbeitgeber an die Presse gelangt. Es bestehe nicht nur die Gefahr, dass er seine Arbeit verliere, sondern B. habe "auch Sorge um sein leibliches Wohl"; zudem wolle er seine Familie schützen.

Dr. Sascha Böttner schlägt daraufhin vor, für diese Frage die Öffentlichkeit auszuschließen. Da die Anwältin des Zeugen jedoch auf einem richterlichen Beschluss besteht, zieht sich die Kammer zur Beratung zurück.

13.21 Uhr: Widersprüche in der Aussage des Zeugen

Jetzt liegt das Fragerecht bei Gül Pinar, die Verteidigerin des angeklagten Sicherheitsunternehmers.

Diese fragt nochmals nach möglichen Schwierigkeiten mit dem Dolmetscher bei der polizeilichen Vernehmung, da dem Zeugen wiederholt Inhalte aus dem Vernehmungsprotokoll vorgehalten werden und dieser angibt, er habe dies nie gesagt.

Der Zeuge gibt an, die Vernehmung sei "komisch" verlaufen und er sei teilweise nicht richtig verstanden worden. Gleichzeitig betont der Zeuge gegenüber Pinar am Dienstag, der Dolmetscher habe mit ihm sowohl Arabisch als auch Hebräisch gesprochen.

Dies sei "aber kein Problem" gewesen; er habe die Fragen verstanden und der Dolmetscher auch seine Antworten verstanden, so der Zeuge etwas widersprüchlich.

13.12 Uhr: Zeuge ist sich sicher - "So ein Bild gibt es nicht"

Auch David Rieks erwähnt ein Foto in der BILD-Zeitung, das den Zeugen und seinen Freund, den weiteren israelischen Zeugen K., mutmaßlicher Fahrer des zweiten Fluchtwagens, sowie einen weiteren Mann gemeinsam vor einem Hamburger Polizeirevier zeigen soll.

B. hatte vor Gericht ausgesagt, stets nur getrennt vernommen worden zu sein und sich auch nie gemeinsam vor Ort aufgehalten zu haben. "So ein Bild gibt es nicht", meint der Zeuge.

Titelfoto: Montage: Christian Charisius/dpa-Pool/dpa (2)

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