Block-Prozess: Chef-Entführer über seine Zeit beim Geheimdienst – "Habe niemals Menschen manipuliert"
Hamburg - Am 57. Verhandlungstag im Kindesentführungsprozess gegen Christina Block (53) sagt erneut der mutmaßliche Chef-Entführer David B. (68) aus. Es ist bereits der zehnte Tag seiner Zeugenaussage vor dem Hamburger Landgericht. TAG24 ist vor Ort und berichtet im Liveblog.
11.34: Mittagspause
Damit ist die Zeugenbefragung von David B. nach zehn Verhandlungstagen abgeschlossen. Nach der Mittagspause bis 13 Uhr sollen die ersten Stellungnahmen zu seinen Aussagen folgen.
11.29: Warum wird der Zeuge in Englisch vernommen?
Bott hat keine Fragen mehr.
Die Verteidigung von Tal S. stellt anschließend noch eine Frage: "Warum haben Sie sich eigentlich entschieden, Ihre Vernehmung in Englisch und nicht in Ihrer Muttersprache Hebräisch zu führen?"
Der Zeuge erklärt, seine Muttersprache sei Spanisch, seine erste Sprache Französisch, Englisch sei seine dritte Sprache. Er lese und schreibe auch in Englisch: "Mein Englisch ist besser als mein Hebräisch", so der Zeuge.
Der Zeugenbeistand ergänzt, man habe sich auf Englisch verständigt, damit auch er die Dolmetscher verstehen könne und gegebenenfalls eingreifen kann.
11.23 Uhr: Die Kinder sollten nicht zurück nach Hamburg
Weiter fragt Bott, wie der ursprüngliche Plan gewesen sei, dass Frau Block mit den Kindern wieder nach Hamburg zurückkehren solle. Die Polizei Hamburg hatte verlangt, dass Christina Block die Kinder am 1. Januar wieder zurück nach Hamburg bringt.
"Sie sollten nicht zurück nach Hamburg kommen", betont B. Die Kinder sollten vielmehr zur Ruhe kommen und für einige Zeit auf dem Hof in Süddeutschland bleiben, wie es der Psychologe Dr. Stefan R. empfohlen habe. Man sei davon ausgegangen, dass Frau Block selbst entscheiden werde, wann der richtige Zeitpunkt für eine Rückkehr sei, so der Zeuge.
11.14 Uhr: Zeuge habe zwei Nächte vor der Entführung nicht geschlafen
"Wussten Sie, dass Frau Block mit ihrer Tochter Greta nach Süddeutschland fahren wird?", fragt Bott.
Der Zeuge antwortet, er könne sich daran nicht erinnern. "Sie müssen wissen, ich habe zwei Nächte davor [vor der Entführung] nicht geschlafen und ich musste mich aufs Fahren konzentrieren". Irgendwann habe er von Keren T. erfahren, dass Greta mitkommen würde.
"Für mich hat das Sinn gemacht", so B.
11.04 Uhr: "Warum sollte sich jemand innerhalb des Hotels maskieren?"
Wieder geht es um das Treffen am 28. Dezember 2023, dessen Stattfinden Bott in Zweifel zieht. B., Keren T., ein weiterer israelischer Zeuge sowie Tal S. hatten in ihren Aussagen jedoch von einem solchen Treffen berichtet, bei dem Frau Block dem Team gedankt haben soll, dass sie ihre "Kinder zurückbringen".
B. hatte zuvor angegeben, Teile seines Teams seien dabei maskiert gewesen, da sie sich unwohl gefühlt hätten.
Bott hält ihm vor: "Haben Sie sich auch einmal überlegt, dass Frau Block sich bei einem solchen angeblichen Treffen unwohl fühlen könnte, wenn sie in einen Raum mit maskierten Männern kommt?"
Der Zeuge erklärt, das Thema Maskierung sei nicht zentral gewesen; er denke nicht, dass Frau Block zu diesem Zeitpunkt gewusst habe, dass einzelne Teammitglieder Masken getragen hätten. Das sei eher spontan entstanden.
"Wie erklären Sie sich dann, dass das Team sonst ohne Maske im Hotel unterwegs war?", fragt Bott. B. antwortet mit einer Gegenfrage: "Warum sollte sich jemand innerhalb des Hotels maskieren?"
10.47 Uhr: Pause
Bott bittet um eine fünfminütige Pause.
Zuvor hatte die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt mehrere Fragen von Bott beanstandet. Sie warf ihm vor, wiederholt suggestive Fragen zu stellen, anstatt sich auf die Wahrnehmung des Zeugen zu beziehen.
"Sie können danach fragen, ob der Zeuge etwas davon gehört hat", so die Richterin.
"Von mir aus", entgegnet Bott trotzig.
"Nein, nicht von mir aus. Wir sind hier vor Gericht, Sie müssen korrekte Fragen stellen!", stellt die Richterin klar.
10.40 Uhr: Zeuge wollte verstehen, "wie man der Familie Block mit den Kindern helfen kann"
Bott fragt nochmal, warum sich der Zeuge ab September 2023 verstärkt – auch anhand der E-Mails – um die Block-Gruppe als Kunden für "Cyber Cupila" bemüht habe.
Der Zeuge erklärt, man habe zwei Dinge parallel verfolgt: zum einen, zu verstehen, "wie man der Familie Block mit den Kindern helfen kann", zum anderen, die Cyber-Sicherheitsgeschäfte in Deutschland voranzubringen. Christina Block habe ihn dabei unterstützt.
10.29 Uhr: Block-Anwalt liest mehrere E-Mails vor
Obwohl Bott eigentlich nur eine Frage angekündigt hat, stellt er schon fast seit einer Stunde zahlreiche Nachfragen. Er hält dem Zeugen mehrere E-Mails zu möglichen geschäftlichen Beziehungen mit "Cyber Cupula" vor und konfrontiert ihn mit Rückfragen, die der Zeuge teilweise inhaltlich nicht versteht.
Bott scheint darauf abzuzielen, darzustellen, dass Christina Block in den Mails nicht auftauche. Der Zeugenbeistand Dr. Kruse korrigiert ihn daraufhin mit dem Hinweis, dass Frau Block sehr wohl erwähnt werde.
"Ja, aber ich meine im Verteiler", entgegnet Bott.
10.13 Uhr: Frau Block soll "sehr unterstützend" gewesen sein
Der Block-Verteidiger fragt weiter zu dessen Firma "Cyber Cupula" und einer Präsentation zum Thema Cybersicherheit im Hotel Grand Elysée.
Der Zeuge berichtet erneut, er und sein Team hätten im September 2023 einen Penetrationstest im Familienhotel der Blocks durchgeführt. Bott hält ihm daraufhin eine E-Mail vor, in der B. seine Dienstleistungen der Block-Gruppe angepriesen habe. Christina Block werde darin jedoch weder erwähnt noch sei sie im CC-Verteiler aufgeführt.
Dennoch betont der Zeuge, Block sei bei dem Projekt sehr unterstützend gewesen. "Sie war vollständig informiert über die Einzelheiten dessen, was wir durchgeführt haben", sagt er.
Man habe in dem Zeitraum zudem Listen von allen Hotels in Deutschland und potenziellen Wettbewerbern erstellt. "Damals wussten wir noch nicht, dass das Ergebnis dieser gesamten Operation einmal zu dem führen würde, was sie heute ist", erklärt der Zeuge.
"Cyber Cupula" sei bereits 2024 ins Minus geraten, erklärt der Zeuge. Als einen Grund nennt er den Kriegsbeginn in Israel.
10 Uhr: Hier will der Zeuge überall studiert haben
Jetzt fragt Bott über die Ausbildung des Zeugen. Er will genau wissen, was David B. studiert hat.
Der Zeuge berichtet, zunächst Medizin in Paris studiert, das Studium jedoch nicht abgeschlossen zu haben. Darüber hinaus habe er sich mit der Geschichte des Nahen Ostens und Islamwissenschaft beschäftigt.
Außerdem verfüge er über ein Diplom in Cybersicherheit von der Universität Harvard. Zudem habe er in Oxford Mathematik und Künstliche Intelligenz studiert.
9.56 Uhr: Diskussionen um den Geburtstag des Zeugen
Bott widmet sich anschließend dem Lebenslauf des Zeugen. Unter anderem fragt er nach dessen Geburtstag und Geburtsort. Dabei hält der Verteidiger ihm mehrere vermeintliche Widersprüche vor. So sei im Protokoll einer polizeilichen Vernehmung etwa vermerkt, der Zeuge habe im Februar Geburtstag.
"Das ist ein Fehler. Mein Geburtstag war schon immer am 3. April", entgegnet der Zeuge.
Auch an anderer Stelle enthalte das Protokoll Übersetzungsfehler, erklärt B.. Diese seien ihm beim Lesen aufgefallen. "Wann haben Sie das denn gelesen, und warum haben Sie die Fehler nicht korrigiert?", hakt Bott nach.
Der Zeuge antwortet, das falsche Geburtsdatum sei ihm nicht aufgefallen. "Aber selbst wenn: Ich hätte nicht gedacht, dass das von Bedeutung ist."
9.47 Uhr: Ex-Agent traf sich mit Frau Block zum "netten Abendessen"
Anschließend fragt Bott, ob dieser Mentor auch Kontakt zu Frau Block gehabt habe.
Der Zeuge bejaht dies. Man habe sich zu einem "netten Abendessen" getroffen. Der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter sei von der Familie Block beeindruckt gewesen. Der Kontakt zu Frau Block sei über ihn den Zeugen selbst zustande gekommen, so David B.
9.41 Uhr: David B. - "Ich habe niemals Menschen manipuliert"
Bott fragt: "Waren Sie beim Geheimdienst, und haben Sie dort Techniken der Manipulation erlernt?"
Die Frage bezieht sich auf ein Buch des Mentors des Zeugen aus dessen Zeit beim israelischen Geheimdienst. Ingo Bott hatte dieses Buch zuvor bereits der Zeugin Keren T. vorgehalten. Darin beschreibt der Mentor seine Erfahrungen und Methoden im Geheimdienst.
Der Zeuge reagiert zunächst ungläubig: "Ich?" Anschließend bestätigt David B. jedoch seine frühere Tätigkeit beim israelischen Geheimdienst. Zu weiteren Einzelheiten äußert er sich nicht. Diese offenzulegen würde, so der Zeuge, "gegen die Gesetze meines Landes verstoßen".
Zugleich weist er den Vorwurf zurück, dabei Manipulationstechniken erlernt oder angewendet zu haben: "Was mein Mentor beim Geheimdienst gemacht hat, hat nichts damit zu tun, was ich gemacht habe. Ich habe niemals Menschen manipuliert. Ich habe andere Dinge gemacht."
9.38 Uhr: 57. Verhandlungstag beginnt
Der Prozess beginnt mit der weiteren Befragung David Bs. (68). Nach kurzen technischen Problemen stellt Block-Anwalt Ingo Bott (43) doch noch mehrere "einzelne Rückfragen".
9.15 Uhr: Fast leerer Zuschauerraum
Rund 15 Minuten vor Prozessbeginn sind die meisten Plätze im Zuschauerraum von Saal 237 noch leer.
9 Uhr: So geht es am Mittwoch weiter
Eigentlich hätte die Zeugenbefragung von David B. am Montag abgeschlossen werden können. Nach der Befragung durch Anwältin Gül Pinar wären noch die Verteidiger von Blocks Cousine sowie ihrem Ehemann an der Reihe gewesen. Beide teilten jedoch kurz vor Sitzungsende mit, keine Fragen zu haben.
Daraufhin fragte die Vorsitzende Richterin, ob es von anderer Seite noch Fragen gebe. "Ja, ich habe noch eine", so Ingo Bott. Der mutmaßliche Chef-Entführer muss daher am heutigen Mittwoch noch einmal in den Zeugenstand treten - für eine weitere Frage.
Danach sind nach Angaben des Gerichts keine weiteren Zeugen geladen. Im Anschluss werden Stellungnahmen der Verteidiger zur Aussage von David B. erwartet.
8.50 Uhr: Recap von Montag
Der 56. Verhandlungstag begann mit der Mitteilung von Ingo Bott (43), dass seine Mandantin Christina Block (53) derzeit "sehr angeschlagen" sei. Hintergrund sei ein sehr "emotionales Wochenende" gewesen: Ihre Tochter Klara soll in Hamburg gewesen sein und dort auch Kontakt zu ihrer Tante gesucht haben.
Anschließend stand die Verhandlung ganz im Zeichen der Zeugenbefragung von David B. (68). Inhaltlich blieb der Zeuge in vielen Punkten bei seiner bisherigen Linie und erklärte mehrfach, sich an Details nicht erinnern zu können. Mehrere Fragen ließ er unbeantwortet.
Einen etwas konkreteren Einblick gab David B. in seine Wahrnehmung der Fahrt im Fluchtfahrzeug, bei der sich Klara und Theo im Fußraum befanden. "Die Kinder haben geweint, standen unter Schock und waren nicht glücklich", so der Israeli. Zudem hätten sie geäußert, dass sie nicht zu ihrer Mutter wollten.
Er habe stets versucht, alles "so menschlich wie möglich" und mit "minimaler Gewalt" durchzuführen. Zudem berichtete B. erneut, dass er bereits vor den Ereignissen im Dezember 2023 habe aussteigen wollen. Sowohl der mitangeklagte Familienanwalt der Familie Block als auch die Steakhaus-Erbin hätten ihm jedoch signalisiert, dass dies nicht infrage komme.
Zugleich betonte B. erneut, sein Auftrag sei stets gewesen, die Kinder "zurückzubringen".
Titelfoto: Marcus Brandt/dpa