Streit zwischen Block-Anwalt und Richterin: "War das jetzt nur, um Stimmung gegen die Kammer zu machen?"
Hamburg - Nach rund zwei Wochen Pause, die Christina Block (53) und ihr Lebensgefährte Gerhard Delling (67) unter anderem nutzten, um gemeinsam das Foreigner-Konzert im Stadtpark zu besuchen, wird am Donnerstag der Prozess gegen die Steakhaus-Erbin fortgesetzt. Am 54. Verhandlungstag soll erneut der Psychologe Dr. Stefan R. aussagen. TAG24 ist vor Ort und berichtet im Liveblog.
13.52 Uhr: Zeuge berichtet von einem "bedrohlichen" Telefonat mit Stephan Hensel
Böttner fragt erneut nach den Pädophilievorwürfen gegen Stephan Hensel und Gerd Uecker. Laut dem Zeugen habe er davon entweder durch Uecker selbst oder über die Presse erfahren. Frau Block sei mit diesen Vorwürfen nie auf ihn zugekommen.
Block habe jedoch offenbar die Angst gehabt, der Vater könnte gewalttätig werden, wenn die Kinder nicht dem Narrativ folgen, dass sie als Mutter ablehne.
Anschließend übernimmt Dr. David Rieks, Anwalt von Herrn Delling, das Fragerecht. Im Rahmen der Befragung berichtet der Zeuge von einem Telefonat mit Stephan Hensel. "Er hat mich eines Abends aus dem Nichts angerufen und gefragt, ob ich wisse, was ich angerichtet habe. Die Frage habe ich nur zurückgegeben."
Das Gespräch sei schnell beendet gewesen. "Er kam zu dem Schluss, mit mir könne man nicht sprechen", so der Zeuge. Die spontane Kontaktaufnahme habe er als "bedrohlich" empfunden.
"Warum haben Sie keine Strafanzeige erstattet?", fragt Rieks. Der Zeuge antwortet: "Ich bin immer für Deeskalation, da wo es geht."
13.34 Uhr: Verteidiger hat nur eine Frage
Nach der Mittagspause liegt das Fragerecht bei Dr. Marko Voß. Der Verteidiger des mitangeklagten Familienanwalts Dr. Andreas C. Voß stellte lediglich eine einzige Frage: ob Gerd Uecker dem Zeugen jemals einen "mangelnden kinderpsychologischen Sachverstand" vorgeworfen habe.
"Nicht einmal", betont R.
Anschließend übernimmt Dr. Sasha Böttner, der Anwalt des in Untersuchungshaft sitzenden Tal S., das Fragerecht.
12.12 Uhr: Mittagspause
Bott ist mit seinen Fragen durch. Es folgt die obligatorische Mittagspause bis 13.30 Uhr.
11.44 Uhr: Bott wirft der Kammer "mangelnde Aufmerksamkeit" vor
Ingo Bott unterbricht seine Befragung und äußert seine "Sorge um die Aufmerksamkeit der Kammer". Diese sei "bestimmt zu Unrecht", ihm sei jedoch aufgefallen, dass, wenn "der Blick nach links und rechts geht, der Blick ins Leere zu gehen scheint".
Dies lasse die Vermutung zu, dass die Kammer seine Erörterungen mit dem Zeugen "als nicht so interessant aufgefasst haben könnte" und bei seiner Mandantin die Sorge aufkommen könne, "dass ihre Meinung schon vorgefertigt ist".
"Was genau werfen Sie uns jetzt vor?", fragt die Richterin und fordert konkrete Anhaltspunkte für seinen Verdacht. Bott wiederholt seine Aussage mit dem "leeren Blick". Die Vorsitzende bietet ihm an, ein konkretes Ablehnungsgesuch gegen die Kammer zu formulieren.
Als Bott dies ablehnt, fragt sie aufgebracht: "War das jetzt einfach nur, um Stimmung gegen die Kammer zu machen?" Im Zuschauerraum wird es kurz laut. Bott erwidert: "Dieser Dialog bietet gerade mehr Anlass für ein Ablehnungsgesuch." Er fährt anschließend dennoch mit seiner Befragung fort.
11.39 Uhr: Block-Tochter spricht von "Dämonisierung"
Greta habe gegenüber dem Zeugen auch geäußert, dass Stephan Hensel die Mutter vor den "Ohren der Kinder dämonisiert" habe.
Bott setzt seine "Befragung" fort und hält dem Zeugen weiterhin seine eigenen Stellungnahmen vor und fragt, ob er sich erinnere, dies geschrieben zu haben.
11.30 Uhr: Philip von der Meden beanstandet die Befragung durch Ingo Bott
Dabei geht es auch um die mutmaßlichen Einfluss durch Johanna auf ihre jüngeren Geschwister. Die älteste Tochter von Hensel und Block lebt seit Sommer 2021 freiwillig bei ihrem Vater in Dänemark.
Diese Einflussnahme sei auch von Greta, dem einzigen Kind, das noch bei Frau Block in Hamburg lebt, beschrieben worden, die sich daraufhin von ihrer Schwester distanziert habe. Es sei üblich, dass Kinder sich an ihren älteren Geschwistern orientieren, und auch Theo habe sich im Januar 2024 "sichtbar" an Klara orientiert.
Philip von der Meden beanstandet die Befragung von Bott, der den Zeugen seiner Ansicht nach eher zu einem wissenschaftlichen Diskurs ermutige, anstatt konkrete Fragen zu stellen. Stattdessen frage er wiederholt nur, ob der Zeuge sich an bestimmte Stellungnahmen erinnere. Der Zeuge sei jedoch nicht als Sachverständiger geladen.
Die Richterin pflichtet von der Meden bei, dass es nicht um die fachliche Einschätzung des Zeugen gehe, sondern um dessen Wahrnehmungen und Tatsachen.
11.20 Uhr: Es geht weiter
Nach der Pause kündigt Bott an, dem Zeugen noch einige Fragen zu den von ihm vorgenommenen fachspezifischen Einordnungen zu stellen.
11.04 Uhr: Pause
Ingo Bott bittet um eine kurze Pause. Es folgt eine Unterbrechung bis 11.20 Uhr.
10.56 Uhr: Klara und Theo sollen ihr Halbgeschwister vermisst haben
Gegenüber dem Zeugen hätten Theo und Klara im Januar 2024 nach der Entführung geäußert, dass sie das Essen sowie ihr "Halbgeschwisterchen" in Dänemark vermissten.
Allerdings würden Kinder häufig Ersatzargumente suchen, um ihre vorherige Position zu stützen; daraus lasse sich daher nicht zwingend auf ihre tatsächliche Gefühlslage schließen.
Frau Block habe sich in der Situation nach der Entführung bei sich zu Hause in Hamburg im Umgang mit ihren Kindern "wie man es soll" verhalten. Sie sei zugewandt, liebevoll, unverbindlich und nicht konfrontativ gewesen.
10.44 Uhr: Mögliche gesundheitliche Folgen für die Kinder waren "ständig" Thema
Auch mögliche gesundheitliche Folgen für die Kinder wie Depressionen sollen "ständig" ein Thema gewesen sein. "Frau Block hat sich Sorgen gemacht, ob die Kinder überhaupt wieder gesund werden können, wenn sie zurück in Deutschland sind", so R.
Auch Gerhard Delling habe sich demnach mehrfach danach erkundigt.
10.28 Uhr: Nur rechtlich zulässige Wege sollen bedacht worden sein
Während der Befragung zu seiner Aussage, man habe die "gesamte Palette" bedacht, erklärt R.: "Manchmal ist das Leben ja primitiv, und man kann sich sein Recht kaufen. Das war auch hier ein Gedanke."
Diesen Gedanken habe Frau Block jedoch schnell wieder verworfen, ebenso wie die Idee, ein Haus in Dänemark zu erwerben, so der Zeuge. Zugleich betont er erneut, dass stets nur nach rechtlich zulässigen Wegen gesucht worden sei, um die Kinder nach Deutschland zurückzubringen.
Es sei ausschließlich um eine auf "statthaften Wegen" angestrebte Wiedervereinigung gegangen. Auch sein angefertigtes "Rückführungskonzept" sei vor diesem Hintergrund zu verstehen: "Anders hätte es auch gar nicht funktioniert."
10.17 Uhr: Zeuge beschreibt Vater der Kinder als "aggressiver Ich-Durchsetzer"
Bott hält dem Zeugen ein von ihm verfasstes Schreiben vor, in dem er Stephan Hensel als "Psychopathen" bezeichnet und ihm manipulatives Verhalten gegenüber den Kindern vorwirft.
Zu diesen Einschätzungen sei er nach eigenen Angaben durch zahlreiche Gespräche mit Menschen gelangt, die Hensel seit Jahren kennen.
"Er ist als aggressiver Ich-Durchsetzer beschrieben worden, auch im beruflichen Kontext. Es wurde mir auch von der Hochzeit berichtet, auf der er gefeiert haben soll, nun am Ziel seiner Träume zu sein, weil er im finanziellen Hochadel angekommen sei", so R.
Hensel sei aggressiv, wenig selbstreflektiert und habe das Wohl der Kinder nicht ausreichend im Blick gehabt, führt R. weiter aus. Stephan Hensel bleibt während dieser Ausführungen äußerlich ruhig.
10.05 Uhr: Hensel-Anwalt schlug vor: Block soll den Kindern ein Haus in Dänemark kaufen
Auf Nachfrage von Bott gibt R. an, über lange Zeit hinweg in mehreren Fällen mit dem Familienanwalt von Stephan Hensel, Gerd Uecker, zusammengearbeitet zu haben. Vor rund eineinhalb Jahren habe man den Kontakt jedoch "beiseitegelegt" – auch mit Blick auf das laufende Verfahren.
Zuvor hätten sich die beiden allerdings über den Fall ausgetauscht. Ihm sei dabei wichtig gewesen, auszuloten, wie die Eltern wieder an einen Tisch gebracht werden könnten, um "Brücken zu bauen".
R. berichtet, Uecker habe die von den Block-Kindern erhobenen Gewaltvorwürfe für zutreffend gehalten. In diesem Punkt habe es zwischen ihnen jedoch "Auffassungsunterschiede" gegeben. Für ihn habe es keine verifizierten Hinweise auf entsprechende Vorfälle gegeben.
Uecker habe außerdem vorgeschlagen, dass Frau Block sich und den Kindern ein Haus in Dänemark kaufen solle, um eine mögliche Kontaktaufnahme zu erleichtern. Bott hakt nach, ob ein solcher Vorschlag nicht im Widerspruch zu den im Raum stehenden Gewaltvorwürfen stehe.
"Ich habe das nicht weiter diskutiert, sondern als Chance begriffen und das auch so weitergegeben", antwortet der Zeuge.
9.54 Uhr: Zeuge betont: "Ich kann keine Rechtsberatung vornehmen, ich bin Psychologe."
R. gibt an, sich im Rahmen seiner Tätigkeit für Frau Block auch mit ihren Anwälten ausgetauscht zu haben. Gemeinsam habe man erörtert, welche rechtlichen Schritte auf internationaler Ebene möglich seien, um die Kinder zurückzuholen.
Zugleich betont der Zeuge immer wieder: "Ich kann keine Rechtsberatung vornehmen, ich bin Psychologe."
9.50 Uhr: "Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich meine Sekretärin mitgebracht"
Bott fragt daraufhin, warum sich R. weder im Januar noch jetzt mit seiner zuvor erfolgten polizeilichen Vernehmung beschäftigt habe. R. entgegnet, er habe bewusst nur das wiedergeben wollen, woran er sich tatsächlich erinnere. Zudem habe er nicht mit einer derart detaillierten Befragung gerechnet.
"Wenn ich gewusst hätte, dass ich gefragt werde, was ich verdient habe und welche Rechnungen ich geschrieben habe, hätte ich meine Sekretärin mitgebracht", sagt der Psychologe.
9.42 Uhr: Zeugenbefragung startet
Die Befragung von Psychologe Dr. Stefan R. startet. Das Fragerecht liegt bei Block-Anwalt Ingo Bott (43).
Dieser fragt, wann der Zeuge Frau Block zuletzt gesehen habe. R. antwortet zunächst, das sei Ende 2022 gewesen, korrigiert sich dann jedoch: Natürlich habe er Frau Block nach der Entführung im Januar 2024 besucht. Den genauen Zeitpunkt könne er heute aber nicht mehr "rekonstruieren".
9.40 Uhr: Prozess startet
Mit ein paar Minuten Verzögerung startet der 54. Verhandlungstag.
Die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt kündigt an, dass die Verhandlung heute aus "internen Gründen" nur bis 15 Uhr gehen wird.
9.25 Uhr: Stephan Hensel mal wieder da
Vor und in Saal 237 bleibt es – wie zuletzt immer häufiger – vergleichsweise ruhig.
Nach mehreren Wochen der Abwesenheit ist heute auch Stephan Hensel (52), Ex-Mann von Christina Block sowie Vater ihrer Kinder, mal wieder persönlich im Saal. Als Nebenkläger muss er nicht während des gesamten Verfahrens anwesend sein.
9 Uhr: So geht es am Donnerstag weiter
Wie das Gericht am Mittwoch mitteilte, ist für Donnerstag ab 9.30 Uhr die weitere Befragung des Zeugen Dr. Stefan R. angesetzt. Insbesondere die Verteidigung will ihn erneut befragen.
Der Psychologe hatte bereits im Januar 2026 ausgesagt. Eine weitere Vernehmung war für Mai vorgesehen, musste jedoch kurzfristig verschoben werden, nachdem dieser erkrankt war.
Auf seiner Homepage bezeichnet sich Dr. R. als "Wegweiser aus Ihrem Elternkonflikt" und betont, dass in seiner Arbeit stets das Wohl des Kindes im Mittelpunkt stehe.
Im Prozess spielte der Psychologe bereits mehrfach eine Rolle. Christina Block soll ihn schon während des familienrechtlichen Streits mit ihrem Ex-Mann Stephan Hensel (52) beauftragt haben. In einem Gutachten kam Dr. R. zu dem Schluss, die Kinder seien durch ihren Vater von der Mutter entfremdet worden. Ohne dabei mit den Kindern gesprochen zu haben, wie R. selbst aussagte.
Erst nach der Entführung in der Silvesternacht 2023/24 habe Dr. R. die Kinder persönlich bei ihrer Mutter Zuhause kennengelernt.
Zudem erstellte R. ein sogenanntes "Rückführungskonzept", das Christina Block später mit den Worten "I hope you can use it" an die mutmaßlichen Entführer weiterleitete. Von ihm soll zudem der Vorschlag stammen, die Kinder sollten ihre Mutter zunächst an einem "neutralen Ort" wiedersehen. Nach eigener Aussage entschied sich David B. deshalb für einen Bauernhof in Süddeutschland als Treffpunkt für das erste Wiedersehen.
Update, 8.50 Uhr: Recap vom 53. Verhandlungstag
Am 53. Verhandlungstag wurde die Zeugenbefragung von Keren T. alias "Olga" beendet.
Am insgesamt vierten Tag ihrer Vernehmung stellte insbesondere der Verteidiger des angeklagten Familienanwalts Dr. Andreas C., Dr. Marko Voß, zahlreiche Fragen. Dieser konfrontierte Keren T. zunächst mit der Aussage des mutmaßlichen Chef-Entführers David B. (68), wonach eine physische Rückholung der Kinder ursprünglich nicht geplant gewesen sei.
Die Zeugin hingegen blieb bei ihrer Darstellung, wonach Dr. C. von Beginn an Druck auf das Team ausgeübt und eine physische Rückholung der Kinder gefordert habe.
Anschließend fragte Dr. David Rieks, der Verteidiger von Gerhard Delling (66), unter anderem danach, wie die einzelnen Mitglieder des mutmaßlichen Entführer-Teams zusammengestellt worden seien.
Keren T. hatte zuvor betont, dass sie und David B. sichergestellt hätten, ausschließlich "gute Menschen" zu engagieren.
"Wie haben Sie bewertet, wer gute Menschen sind, die zum Team passen?", fragte der Anwalt. "Das klingt jetzt vermutlich komisch, aber erstmal sicherstellen, dass sie keine Verbrecher sind. Menschen, die wir persönlich kennen und denen wir vertrauen. Durch Gespräche wirkten sie einfach wie gute Menschen", antwortete die Zeugin.
Titelfoto: Marcus Brandt/Pool dpa/dpa