Chef-Entführer im Block-Prozess: Alles sollte so "menschlich wie möglich" ablaufen

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Hamburg - Am 56. Verhandlungstag im Kindesentführungsprozess gegen Christina Block (53) hat erneut der mutmaßliche Chef-Entführer David B. (68) ausgesagt. Es war bereits der neunte Tag seiner Zeugenaussage vor dem Hamburger Landgericht, die am kommenden Mittwoch aufgrund nur einer Frage des Block-Verteidigers nochmal fortgesetzt wird. TAG24 war vor Ort und berichtete im Liveblog.

Christina Block (53) mit ihrem Anwalt Ingo Bott (43. l.). Die Steakhaus-Erbin soll am Montag "sehr angeschlagen“ gewesen sein, da ihre Tochter Klara am Wochenende in Hamburg gewesen sei und auch Kontakt zu ihrer Tante gesucht habe.
Christina Block (53) mit ihrem Anwalt Ingo Bott (43. l.). Die Steakhaus-Erbin soll am Montag "sehr angeschlagen“ gewesen sein, da ihre Tochter Klara am Wochenende in Hamburg gewesen sei und auch Kontakt zu ihrer Tante gesucht habe.  © Daniel Bockwoldt/dpa

Wieder kam es am heutigen Verhandlungstag zu teils lautstarken Wortgefechten zwischen der Richterin und den Verteidigern, zwischen Verteidigern und Zeugenbeistand sowie zwischen den Verteidigern und dem heutigen Nebenklagevertreter Gerd Uecker, dem Familienanwalt von Stephan Hensel.

Die Auseinandersetzungen waren teils so Raum einnehmend, dass selbst David B. zwischenzeitlich erklärte, er müsse erst einmal verstehen, was "hier zwischen den Zeilen passiert".

Inhaltlich blieb B. in vielen Punkten bei seiner Linie, sich an Details nicht erinnern zu können, und ließ mehrere Fragen unbeantwortet.

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Einen etwas konkreteren Einblick gab er in seine Wahrnehmung der Fahrt im Fluchtfahrzeug mit Klara und Theo im Fußraum. "Die Kinder haben geweint, standen unter Schock und waren nicht glücklich", so B. Zudem hätten sie auch gesagt, sie wollten nicht zur Mutter.

Er habe stets versucht, alles "so menschlich wie möglich" und mit "minimaler Gewalt" durchzuführen. Zudem berichtete B. erneut davon, dass er bereits vor den Ereignissen im Dezember 2023 habe aufhören wollen, ihm jedoch unter anderem der angeklagte Familienanwalt der Blocks sowie die Steakhaus-Erbin selbst "Nein" gesagt hätten.

Die Entführung selbst habe er als einen sehr nervenaufreibenden Tag erlebt.

15.45 Uhr: Erinnert sich der Zeuge an den angeklagten Sicherheitsunternehmer?

Nun ist Gül Pinar mit ihrer Befragung an der Reihe. Zunächst will sie wissen, ob der Zeuge ihren Mandanten, den Sicherheitsunternehmer Andreas P., kenne. "Ich erinnere mich nicht an ihn", antwortet B. Auch in der Planung für die Silvesternacht 23/24 habe er nach seiner Erinnerung keine Rolle gespielt.

Anschließend kommt Pinar auf einen Sicherheitsbericht zu sprechen, der von ihrem Mandanten erstellt worden sein soll. Darin sei unter anderem festgehalten worden, dass eine Rückholung der Kinder "gefährlich" sein könnte.

Ob er einen solchen Bericht jemals gesehen habe, fragt die Anwältin. "Ich erinnere mich nicht an ein solches Dokument", antwortet B. Pinar hakt nach und will wissen, ob der Zeuge bei seinen Vorbereitungen Dokumente oder Unterlagen Dritter genutzt habe.

Es habe "Tonnen von Dokumenten" gegeben, die Christina Block Keren T. zur Verfügung gestellt habe, erklärt B. Gelesen habe er diese jedoch nicht. Das gelte insbesondere für Unterlagen, die auf Deutsch verfasst gewesen seien.

15.40 Uhr: David B. fragte nach einer Bewährungsstrafe

Nach der Unterbrechung erklärt B., ihm sei die Frage nun erläutert worden.

"In der Tat habe ich meinen Anwalt gefragt, ob ich Bewährung bekommen könnte. Dieser hat mir jedoch gesagt, dass es in Deutschland keine Möglichkeit gebe, entsprechende Deals zu machen", erklärt der Zeuge weiter.

Er habe deshalb keine Zusagen erhalten. Stattdessen sei ihm wiederholt geraten worden, vollständig mit den deutschen Justizbehörden zusammenzuarbeiten.

15.35 Uhr: Kurze Pause

Nachdem Rieks nach möglichen Zusagen oder Versprechen der Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit der Aussage des Zeugen fragt, bittet der Zeugenbeistand um eine kurze Pause.

B. betont in seiner Antwort erneut, ihm sei wiederholt geraten worden, mit den deutschen Behörden zusammenzuarbeiten. Konkrete Zusagen wie die Aussicht auf eine Bewährungsstrafe für seine Aussage habe es nicht gegebenen, seine Forderung sei lediglich gewesen, nach Deutschland zu reisen und auch wieder zurück nach Israel zu dürfen.

15.21 Uhr: Eingreifen von Ex-GNTM-Model hat "Chaos" ausgelöst

Rieks fragt nach dem ehemaligen GNTM-Model Jonathan C. (35). Diesen habe B. einige Monate nach der Silvesternacht 2023/24 am Flughafen in Tel Aviv getroffen. Erst bei dieser Gelegenheit habe er von der Gewalt gegen Stephan Hensel erfahren. Jonathan C. habe ihm erzählt, dass er den Ex-Mann von Christina Block geschlagen habe.

"Ich war sehr unzufrieden mit dem, was passiert war. Ich war wütend auf ihn", so der Zeuge. Rieks will wissen, ob Jonathan C. erklärt habe, warum er zugeschlagen habe.

"Nein, ich erinnere mich nicht an ein solches Gespräch", antwortet B. "Ich erinnere nur, dass mir erzählt wurde, dass sein Eingreifen Chaos ausgelöst habe."

15.15 Uhr: Es geht weiter

Das Fragerecht liegt jetzt Dr. David Rieks, der Verteidiger von Gerhard Delling (67).

Gerhard Delling (67) mit seinem Anwalt Dr. David Rieks.
Gerhard Delling (67) mit seinem Anwalt Dr. David Rieks.  © Georg Wendt/dpa

14.59 Uhr: Pause

Dr. Böttner hat keine Fragen mehr. Die Richterin veranlasst eine kurze Unterbrechung. Pause bis 15.10 Uhr.

14.50 Uhr: "Die Kinder haben nicht geredet, sie haben geweint"

"Haben Sie den Kindern schon im Auto gesagt, dass es zu ihrer Mutter geht?", fragt Böttner. "Ja", antwortet der Zeuge. "Und was haben Sie ihnen gesagt?" "Die Kinder haben nicht geredet, sie haben geweint", so B.

Für ihn habe es in diesem Moment jedoch kein Zurück mehr gegeben. Er habe darauf gehofft, dass Gegenstände im Wohnmobil, die den "Geruch von Christina" getragen hätten, den Kindern verdeutlichen würden, dass sie zu ihrer Mutter zurückgebracht werden sollten. Mit dem Wohnmobil waren die Kinder und das Team anschließend nach Süddeutschland gefahren.

"Sind Sie sicher, dass die Kinder während der gesamten Fahrt nichts gesagt haben?", hakt Böttner nach. "Wenn ich mich richtig erinnere, haben Sie gesagt, sie wollten nicht zu ihrer Mutter. Für mich selbst ist das auch ein sehr schwieriger Moment", sagt B. und entschuldigt sich dafür, dass er sich an so wenige Details erinnern könne.

14.40 Uhr: "Wessen Idee war das mit dem Klebeband?"

Anschließend geht es um das Klebeband, mit dem sowohl die Kinder als auch Stephan Hensel zeitweise gefesselt worden sein sollen. Nach den bisherigen Aussagen sei auch Tal S. Klebeband ausgehändigt worden, um den Vater "zu binden".

"Wessen Idee war das mit dem Klebeband?", fragt Böttner. "Ich erinnere mich nicht, wer ihm das Klebeband gegeben hat. Aber es war Teil der Ausrüstung", antwortet B. "Wofür?", hakt Böttner nach. B. weicht einer konkreten Antwort aus. Das Klebeband gehöre zu den Ausrüstungsgegenständen für eine "solche Mission".

"Wir wussten bis zum letzten Moment nicht, was genau passieren würde. Wir konnten also keine konkreten Pläne machen", so der Zeuge weiter.

Dr. Sasha Böttner vertritt den einzigen der mutmaßlichen Entführer, der seit November 2024 in Untersuchungshaft sitzt.
Dr. Sasha Böttner vertritt den einzigen der mutmaßlichen Entführer, der seit November 2024 in Untersuchungshaft sitzt.  © Georg Wendt/dpa

14.28 Uhr: Das bedeutet "Neutralisieren" für den Zeugen

Dr. Voß hat keine weiteren Fragen. Daraufhin übernimmt Dr. Sasha Böttner, der Verteidiger des in Untersuchungshaft sitzenden Tal S. (36), die Befragung.

Er geht sofort auf einen hebräischen Begriff ein, von dem sein Mandant berichtet hatte. Demnach habe B. Tal S. und einem weiteren Teammitglied – beide erfahrene Kampfsportler – den Auftrag erteilt, Stephan Hensel mit "Kraft und Macht" zu überwältigen. Böttner will wissen, welche Formulierung der Zeuge damals tatsächlich auf Hebräisch verwendet habe.

B. nennt daraufhin den hebräischen Begriff für "neutralisieren". Er habe das Wort jedoch im Sinne des Kampfsports verwendet. Dort bedeute "neutralisieren" nicht, jemandem Schaden zuzufügen. Gemeint sei vielmehr, eine Situation unter Kontrolle zu bringen – mit möglichst geringer Gewaltanwendung, etwa durch Festhalten oder Fixieren.

"Kontrollieren, ohne Schaden zuzufügen", erklärt B.

Auffällig ist dabei, dass sich B. plötzlich recht detailliert an die Situation erinnern kann. Nur wenige Minuten zuvor hatte er noch erklärt, sich an konkrete Einzelheiten seines damaligen Auftrags an Tal S. nicht mehr erinnern zu können.

14.20 Uhr: Widersprüche in der Aussage von David B.

Dr. Voß zeigt sich mit dieser Erklärung nicht zufrieden. Aus seiner Sicht bleibt die Frage offen, wie dies mit der Darstellung zusammenpasst, zumal das Team für die Entführung erst im Dezember 2023 zusammengestellt worden sein soll. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass B. zuvor ausgesagt hatte, dem Familienanwalt Dr. C. nicht vertraut zu haben.

B. antwortet zwar auf die Nachfrage, geht jedoch nicht direkt auf den Widerspruch ein. Aufgrund des großen Drucks habe man "immer Ausrüstungsgegenstände parat gehabt".

"Ich verstehe, dass man von mir erwartet, mich an genaue Daten zu erinnern. Aber so funktionieren menschliche Gedächtnisse eben nicht", sagt David B. "Ich gebe mein Bestes, um alles zu erzählen. Aber das Treffen mit Herrn C. im Hotelzimmer hat auf jeden Fall stattgefunden."

"Danke für die Einsicht, wie menschliche Gehirne funktionieren", entgegnet Voß schnippisch.

Titelfoto: Daniel Bockwoldt/dpa

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