Hamburg - Nachdem eine erneute Einlassung des in Untersuchungshaft sitzenden Angeklagten Tal S. (36) am Freitag für Aufsehen gesorgt hatte, wird am Dienstag der Prozess wegen Kindesentführung gegen die Unternehmerin Christina Block (52) fortgesetzt. Der mutmaßliche Chef-Entführer David B. (68) sagt erneut als Zeuge aus. TAG24 ist vor Ort und berichtet in einem Liveblog.
Update, 12.07 Uhr: Eugen Block war nicht zufrieden mit David B. und seinem Team
Die beisitzende Richterin fragte, warum Frau Block nicht mitgeteilt worden sei, wohin B. und sein Team mit den Kindern nach der Entführung fahren würden.
"Ich hatte Angst, dass jemand in der Umgebung darüber sprechen könnte und dass dadurch alles scheitern würde. Uns wurde berichtet, dass eine Person in sehr hoher Position uns gebeten habe, aufzuhören. Als wir Christina und Dr. C. davon erzählten, sagten sie, sie hätten davon nie gehört", erklärte B. "Aufgrund dessen und meiner beruflichen Erfahrung wollte ich keine Einzelheiten offenlegen, insbesondere nicht das endgültige Datum und die genaue Uhrzeit."
Auf die Frage, wer diese Person gewesen sei, antwortete B.: "Ich weiß es nicht. Aber es war nicht Frau Block und auch nicht Dr. C. Es war wahrscheinlich jemand über ihnen."
Er vermutete, dass "der Patriarch [Eugen Block]" mit der Arbeit seines Teams nicht zufrieden gewesen sei. Zudem denke er, dass der Zeuge Alon S., der den Kontakt zwischen den Blocks und B. hergestellt haben soll, eigene Interessen verfolgt habe und "sich in den Vordergrund drängen wollte". B. dazu: "Ich glaube, dass Herr S. Kontakt mit dem Patriarchen aufgenommen hat und ein zusätzliches Team engagieren wollte. Das hat er schon einmal getan: Als das deutsche Team gescheitert ist, hat er uns beauftragt."
"Ab diesem Punkt konnte ich niemandem mehr trauen", betonte der Zeuge.
Es folgt die obligatorische Mittagspause bis 13.30 Uhr.
Update, 11.40 Uhr: Chef-Entführer musste Kredit aufnehmen
Die vorsitzende Richterin hat keine Fragen mehr. Einer der beisitzenden Richter fragte noch einmal nach der genauen Bezahlung. Zeitweise hätten 250.000 Euro im Raum gestanden: "Es war nur eine ungefähre Schätzung. Damals war noch nicht klar, wie lange es dauern würde", so B.
"Welche Leistung sollte dafür erbracht werden?", fragt der Richter weiter. "Informationen für den Rechtsprozess um die Kinder zu sammeln", antwortet B. Die Entführung sei in dem Betrag nicht enthalten gewesen. "Das war ja nicht von Anfang an der Plan. Wir erwarteten dann, dass wir später mehr Geld erhalten würden. Ich erinnere mich nicht daran, nach einer konkreten Summe gefragt zu haben. Nur daran, dass ich im letzten Telefonat mit Dr. C. um mehr Geld gebeten habe. Das habe ich aber nie bekommen."
Einen schriftlichen Vertrag habe es ebenfalls nicht gegeben. "Herr C. hat ein paar Notizen gemacht. Als es zur Eskalation kam, war das Geld jedoch nicht ausreichend. Ich habe Teammitglieder aus eigener Tasche bezahlt und dafür einen Kredit aufgenommen."
Es folgt eine kurze Pause.
Update, 11.22 Uhr: "Ich bin davon ausgegangen, dass Christina die Wahrheit sagen wird"
Als letzte Frage will die Richterin wissen, wie es zu David Bs. Aussage bei der Staatsanwaltschaft im November 2025 gekommen ist.
"Ich bin nach Deutschland gekommen, um die Geschichte dessen zu erzählen, was uns passiert ist – mir und meiner Firma", begann B. zu erklären. "Ich war in der Tat überrascht, als ich gehört habe, dass ich verurteilt werden könnte." Mitte 2024 habe er erstmals von polizeilichen Ermittlungen gegen ihn erfahren.
Es habe einige Zeit gedauert, bis er und sein Team verstanden hätten, dass die rechtlichen Ratschläge, die ihm von Christina Block und Dr. C. erteilt worden seien, "falsch gewesen sind". Daraufhin habe er zunächst einen israelischen Anwalt und später auch einen Deutschen eingeschaltet, nachdem er erfahren habe, dass nach ihm per Haftbefehl gesucht wird.
"Ich bin davon ausgegangen, dass Christina und Herr C. die Wahrheit sagen werden, so wie ich es tue. Wir haben darauf gewartet, dass dies geschieht." Als er jedoch in Medienberichten gelesen habe, ihm werde vorgeworfen, aus eigenem Antrieb gehandelt zu haben beziehungsweise auf Anweisung von Christina Blocks Mutter, habe er verstanden, dass es für ihn an der Zeit sei, nach Deutschland zu kommen.
"Ich war überzeugt, dass das Beste, was man tun kann, ist, herzukommen und die Wahrheit darüber zu sagen, was wir in Deutschland getan haben."
"Würde Ihnen eine Gegenleistung für ihre Aussage versprochen?", will die Richterin weiter wissen.
B: "Mir wurde nichts versprochen. Ich bin erwachsen, ich bin verantwortlich für meine Fehler. Das ist der Preis, der gezahlt werden muss."
Update, 10.55 Uhr: Fotos vom Hauptquartier und Dr. C.
In dem Dokument befinden sich auch Fotos des Hauptquartiers von David B. und seinem Team im 6. Stock der Kanzlei des Familienanwalts Dr. Andreas C. in Hamburg, welches ihnen von diesem für "ihre Arbeiten" zur Verfügung gestellt worden sei, wie der Zeuge erneut betonte.
Die Richterin will wissen, was es mit einem Screenshot von der Webseite des Anwalts in dem Plan auf sich hat. "Als wir die IT-Tests im Hotel [Grand Elysée] durchführten, haben wir das auch bei Dr. C. gemacht und festgestellt, dass es viele Probleme gibt", erklärt der Zeuge.
Immer wieder tauchen in den Dokumenten auch Ergebnisse von Penetrationstests auf, die von "Cyber Cupula" im Hotel Grand Elysée durchgeführt worden sein sollen.
B. betonte, es sei dabei auch darum gegangen, die Präsenz seiner IT-Firma nach außen darzustellen. "Wir wollten mit dem Grand Elysée erfolgreich sein, damit Christina uns dabei helfen würde, auch in andere Hotels in Deutschland zu kommen."
Update, 10.45 Uhr: Plan "Golden Eyes #5"
Jetzt wird eine Art Power-Point-Präsentation gezeigt mit dem Titel "Golden Eyes #5" und unten drunter steht "bring the kids safely home". Der Zeuge erkennt das Dokument als den Plan an, den er aufgestellt habe, um die jüngsten Block-Kinder zurück nach Deutschland zu bringen.
Unter anderem befinden sich in dem "Plan" Fotos von dem Haus von Stephan Hensel im dänischen Gråsten sowie Satelliten-Bilder der gesamten Stadt. Dort hatte der Ex-Mann von Christina Block bis zur Entführung zusammen mit drei der vier Block-Kinder (Theo, Klara und Johanna), seiner neuen Frau Astrid Have, ihrem Sohn sowie einer gemeinsamen Tochter gewohnt.
Update, 10.38 Uhr: Plötzlich geht es um Katzen
Unter den Bildern von dem Bauernhof sind auch mehrere Bilder einer orangen Katze. "Erinnern Sie sich an die Katze?", will die Richterin wissen. "Ja, ich erinnere mich ganz genau, da ich selbst drei Katzen habe und Katzen mag", so B.
Sandra V., sei ebenfalls eine Katzenliebhaberin, so B. weiter. "Ich erinnere mich daran, dass sie sich entschlossen hatte, die Katze zu nehmen und zu den Kindern zu bringen." Klara habe die Katze entgegengenommen, erinnert sich der Zeuge.
Update, 10.20 Uhr: Christina Block soll "glücklich" gewesen sei
Jetzt werden Bilder eines Bauernhofs gezeigt. Zu erkennen sind unter anderem eine große Einfahrt sowie eine Scheune. David B. erkennt den Alpaka-Hof der Familie V. in Baden-Württemberg. Dort waren die Block-Kinder nach der Entführung zunächst untergebracht worden.
Unter anderem kommt dem Zeugen ein Bild eines Wohnzimmers im Erdgeschoss "vertraut" vor. "Ich glaube, das war der Raum, wo Christina zu uns gekommen ist, um Danke zu sagen und dass sie sehr glücklich darüber ist, dass wir die Kinder zurückgebracht haben", so B.
Update, 10.07 Uhr: Zeugenvernehmung von David B. beginnt
Die Zeugenvernehmung von David B. beginnt. Die Richterin kündigt an, nur noch wenige Frage zu haben und zunächst einige Sachen in Augenschein nehmen zu wollen.
Darunter ein Schreiben des "Hamburg Business Center GmbH" vom 8. Februar 2024 an das LKA Hamburg mit dem Betreff "Cyper Cupula" (Name der israelischen IT-Sicherheitsfirma des Zeugen). Dem Schreiben waren unter anderem mehrere Rechnungen des Hotels "Grand Elysée" in Hamburg beigefügt.
Die Richterin fragt: "Haben Sie diese Rechnungen schon einmal gesehen?"
B. antwortet: "Das ist das erste Mal, dass ich diese sehe. An diesem Datum war ich in Israel."
Es folgen mehrere Lichtbilder des Wohnmobils, mit dem die jüngsten Block-Kinder, Theo und Klara, in der Silvesternacht 23/24 von der dänischen Grenze nach Süddeutschland gebracht worden waren. "Das sieht aus wie das, was ich besitze", so B.
Auf den Bildern ist zu sehen, dass man vom hinteren Bereich direkt in den Fahrerbereich blicken kann. "War das am Silvesterabend ebenfalls so gestaltet, oder hatten Sie daran etwas verändert?", fragt die Richterin. B. gab an, dass der Fahrerbereich in dieser Nacht durch Vorhänge abgetrennt gewesen sei.
Update, 9.59 Uhr: Dr. Voß habe kein "Anspruch" sich zu äußern
Nach der Pause bestätigt die Kammer den Beschluss der Richterin, Dr. Voß nicht das Wort zu erteilen. Ihm stehe kein "Anspruch" zu, zu der dienstlichen Äußerung noch vor der Zeugenvernehmung von B. Stellung zu beziehen.
Update, 9.50 Uhr: Direkt 10 Minuten Pause
Der Prozess beginnt unmittelbar mit einer zehnminütigen Unterbrechung. Dr. Marco Voß, Verteidiger des Angeklagten Dr. Andreas C., beantragt einen Kammerbeschluss, nachdem ihm verwehrt wurde, noch vor der erneuten Zeugenvernehmung von David B. Stellung zu einer dienstlichen Äußerung der Richterin vom 28.01.2026 zu nehmen.
In dieser habe Isabel Hildebrandt den Verteidigern, die sie zuvor als Richterin abgelehnt hatten, unter anderem vorgeworfen, "falsch vorgetragen" zu haben.
Die Richterin vertritt die Auffassung, dies gehöre nicht in die Hauptverhandlung. Voß hält dagegen, sie habe die Äußerung selbst zum Gegenstand ihrer Erklärung und damit zum Inbegriff der Hauptverhandlung gemacht.
Update, 9.43 Uhr: 35. Verhandlungstag beginnt
Mit rund 15 Minuten Verspätung beginnt der 35. Verhandlungstag.
Update, 9.17 Uhr: Mutmaßlicher Chef-Entführer David B. sagt weiter aussagen
Die zusätzlichen Sicherheitskontrollen vor Saal 237 deuten darauf hin, dass David B. heute tatsächlich weiter aussagen wird.
Während sich unten am Eingang des Strafjustizgebäudes die Schlangen erneut bis vor die Tür ziehen und zahlreiche Prozessbeteiligte noch warten müssen, ist es im Sitzungssaal selbst bislang ruhig. Bis auf den angeklagten Familienanwalt der Blocks, Dr. Andreas C., ist noch keiner der Angeklagten anwesend.
Update, 9 Uhr: So geht es am Dienstag weiter
Vor dem anstehenden 35. Verhandlungstag hat das Gericht diesmal nicht bekannt gegeben, welche Zeugen geladen sind. Üblicherweise erfolgt diese Information einen Tag im Voraus.
Entweder sind tatsächlich keine weiteren Zeugen vorgesehen – oder die bereits begonnene Vernehmung von David B. wird fortgesetzt. Dessen Aussage war selbst nach fünf Verhandlungstagen noch nicht abgeschlossen.
Bereits am 23. Prozesstag hatte Gerichtssprecherin Marayke Frantzen erklärt, dass aus Rücksicht auf die Sicherheitslage des israelischen Zeugen auf eine frühzeitige öffentliche Ankündigung verzichtet werde.
David B. hatte im Rahmen seiner freiwilligen Aussage bei der Staatsanwaltschaft im November 2025 Sicherheitsgeleit versprochen bekommen.
Update, 8.50 Uhr: Recap von Freitag
Am Ende des 34. Verhandlungstages räumte der Angeklagte Tal S. (36) überraschend ein, vor Gericht nicht die Wahrheit gesagt zu haben. Auf die Frage, wann er Christina Block erstmals gesehen habe, habe er bewusst falsch geantwortet.
Erst am Freitag sprach S. von einem Treffen im Hotel "Grand Elysée", das auch schon der Zeuge und mutmaßliche Chef-Entführer David B. (68) beschrieben hatte. Das Treffen soll kurz vor der Entführung in der Silvesternacht 2023/24 stattgefunden haben. Nach Darstellung von S. habe Block den späteren Entführern dabei gedankt, "dass sie ihre Kinder retten".
Warum er diesen Punkt bislang verschwiegen habe, erklärte S. mit möglichen Konsequenzen für die Unternehmerin. Spätestens nach ihrer eigenen Einlassung sei ihm klar gewesen, was seine Aussage auslösen könne: "Ich dachte, wenn ich das erwähne, werde ich diese Frau verbrennen – und sie kann dadurch im Gefängnis landen."
Der Nebenklagevertreter Philip von der Meden bezeichnete es als "nachvollziehbar", dass Tal S. erst jetzt über das Treffen gesprochen habe. Der Angeklagte habe wiederholt betont, er habe "etwas Gutes tun" und Christina Block schützen wollen.
Verteidiger Ingo Bott nutzte die neue Darstellung dagegen als Argument für seinen Antrag auf Einstellung des Verfahrens. Es gebe mittlerweile zu viele "Realitätsangebote".
Eine "materielle Wahrheitsfindung" sei kaum noch möglich. Zudem sei es für den Angeklagten "günstig" gewesen, erst zu diesem Zeitpunkt über das Treffen zu berichten.