Block-Prozess: Entführte Tochter fühlt sich als "Objekt" des Verfahrens
Hamburg - Am 57. Verhandlungstag im Kindesentführungsprozess gegen Christina Block (53) endete die Zeugenaussage des mutmaßlichen Chef-Entführers David B. (68). TAG24 war vor Ort und berichtete im Liveblog.
Am letzten Tag im Zeugenstand bestätigte David B. explizit, dass er in der Vergangenheit für den israelischen Geheimdienst tätig gewesen sei. Er betonte jedoch auf Nachfrage von Block-Anwalt Ingo Bott, dass er dabei nicht Menschen manipuliert habe. "Ich habe andere Dinge gemacht", so B. Mehr dürfte er dazu nicht sagen.
Insgesamt zeigte der Ex-Agent erneut zahlreiche Erinnerungslücken. Dieses Verhalten hoben auch die Verteidiger Dr. Voß und Bott in ihren späteren Stellungnahmen hervor.
B. habe es selbst mit der Aussage "Bis auf meinen Namen bin ich mir bei gar nichts mehr sicher" auf den Punkt gebracht, so Voß, der dies als "endgültigen Offenbarungseid" wertete.
Dies zeige deutlich, dass B. ein unglaubwürdiger Zeuge sei und seine Aussagen keine belastbare Grundlage für gerichtliche Feststellungen darstellten.
Nebenklagevertreter Philip von der Meden widersprach Voß in Teilen. Gleichwohl ließen sich aus der Aussage auch "tragbare Aspekte" ableiten, etwa dass die Israelis von Anfang an mit der Rückholung der Kinder in Deutschland befasst gewesen seien.
15.18 Uhr: 57. Verhandlungstag ist zu Ende
Nach mehreren Diskussionen mit der Richterin darüber, wer genau welchen Antrag gestellt hatte, einigten sich die Beteiligten darauf, dass das Handy an Klara herausgegeben werden soll.
Danach endete der 57. Verhandlungstag. Der Prozess wird am 24. Juni 2026 um 9.30 Uhr fortgesetzt.
15.04 Uhr: Block-Tochter will ihr Handy wieder haben und fühlt sich als "Objekt" des Verfahrens
Die Nebenklagevertreterin von Klara Hensel schließt mit einem Antrag an, wonach ihre Mandantin die Herausgabe ihres Handys fordert, welches am 1. Januar 2024 sichergestellt worden war.
"Meine Mandantin möchte dieses schon seit geraumer Zeit zurück", so die Vertreterin. Auf dem Gerät befänden sich viele persönliche Daten wie etwa Fotos aus der Grundschulzeit, die nichts mit dem Verfahren zu tun hätten und wertvolle Erinnerungen darstellten.
Klara fühle zunehmend, dass sie "zu einem Objekt des Verfahrens" gemacht wird, insbesondere wenn ihre Bitten "schlichtweg ignoriert" würden. Das Verfahren sei für sie "nur schwer zu ertragen", vor allem weil sie diesem so hilflos ausgesetzt sei. Immer wieder lese sie Zeugenaussagen über sich, die "einfach nicht wahr" seien.
Unter anderem hatte Kerstin T. ausgesagt, Klara habe ihr gegenüber geäußert, sie hasse "alles an Deutschland". Dies sei nicht wahr; "meine Mandantin möchte nicht als Deutschland-Hasserin dargestellt werden".
Dem Antrag auf Herausgabe hatten bereits vor Monaten die Verteidiger widersprochen, allen voran Dr. Rieks, der eine Auswertung des Handys gefordert hatte. Dem hatten sich unter anderem Bott und Dr. Voß angeschlossen.
Die Richterin fragt, ob der Antrag nun zurückgezogen werden soll. Bott bittet um eine kurze Pause zur Beratung. Frau Block ließ derweil verlauten, dass das Handy ihrer Tochter wieder herausgegeben werden soll.
14.55 Uhr: Anwalt bezeichnet David B. als "selbst überschätzten Neu-Unternehmer"
Rieks zeichnet das Bild eines "selbst überschätzten Neu-Unternehmers", der ab Sommer 2024 um seinen ersten großen Auftrag in Deutschland für seine Firma "Cyber Cupula" fürchtete. "Daraufhin schlug er den Weg der aktiven Rückholung der Kinder ein und stellte ein eigenes Team zusammen", so der Delling-Verteidiger.
Einen entsprechenden Auftrag habe David B. dafür jedoch nie erhalten. Stattdessen habe er ein Team aus unerfahrenen Bekannten zusammengestellt, dem er nicht einmal grundlegende Informationen für die Aktion zur Verfügung gestellt habe – etwa dazu, was im Fall eines Einschreitens der dänischen Polizei zu tun sei.
14.45 Uhr: Es geht weiter
Dr. David Rieks, Verteidiger von Gerhard Delling (67), hebt in seiner Stellungnahme hervor, dass David B. in einzelnen Punkten durchaus "Licht ins Dunkel" gebracht und damit zur Wahrheitsfindung beigetragen habe.
14.30 Uhr: Nebenklagevertreter spricht von "tragbaren Aspekten"
In seiner deutlich kürzeren Stellungnahme gibt Nebenklagevertreter Philip von der Meden Dr. Voß in Teilen recht. So sei David B. in einzelnen Punkten durchaus "unglaubwürdig" gewesen und habe sich selbst "geschönt" dargestellt.
Unter anderem bei dem Punkt, wie die kinderpornografischen Vorwürfe gegen Stephan Hensel zustande gekommen seien und die Aussage, dass nie Gewalt angewendet werden sollte. "Es war ja allen Beteiligten klar, dass der Vater die Kinder schützen würde", so von der Meden.
Gleichwohl lasse sich aus Teilen seiner Aussage auch "tragbare Aspekte" ableiten, zum einen, dass der ursprüngliche Grund für die Anwesenheit der Israelis in Deutschland die Rückholung der Kinder gewesen sei – "in welcher Form auch immer".
Auch das Treffen am 28. Dezember 2023 im Hotel Grand Elysée habe nach seiner Einschätzung stattgefunden, vermutlich ebenfalls unter Beteiligung der später thematisierten Maskierungen. "Das ist für Frau Block aber natürlich nicht entlastend", so von der Meden.
Bevor Dr. David Rieks mit seiner Stellungnahme fortfährt, gibt es eine kurze Pause für den Dolmetscher, der die teils sehr umfangreichen Ausführungen für den in Untersuchungshaft sitzenden Tal S. übersetzen muss.
14.09 Uhr: Block verspüre einen "gleichbleibenden Schmerz"
Bott geht auf den immer wieder geschilderten angeblichen Druck ein. Demnach sollen der Familienanwalt und auch Block selbst wiederholt Druck auf die Entführer ausgeübt und die physische Rückführung der Kinder gefordert haben.
Davon hält Bott jedoch nichts. Er führt aus: "Dieser Druck, und jetzt wird es hart, ist der einer verzweifelten Mutter, die seit Sommer 2021 einen gleichbleibenden Schmerz darüber verspürt, dass ihre Kinder nicht mehr bei ihr sind."
Stephan Hensel, Ex-Mann und Vater der Kinder, hatte Theo und Klara damals nach einem Umgangswochenende in Dänemark nicht zurück nach Deutschland gebracht.
13.44 Uhr: Block-Anwalt spricht von "wesentlichen Auswirkungen"
Jetzt gibt Ingo Bott seine Stellungnahme ab, in der er sich in großen Teilen Voß anschließt und ebenfalls die "wesentlichen Auswirkungen" für seine Mandantin betont.
"Sie ist die Mutter der Kinder Theo und Klara, und wir sprechen hier über Kinder, die alles, was hier im Gericht passiert, gespiegelt bekommen – eine Person, die ihre Mama sein soll!", so der Block-Anwalt.
In der Tat sei Bs. Aussage bezeichnend gewesen, aber vor allem sei entscheidend "weniger, was er gesagt hat, sondern was er nicht gesagt hat – gerade weil er sich an so gut wie nichts erinnern konnte".
Er betont außerdem nochmals, dass Block von der Entführung nichts gewusst haben könne und auch das mutmaßliche Treffen am 28. Dezember 2023 nie stattgefunden habe.
13.40 Uhr: "Das alles reicht schon, um Existenzen zu zerstören"
Voß betont am Schluss noch einmal, wie sehr allein die Vernehmungen der beiden "materiellen Hauptbelastungszeugen" David B. und Keren T. in "staatsanwaltlichen Hinterzimmern" seinem Mandanten geschadet hätten.
Dieser werde seit jeher – insbesondere auch in den Medien – als "Drahtzieher der gewaltsamen Entführung" dargestellt. Zusätzlich habe das Gericht dies noch befeuert und das "Pixelgebot" seines Mandanten aufgehoben.
"Das alles reicht schon, um Existenzen zu zerstören", so Voß. Nun, da den Aussagen von Keren T. und David B. letztlich kaum noch etwas Belastbares geblieben sei, müsse dieses Bild mühsam wieder korrigiert und aufgebaut werden.
13.32 Uhr: Das sind die Widersprüche laut Dr. Voß
Widersprüche David Bs. seien laut Voß unter anderem: Während er sich selbst – unterstützt durch die Aussage von Keren T. – eher eine koordinierende oder überwachende Funktion während der Silvesternacht 23/24 zuschreibt, ergeben sich aus anderen Aussagen Hinweise darauf, dass er tatsächlich aktiv gehandelt habe.
Zudem soll er etwa eines der Block-Kinder selbst in das Fluchtauto gesetzt haben.
Auch seine Angaben zur sogenannten "Einsatzzentrale" im Büro-Gebäude des angeklagten Familienanwalts seien widersprüchlich: Einerseits stelle er deren Bedeutung heraus, andererseits verschweige er, dass diese Räumlichkeiten bereits Monate vor der Silvesternacht wieder aufgegeben worden seien.
Schließlich stehen seine Behauptungen über die frühzeitige Planung und Ausstattung (unter anderem Skimasken, Rucksäcke und Ferngläser) im Widerspruch zu anderen Beschuldigten, etwa dem israelischen Fahrer eines der Fluchtautos, der ausgesagt hat, in der Tatnacht seinen eigenen Schal zur Maskierung getragen zu haben.
13.16 Uhr: Dr. Voß wertet die Aussage von David B. als "endgültigen Offenbarungseid"
B. habe sich laut Voß "in völlig überschaubarer Weise selbst dadurch entlasten wollen, dass er andere belastet hat", sei dabei jedoch in zahlreiche Widersprüche geraten – sowohl zu sich selbst als auch zu anderen Beweismitteln.
Zudem habe er auf kritische Nachfragen kaum konkrete Details wiedergeben können, sondern sich auf "immer wieder, meist sogar wortgleich, hergebetene allgemeine Belastungsbauschel" beschränkt.
Die Aussage des Zeugen - "Bis auf meinen Namen bin ich mir bei gar nichts mehr sicher" - wertet Voß als "endgültigen Offenbarungseid", der deutlich mache, dass B. ein unglaubwürdiger Zeuge sei und "auf seiner Aussage allein gar nichts gestützt wird" und sie deshalb nicht als belastbare Grundlage für gerichtliche Feststellungen dienen könne.
13.08 Uhr: Es geht weiter
Nach der Mittagspause gibt Dr. Marko Voß, dem Verteidiger des angeklagten Familienanwalts der Blocks, seine Stellungnahme zu der Zeugenaussage von David B. ab. Er spricht von "unüberbrückbaren Widersprüche und nachweisliche Lügen".
11.34: Mittagspause
Damit ist die Zeugenbefragung von David B. nach acht Verhandlungstagen abgeschlossen. Nach der Mittagspause bis 13 Uhr sollen die ersten Stellungnahmen zu seinen Aussagen folgen.
11.29: Warum wird der Zeuge in Englisch vernommen?
Bott hat keine Fragen mehr.
Die Verteidigung von Tal S. stellt anschließend noch eine Frage: "Warum haben Sie sich eigentlich entschieden, Ihre Vernehmung in Englisch und nicht in Ihrer Muttersprache Hebräisch zu führen?"
Der Zeuge erklärt, seine Muttersprache sei Spanisch, seine erste Sprache Französisch, Englisch sei seine dritte Sprache. Er lese und schreibe auch in Englisch: "Mein Englisch ist besser als mein Hebräisch", so der Zeuge.
Der Zeugenbeistand ergänzt, man habe sich auf Englisch verständigt, damit auch er die Dolmetscher verstehen könne und gegebenenfalls eingreifen kann.
11.23 Uhr: Die Kinder sollten nicht zurück nach Hamburg
Weiter fragt Bott, wie der ursprüngliche Plan gewesen sei, dass Frau Block mit den Kindern wieder nach Hamburg zurückkehren solle. Die Polizei Hamburg hatte verlangt, dass Christina Block die Kinder am 1. Januar wieder zurück nach Hamburg bringt.
"Sie sollten nicht zurück nach Hamburg kommen", betont B. Die Kinder sollten vielmehr zur Ruhe kommen und für einige Zeit auf dem Hof in Süddeutschland bleiben, wie es der Psychologe Dr. Stefan R. empfohlen habe. Man sei davon ausgegangen, dass Frau Block selbst entscheiden werde, wann der richtige Zeitpunkt für eine Rückkehr sei, so der Zeuge.
11.14 Uhr: Zeuge habe zwei Nächte vor der Entführung nicht geschlafen
"Wussten Sie, dass Frau Block mit ihrer Tochter Greta nach Süddeutschland fahren wird?", fragt Bott.
Der Zeuge antwortet, er könne sich daran nicht erinnern. "Sie müssen wissen, ich habe zwei Nächte davor [vor der Entführung] nicht geschlafen und ich musste mich aufs Fahren konzentrieren". Irgendwann habe er von Keren T. erfahren, dass Greta mitkommen würde.
"Für mich hat das Sinn gemacht", so B.
11.04 Uhr: "Warum sollte sich jemand innerhalb des Hotels maskieren?"
Wieder geht es um das Treffen am 28. Dezember 2023, dessen Stattfinden Bott in Zweifel zieht. B., Keren T., ein weiterer israelischer Zeuge sowie Tal S. hatten in ihren Aussagen jedoch von einem solchen Treffen berichtet, bei dem Frau Block dem Team gedankt haben soll, dass sie ihre "Kinder zurückbringen".
B. hatte zuvor angegeben, Teile seines Teams seien dabei maskiert gewesen, da sie sich unwohl gefühlt hätten.
Bott hält ihm vor: "Haben Sie sich auch einmal überlegt, dass Frau Block sich bei einem solchen angeblichen Treffen unwohl fühlen könnte, wenn sie in einen Raum mit maskierten Männern kommt?"
Der Zeuge erklärt, das Thema Maskierung sei nicht zentral gewesen; er denke nicht, dass Frau Block zu diesem Zeitpunkt gewusst habe, dass einzelne Teammitglieder Masken getragen hätten. Das sei eher spontan entstanden.
"Wie erklären Sie sich dann, dass das Team sonst ohne Maske im Hotel unterwegs war?", fragt Bott. B. antwortet mit einer Gegenfrage: "Warum sollte sich jemand innerhalb des Hotels maskieren?"
10.47 Uhr: Pause
Bott bittet um eine fünfminütige Pause.
Zuvor hatte die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt mehrere Fragen von Bott beanstandet. Sie warf ihm vor, wiederholt suggestive Fragen zu stellen, anstatt sich auf die Wahrnehmung des Zeugen zu beziehen.
"Sie können danach fragen, ob der Zeuge etwas davon gehört hat", so die Richterin.
"Von mir aus", entgegnet Bott trotzig.
"Nein, nicht von mir aus. Wir sind hier vor Gericht, Sie müssen korrekte Fragen stellen!", stellt die Richterin klar.
10.40 Uhr: Zeuge wollte verstehen, "wie man der Familie Block mit den Kindern helfen kann"
Bott fragt nochmal, warum sich der Zeuge ab September 2023 verstärkt – auch anhand der E-Mails – um die Block-Gruppe als Kunden für "Cyber Cupila" bemüht habe.
Der Zeuge erklärt, man habe zwei Dinge parallel verfolgt: zum einen, zu verstehen, "wie man der Familie Block mit den Kindern helfen kann", zum anderen, die Cyber-Sicherheitsgeschäfte in Deutschland voranzubringen. Christina Block habe ihn dabei unterstützt.
10.29 Uhr: Block-Anwalt liest mehrere E-Mails vor
Obwohl Bott eigentlich nur eine Frage angekündigt hat, stellt er schon fast seit einer Stunde zahlreiche Nachfragen. Er hält dem Zeugen mehrere E-Mails zu möglichen geschäftlichen Beziehungen mit "Cyber Cupula" vor und konfrontiert ihn mit Rückfragen, die der Zeuge teilweise inhaltlich nicht versteht.
Bott scheint darauf abzuzielen, darzustellen, dass Christina Block in den Mails nicht auftauche. Der Zeugenbeistand Dr. Kruse korrigiert ihn daraufhin mit dem Hinweis, dass Frau Block sehr wohl erwähnt werde.
"Ja, aber ich meine im Verteiler", entgegnet Bott.
10.13 Uhr: Frau Block soll "sehr unterstützend" gewesen sein
Der Block-Verteidiger fragt weiter zu dessen Firma "Cyber Cupula" und einer Präsentation zum Thema Cybersicherheit im Hotel Grand Elysée.
Der Zeuge berichtet erneut, er und sein Team hätten im September 2023 einen Penetrationstest im Familienhotel der Blocks durchgeführt. Bott hält ihm daraufhin eine E-Mail vor, in der B. seine Dienstleistungen der Block-Gruppe angepriesen habe. Christina Block werde darin jedoch weder erwähnt noch sei sie im CC-Verteiler aufgeführt.
Dennoch betont der Zeuge, Block sei bei dem Projekt sehr unterstützend gewesen. "Sie war vollständig informiert über die Einzelheiten dessen, was wir durchgeführt haben", sagt er.
Man habe in dem Zeitraum zudem Listen von allen Hotels in Deutschland und potenziellen Wettbewerbern erstellt. "Damals wussten wir noch nicht, dass das Ergebnis dieser gesamten Operation einmal zu dem führen würde, was sie heute ist", erklärt der Zeuge.
"Cyber Cupula" sei bereits 2024 ins Minus geraten, erklärt der Zeuge. Als einen Grund nennt er den Kriegsbeginn in Israel.
10 Uhr: Hier will der Zeuge überall studiert haben
Jetzt fragt Bott über die Ausbildung des Zeugen. Er will genau wissen, was David B. studiert hat.
Der Zeuge berichtet, zunächst Medizin in Paris studiert, das Studium jedoch nicht abgeschlossen zu haben. Darüber hinaus habe er sich mit der Geschichte des Nahen Ostens und Islamwissenschaft beschäftigt.
Außerdem verfüge er über ein Diplom in Cybersicherheit von der Universität Harvard. Zudem habe er in Oxford Mathematik und Künstliche Intelligenz studiert.
9.56 Uhr: Diskussionen um den Geburtstag des Zeugen
Bott widmet sich anschließend dem Lebenslauf des Zeugen. Unter anderem fragt er nach dessen Geburtstag und Geburtsort. Dabei hält der Verteidiger ihm mehrere vermeintliche Widersprüche vor. So sei im Protokoll einer polizeilichen Vernehmung etwa vermerkt, der Zeuge habe im Februar Geburtstag.
"Das ist ein Fehler. Mein Geburtstag war schon immer am 3. April", entgegnet der Zeuge.
Auch an anderer Stelle enthalte das Protokoll Übersetzungsfehler, erklärt B.. Diese seien ihm beim Lesen aufgefallen. "Wann haben Sie das denn gelesen, und warum haben Sie die Fehler nicht korrigiert?", hakt Bott nach.
Der Zeuge antwortet, das falsche Geburtsdatum sei ihm nicht aufgefallen. "Aber selbst wenn: Ich hätte nicht gedacht, dass das von Bedeutung ist."
9.47 Uhr: Ex-Agent traf sich mit Frau Block zum "netten Abendessen"
Anschließend fragt Bott, ob dieser Mentor auch Kontakt zu Frau Block gehabt habe.
Der Zeuge bejaht dies. Man habe sich zu einem "netten Abendessen" getroffen. Der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter sei von der Familie Block beeindruckt gewesen. Der Kontakt zu Frau Block sei über ihn den Zeugen selbst zustande gekommen, so David B.
9.41 Uhr: David B. - "Ich habe niemals Menschen manipuliert"
Bott fragt: "Waren Sie beim Geheimdienst, und haben Sie dort Techniken der Manipulation erlernt?"
Die Frage bezieht sich auf ein Buch des Mentors des Zeugen aus dessen Zeit beim israelischen Geheimdienst. Ingo Bott hatte dieses Buch zuvor bereits der Zeugin Keren T. vorgehalten. Darin beschreibt der Mentor seine Erfahrungen und Methoden im Geheimdienst.
Der Zeuge reagiert zunächst ungläubig: "Ich?" Anschließend bestätigt David B. jedoch seine frühere Tätigkeit beim israelischen Geheimdienst. Zu weiteren Einzelheiten äußert er sich nicht. Diese offenzulegen würde, so der Zeuge, "gegen die Gesetze meines Landes verstoßen".
Zugleich weist er den Vorwurf zurück, dabei Manipulationstechniken erlernt oder angewendet zu haben: "Was mein Mentor beim Geheimdienst gemacht hat, hat nichts damit zu tun, was ich gemacht habe. Ich habe niemals Menschen manipuliert. Ich habe andere Dinge gemacht."
9.38 Uhr: 57. Verhandlungstag beginnt
Der Prozess beginnt mit der weiteren Befragung David Bs. (68). Nach kurzen technischen Problemen stellt Block-Anwalt Ingo Bott (43) doch noch mehrere "einzelne Rückfragen".
9.15 Uhr: Fast leerer Zuschauerraum
Rund 15 Minuten vor Prozessbeginn sind die meisten Plätze im Zuschauerraum von Saal 237 noch leer.
9 Uhr: So geht es am Mittwoch weiter
Eigentlich hätte die Zeugenbefragung von David B. am Montag abgeschlossen werden können. Nach der Befragung durch Anwältin Gül Pinar wären noch die Verteidiger von Blocks Cousine sowie ihrem Ehemann an der Reihe gewesen. Beide teilten jedoch kurz vor Sitzungsende mit, keine Fragen zu haben.
Daraufhin fragte die Vorsitzende Richterin, ob es von anderer Seite noch Fragen gebe. "Ja, ich habe noch eine", so Ingo Bott. Der mutmaßliche Chef-Entführer muss daher am heutigen Mittwoch noch einmal in den Zeugenstand treten - für eine weitere Frage.
Danach sind nach Angaben des Gerichts keine weiteren Zeugen geladen. Im Anschluss werden Stellungnahmen der Verteidiger zur Aussage von David B. erwartet.
8.50 Uhr: Recap von Montag
Der 56. Verhandlungstag begann mit der Mitteilung von Ingo Bott (43), dass seine Mandantin Christina Block (53) derzeit "sehr angeschlagen" sei. Hintergrund sei ein sehr "emotionales Wochenende" gewesen: Ihre Tochter Klara soll in Hamburg gewesen sein und dort auch Kontakt zu ihrer Tante gesucht haben.
Anschließend stand die Verhandlung ganz im Zeichen der Zeugenbefragung von David B. (68). Inhaltlich blieb der Zeuge in vielen Punkten bei seiner bisherigen Linie und erklärte mehrfach, sich an Details nicht erinnern zu können. Mehrere Fragen ließ er unbeantwortet.
Einen etwas konkreteren Einblick gab David B. in seine Wahrnehmung der Fahrt im Fluchtfahrzeug, bei der sich Klara und Theo im Fußraum befanden. "Die Kinder haben geweint, standen unter Schock und waren nicht glücklich", so der Israeli. Zudem hätten sie geäußert, dass sie nicht zu ihrer Mutter wollten.
Er habe stets versucht, alles "so menschlich wie möglich" und mit "minimaler Gewalt" durchzuführen. Zudem berichtete B. erneut, dass er bereits vor den Ereignissen im Dezember 2023 habe aussteigen wollen. Sowohl der mitangeklagte Familienanwalt der Familie Block als auch die Steakhaus-Erbin hätten ihm jedoch signalisiert, dass dies nicht infrage komme.
Zugleich betonte B. erneut, sein Auftrag sei stets gewesen, die Kinder "zurückzubringen".
Titelfoto: Marcus Brandt/dpa
