Block-Prozess: Zeuge weicht Fragen zu den Kindern aus – "Ich war nicht der Kommandeur"

Hamburg - Am 61. Verhandlungstag im Kindesentführungsprozess gegen Christina Block (53) wird am Dienstag erneut der Israeli K. per Video als Zeuge vernommen. TAG24 ist vor Ort und berichtet im Liveblog.

Christina Block (53) wird vorgeworfen, die Entführung ihrer beiden jüngsten Kinder in Auftrag gegeben zu haben.  © Markus Scholz/dpa

10.46 Uhr: Es geht weiter

Ingo Bott beginnt seine Befragung mit der Klärung eines aus seiner Sicht bestehenden Widerspruchs: Bei der Polizei soll der Zeuge angegeben haben, er kenne die Akte des Verfahrens. Gestern hingegen hatte er erklärt, er kenne nur wenige Details des Falls aus den Medien.

Auf Nachfrage von Bott wiederholt der Zeuge, er kenne die Akte nicht. "Es kann durchaus sein, dass die Übersetzung dort [bei der Polizei] nicht gut war. Ich bin hier, um die Wahrheit zu sagen", betont K.

10.30 Uhr: Kurze Pause

Bevor Block-Verteidiger Ingo Bott von seinem Fragerecht Gebrauch macht, fragt die Richterin, ob jemand eine kurze Pause braucht. Der Zeuge bejaht.

10.20 Uhr: "Ich habe gedacht, ich bin hier wie bei einer Mossad-Operation"

Während der Befragung durch die Nebenklagevertreterin von Theo und Klara Hensel, weicht K. Fragen zum Zustand der Kinder aus und betont: "Ich war nicht der Kommandeur der Rettungsaktion, deshalb kann ich nicht mehr sagen."

Zuvor hatte die Anwältin deutlich gemacht, dass sie nicht nachvollziehen könne, wie der Zeuge von den Kindern so wenig mitbekommen haben wolle. "Während der Fahrt verstehe ich das ja noch. Aber als Sie im Wald angehalten, geparkt haben, müssten Sie doch wahrgenommen haben, was mit den Kindern war. Welche Gedanken sind Ihnen dabei durch den Kopf gegangen?", fragt sie.

"Ich stand unter großem Stress und konnte mich nicht konzentrieren. Ich habe gedacht, ich bin hier wie bei einer Mossad-Operation und muss machen, was der Typ [David B.] sagt". Zwar habe er keine Nachfragen gestellt, er habe aber nicht verstanden, warum er nicht einfach gemeinsam mit den Kindern über die Grenze fahren konnte.

10.12 Uhr: Was hat Frau Block den Entführern erzählt?

Die Sachverständige ist mit ihrer Befragung fertig, nun ist der Nebenklagevertreter von Stephan Hensel (52) an der Reihe. Der Ex-Mann von Christina Block und Vater der beiden Kinder ist heute nicht anwesend, als Nebenkläger muss er nicht bei allen Prozesstagen dabei sein.

Der Nebenklagevertreter bittet den Zeugen, noch einmal "ganz im Detail" zu schildern, was Christina Block bei dem Treffen im Hotel erzählt haben soll. Zunächst versteht der Zeuge die Frage offenbar nicht und berichtet stattdessen, David B. habe Block als sehr vermögend und als Mitglied einer „reichen Familie“ vorgestellt.

"Aber was hat Frau Block erzählt?", hakt der Nebenklagevertreter nach.

"Nur Israelis können meine Kinder zurückbringen", antwortet der Zeuge knapp.

"Mehr nicht?"

"Sie hat uns gedankt und alles", sagt K. weiterhin eher wortkarg.

Der Nebenklagevertreter versucht, der Erinnerung des Zeugen weiter auf die Sprünge zu helfen: "Hat sie Ihnen gesagt, wie es den Kindern in Dänemark geht?"

"Ich kann mich nicht daran erinnern. Vielleicht wurde gesagt, dass ihr Großvater krank sei und die Kinder ihn schon lange nicht mehr gesehen hätten", antwortet K.

10.05 Uhr: Wir haben sich die Block-Kinder im Fluchtauto verhalten?

Die Staatsanwaltschaft hat keine weiteren Fragen. Anschließend erhält – ausnahmsweise vor der Nebenklage – die Sachverständige das Wort, da sie den Sitzungssaal früher verlassen muss.

Sie erkundigt sich nach den genauen Abläufen im und am Fluchtfahrzeug. Wurden die Kinder mit Gewalt ins Auto gesetzt? "Ich kann mir vorstellen, dass dabei Kraft im Spiel war, gesehen habe ich das aber nicht", so der Zeuge.

Ansonsten wiederholt K. seine bisherigen Aussagen: David B. habe die Kinder angeschrien und ihnen gesagt, sie sollten ruhig bleiben, sie würden jetzt zu ihrer Mutter gebracht. Beim Aussteigen hätten die Kinder geschrien und auch geweint, sollen aber "normal" ausgestiegen sein.

9.55 Uhr: Schwierigkeiten bei dem Begriff "Sturmhaube"

Die Staatsanwaltschaft hakt mehrfach zur Maskierung nach, sowohl in Bezug auf das mutmaßliche Treffen mit Christian Block im Grand Elysée Hotel kurz vor der Silvesternacht 2023/24 als auch bei der eigentlichen Entführung.

Bei dem Treffen seien die Beteiligten vom mutmaßlichen Kopf des Entführerteams, David B., kurz vor dem Erscheinen der Steakhouse-Erbin aufgefordert worden, sich zu maskieren.

Es habe sich um eine Gesichtsbedeckung gehandelt, bei der nur die Augen zu sehen gewesen seien. "Wissen Sie, was eine Sturmhaube ist?", fragt der Staatsanwalt. Doch der Dolmetscher kennt den Begriff offenbar nicht, weshalb sich die Übersetzung als schwierig erweist.

Bei der eigentlichen Entführung habe K. einen Schlauchschal getragen, der ihm zur Verfügung gestellt worden sei. "Der lag in einer Tüte in meinem Zimmer", berichtet der Zeuge. Ob es dieselbe Maskierung wie beim Treffen war? "Kann sein!"

9.45 Uhr: Wurde tatsächlich nicht darüber gesprochen, wie eine Rückführung aussehen soll?

Anschließend geht es noch einmal um das erste Treffen des späteren mutmaßlichen Entführerteams in Israel, das im Elternhaus der Zeugin Keren T. stattgefunden haben soll.

"Wurde dort tatsächlich nicht darüber gesprochen, wie eine Rückführung aussehen soll?", fragt der Staatsanwalt etwas ungläubig. "In Israel nicht", antwortet der Zeuge knapp.

9.42 Uhr: Pädophilie, Gewalt und Entfremdung

Der Staatsanwalt fragt noch einmal genauer zu den Pädophilie-Vorwürfen nach, die der Zeuge am Vortag kurz angesprochen hatte. Gegen wen richteten sich diese Vorwürfe?

Der Zeuge erklärt, es seien keine Namen genannt worden. Die Aussagen hätten sich stets auf die Kinder bezogen. Immer wieder seien drei Elemente genannt worden, denen die Kinder angeblich ausgesetzt gewesen seien: "Pädophilie, Gewalt und Entfremdung. Möglicherweise wurde gesagt, dass der Vater pädophil sei", so K.

9.38 Uhr: 61. Verhandlungstag startet

Der Prozess beginnt direkt mit der Vernehmung des Zeugen. Das Fragerecht liegt zunächst bei der Staatsanwaltschaft.

9.16 Uhr: Mal wieder mehr los

Aufgrund des Besuchs einer Schulklasse ist im Zuschauerraum des Saals 237 heute mal wieder mehr los. Der Zeuge K. und sein Anwalt sind bereits zugeschaltet, beide nehmen per Skype an der Verhandlung teil.

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