"Mit Tränen in den Augen": Christina Block soll Entführern "viel Erfolg" gewünscht haben

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Hamburg - Am inzwischen 60. (!) Verhandlungstag im Kindesentführungsprozess gegen Christina Block (53) wurde der Israeli K. per Video als Zeuge vernommen. TAG24 war vor Ort und berichtete im Liveblog.

Christina Block (53) mit ihrem Anwalt Ingo Bott (43). Der Steakhouse-Erbin wird vorgeworfen, die Entführung ihrer beiden jüngsten Kinder in Auftrag gegeben zu haben.
Christina Block (53) mit ihrem Anwalt Ingo Bott (43). Der Steakhouse-Erbin wird vorgeworfen, die Entführung ihrer beiden jüngsten Kinder in Auftrag gegeben zu haben.  © Markus Scholz/dpa

Viel Neues brachte die Vernehmung des 42-jährigen Israelis nicht. Der Mann, der nach eigenen Angaben als Projektmanager arbeitet und in der Silvesternacht 2023/24 einer der Fahrer gewesen sein soll, wiederholte im Wesentlichen das, was schon andere Zeugen zuvor geschildert hatten.

Es sei darum gegangen, die Kinder vor ihrem "grausamen Vater" zu retten. Zunächst habe er die Mission für erfolgreich gehalten und sogar auf dem Rückweg nach Israel mit Wein auf die vermeintlich gelungene Rettung angestoßen.

Erst ein Jahr später – nach der Verhaftung von Tal S. – sei ihm klar geworden, "dass wirklich etwas schiefgelaufen" sei.

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Mehrfach betonte der 42-Jährige zudem, dass David B. der Kopf der Gruppe gewesen sei. "Er war der Chef. Ich habe ihm alles geglaubt!" Nachfragen habe er nicht gestellt, da er davon ausgegangen sei, dass David B. als Ex-Mossad-Agent wisse, was er tue.

Dennoch sei ihm manches "komisch" vorgekommen, etwa warum Teile des Teams plötzlich mit den Block-Kindern zu Fuß durch einen Wald gehen mussten. "Wenn alles mit den Behörden in Deutschland abgesprochen ist, warum auf einmal diese Geheimnistuerei?", habe er sich gefragt.

Wie bereits andere Zeugen berichtete auch K. von einem Treffen mit Christina Block kurz vor der Tat. Sie habe der Gruppe "viel Erfolg gewünscht, mit Tränen in den Augen", so K. laut Übersetzung.

15.17 Uhr: 60. Prozesstag ist zuende

Da keine weiteren Anträge gestellt werden, ist der Prozesstag für heute beendet.

Die Verhandlung wird am morgigen 30. Juni um 9.30 Uhr mit der Fortsetzung der Zeugenvernehmung des heutigen Zeugen K. fortgesetzt.

15.10 Uhr: Bott liest Bericht vor

Seit mehreren Minuten liest Ingo Bott einen längeren Bericht des Zeugen und Psychologen Stefan R. vor, den er als Beweis in das verfahren einführen will.

Dieser soll hervorheben, wie schnell sich die Kinder nach der Entführung im Januar 2024 ihrer Mutter angenähert hätten. Dies sei ein Indiz dafür, dass die Ablehnung der Kinder gegenüber der Mutter nicht von den Kindern selbst ausgegangen sei, sondern von außen beeinflusst worden sein könnte.

Die Urkunde "des Experten" verschaffe nach Auffassung des Verteidigers Erkenntnisse über die tatsächlichen Geschehnisse im Haus der Familie Block im Januar 2024.

14.51 Uhr: Auch Ingo Bott stell Antrag

Nun stellt auch Block-Verteidiger Ingo Bott einen Antrag. Der Verteidiger beantragt, dass die Sachverständige weitere Unterlagen bei ihrer Begutachtung berücksichtigt.

Dabei geht es unter anderem um Aussagen von Greta Hensel, der Tochter, die bei Christina Block in Hamburg lebt.

Dr. Marko Voß vertritt den angeklagten Familienanwalt der Blocks, Dr. Andreas C.
Dr. Marko Voß vertritt den angeklagten Familienanwalt der Blocks, Dr. Andreas C.  © Georg Wendt/dpa

14.38 Uhr: Dr. Marko Voß stellt Antrag

Nun trägt Dr. Marko Voß, Anwalt des mitangeklagten Familienanwalts der Familie Block, eine "Gegenvorstellung" vor.

Er beantragt erneut, über den bereits gestellten Antrag zu entscheiden, die Ermittlungsakten aus dem abgetrennten Verfahren gegen den früheren Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes (BND), August Hanning, und den ehemaligen LKA-Beamten Thorsten Mehles in das hiesige Verfahren einzuführen und den Verteidigern Einsicht zu gewähren.

Beide seien "materiell Mitbeschuldigte", ebenso wie die sieben Angeklagten vor dem Landgericht Hamburg. Voß argumentiert, dass sein Mandant in dem Parallelverfahren gerade nicht als Auftraggeber der mutmaßlichen Entführer auftauche.

Stattdessen würden dort der frühere BND-Chef und dessen Geschäftspartner sowie Eugen und Christina Block als Auftraggeber genannt.

Hanning und Mehles wird eine mutmaßliche Beteiligung an der versuchten Entführung der Block-Kinder im Jahr 2022 vorgeworfen. Beide sollen für die Sicherheitsfirma "System 360" tätig gewesen sein, die von Christina Block beauftragt worden sein soll, nachdem ihr Ex-Mann die Kinder nach einem Umgangswochenende im Sommer 2021 in Dänemark behalten hatte.

14.31 Uhr: Es wird fortgesetzt

Nach der Unterbrechung ist die Entscheidung gefallen: Die Verhandlung wird fortgesetzt.

Nun erhalten die Verfahrensbeteiligten Gelegenheit, zu den Beweisanträgen des Nebenklagevertreters Philip von der Meden vom vergangenen Verhandlungstag Stellung zu nehmen.

Der Anwalt von Stephan Hensel hatte die Einführung mehrerer Urkunden in das Verfahren beantragt. Dabei handelt es sich unter anderem um Übersetzungen dänischer Dokumente.

Konkret geht es um verschiedene familienrechtliche Beschlüsse, Verfügungen und Gerichtsentscheidungen im Fall Block/Hensel, unter anderem zu den Themen Zuständigkeit, Aufenthaltsbestimmungsrecht und Sorgerecht.

Philip von der Meden und sein Mandant Stephan Hensel, Ex-Mann von Christina Block und Vater ihrer vier Kinder. Beide sind heute (am 60. Verhandlungstag) nicht anwesend.
Philip von der Meden und sein Mandant Stephan Hensel, Ex-Mann von Christina Block und Vater ihrer vier Kinder. Beide sind heute (am 60. Verhandlungstag) nicht anwesend.  © Marcus Brandt/Pool dpa/dpa

14.24 Uhr: Technische Probleme

Eigentlich sollte es jetzt weitergehen, doch es gibt technische Probleme. Offenbar wurde versehentlich die Tonübertragung in den Medienraum ausgeschaltet. Diese muss gewährleistet sein, um die Öffentlichkeit der Verhandlung sicherzustellen.

14.05 Uhr: Soll der Prozesstag schon früher enden? "Halte das psychisch nicht mehr aus"

Nachdem die Videoübertragung ausgeschaltet ist, spricht die Richterin eine Forderung von Verteidiger Daum an, dem Anwalt der angeklagten Cousine von Christina Block, die Verhandlung heute schon vorzeitig um 14 Uhr zu beenden. Sie erinnert daran, dass es bei dem Prozess um eine Haftsache handle und der in Untersuchungshaft sitzende Tal S. berechtigt fragen könnte, warum schon wieder unterbrochen wird.

"Das war eine Bitte, die ich hier auch nicht weiter diskutieren will", so Daum. "Für mich war das schon eine Forderung: Sie kamen nach vorne und meinten: 'Sie hören um 14 Uhr auf!'", entgegnet die Richterin.

"Das ist das Allerletzte, dann hören Sie mir richtig zu", so Daum aufgebracht.

Uta B., die Block-Cousine, ergreift daraufhin selbst unter Tränen das Wort und sagt, sie sei zwar geschwächt, aber sie bitte dennoch, weiterzumachen: "Ich will nicht, dass es wieder meinetwegen unterbrochen wird. Das steht dann wieder in der Presse. Und ich will auch, dass das hier weiter vorangeht, damit es auch für mich irgendwann mal vorbei ist. Ich halte das gesundheitlich und psychisch nicht mehr aus."

Die Richterin gibt ihr 15 Minuten Bedenkzeit, um zu entscheiden, ob fortgesetzt werden soll oder nicht. "Sie sollen sich hier nicht quälen", so die Vorsitzende.

14 Uhr: Befragung unterbrochen

Sei mal thematisiert worden, dass die Kinder gar nicht zur Mutter wollten, fragt der Staatsanwalt weiter.

"Uns wurde gesagt, dass die Kinder massiv von der Mutter entfremdet worden seien und dass die Kinder nicht das Haus verlassen dürfen und quasi in einem Gefängnis leben", so der Zeuge.

Danach wird die Befragung unterbrochen, weil der Anwalt des Zeugen einen weiteren Termin hat. Sie wird morgen, um 9.30 Uhr, fortgeführt.

13.50 Uhr: Zeuge über die Alarmknöpfe der Kinder: "Man soll es wegschmeißen"

Jetzt liegt das Fragerecht bei der Staatsanwaltschaft: "Hat man mal darüber geredet, wie man den Notrufknöpfen der Kinder zu verfahren sei?"

Es sei bekannt gewesen, so der Zeuge, dass die Kinder solche Notrufknöpfe trugen, auch warum: "Es hatte schon einmal einen Versuch gegeben, die Kinder zu holen, und seitdem hatten die Kinder diese Knöpfe", so der Zeuge.

"Man soll es wegschmeißen", das habe David B. gesagt. Konkrete Aufforderungen, danach zu suchen, habe es seiner Erinnerung nach nicht gegeben. Der Zeuge hatte zuvor bereits ausgesagt, Klaras Handy während der Fahrt zum Wald aus dem Fenster geworfen zu haben.

13.43 Uhr: Wer war der Auftraggeber von David B.?

Die Vorsitzende Richterin hat keine Fragen mehr. Der beisitzende Richter der Kammer fragt, ob K. bekannt sei, wer der Auftraggeber seines Chefs David B. gewesen sei.

"Nein", so der Zeuge.

Titelfoto: Markus Scholz/dpa

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