"Mit Tränen in den Augen": Christina Block soll Entführern "viel Erfolg" gewünscht haben
Hamburg - Am inzwischen 60. (!) Verhandlungstag im Kindesentführungsprozess gegen Christina Block (53) wurde der Israeli K. per Video als Zeuge vernommen. TAG24 war vor Ort und berichtete im Liveblog.
Viel Neues brachte die Vernehmung des 42-jährigen Israelis nicht. Der Mann, der nach eigenen Angaben als Projektmanager arbeitet und in der Silvesternacht 2023/24 einer der Fahrer gewesen sein soll, wiederholte im Wesentlichen das, was schon andere Zeugen zuvor geschildert hatten.
Es sei darum gegangen, die Kinder vor ihrem "grausamen Vater" zu retten. Zunächst habe er die Mission für erfolgreich gehalten und sogar auf dem Rückweg nach Israel mit Wein auf die vermeintlich gelungene Rettung angestoßen.
Erst ein Jahr später – nach der Verhaftung von Tal S. – sei ihm klar geworden, "dass wirklich etwas schiefgelaufen" sei.
Mehrfach betonte der 42-Jährige zudem, dass David B. der Kopf der Gruppe gewesen sei. "Er war der Chef. Ich habe ihm alles geglaubt!" Nachfragen habe er nicht gestellt, da er davon ausgegangen sei, dass David B. als Ex-Mossad-Agent wisse, was er tue.
Dennoch sei ihm manches "komisch" vorgekommen, etwa warum Teile des Teams plötzlich mit den Block-Kindern zu Fuß durch einen Wald gehen mussten. "Wenn alles mit den Behörden in Deutschland abgesprochen ist, warum auf einmal diese Geheimnistuerei?", habe er sich gefragt.
Wie bereits andere Zeugen berichtete auch K. von einem Treffen mit Christina Block kurz vor der Tat. Sie habe der Gruppe "viel Erfolg gewünscht, mit Tränen in den Augen", so K. laut Übersetzung.
15.17 Uhr: 60. Prozesstag ist zuende
Da keine weiteren Anträge gestellt werden, ist der Prozesstag für heute beendet.
Die Verhandlung wird am morgigen 30. Juni um 9.30 Uhr mit der Fortsetzung der Zeugenvernehmung des heutigen Zeugen K. fortgesetzt.
15.10 Uhr: Bott liest Bericht vor
Seit mehreren Minuten liest Ingo Bott einen längeren Bericht des Zeugen und Psychologen Stefan R. vor, den er als Beweis in das verfahren einführen will.
Dieser soll hervorheben, wie schnell sich die Kinder nach der Entführung im Januar 2024 ihrer Mutter angenähert hätten. Dies sei ein Indiz dafür, dass die Ablehnung der Kinder gegenüber der Mutter nicht von den Kindern selbst ausgegangen sei, sondern von außen beeinflusst worden sein könnte.
Die Urkunde "des Experten" verschaffe nach Auffassung des Verteidigers Erkenntnisse über die tatsächlichen Geschehnisse im Haus der Familie Block im Januar 2024.
14.51 Uhr: Auch Ingo Bott stell Antrag
Nun stellt auch Block-Verteidiger Ingo Bott einen Antrag. Der Verteidiger beantragt, dass die Sachverständige weitere Unterlagen bei ihrer Begutachtung berücksichtigt.
Dabei geht es unter anderem um Aussagen von Greta Hensel, der Tochter, die bei Christina Block in Hamburg lebt.
14.38 Uhr: Dr. Marko Voß stellt Antrag
Nun trägt Dr. Marko Voß, Anwalt des mitangeklagten Familienanwalts der Familie Block, eine "Gegenvorstellung" vor.
Er beantragt erneut, über den bereits gestellten Antrag zu entscheiden, die Ermittlungsakten aus dem abgetrennten Verfahren gegen den früheren Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes (BND), August Hanning, und den ehemaligen LKA-Beamten Thorsten Mehles in das hiesige Verfahren einzuführen und den Verteidigern Einsicht zu gewähren.
Beide seien "materiell Mitbeschuldigte", ebenso wie die sieben Angeklagten vor dem Landgericht Hamburg. Voß argumentiert, dass sein Mandant in dem Parallelverfahren gerade nicht als Auftraggeber der mutmaßlichen Entführer auftauche.
Stattdessen würden dort der frühere BND-Chef und dessen Geschäftspartner sowie Eugen und Christina Block als Auftraggeber genannt.
Hanning und Mehles wird eine mutmaßliche Beteiligung an der versuchten Entführung der Block-Kinder im Jahr 2022 vorgeworfen. Beide sollen für die Sicherheitsfirma "System 360" tätig gewesen sein, die von Christina Block beauftragt worden sein soll, nachdem ihr Ex-Mann die Kinder nach einem Umgangswochenende im Sommer 2021 in Dänemark behalten hatte.
14.31 Uhr: Es wird fortgesetzt
Nach der Unterbrechung ist die Entscheidung gefallen: Die Verhandlung wird fortgesetzt.
Nun erhalten die Verfahrensbeteiligten Gelegenheit, zu den Beweisanträgen des Nebenklagevertreters Philip von der Meden vom vergangenen Verhandlungstag Stellung zu nehmen.
Der Anwalt von Stephan Hensel hatte die Einführung mehrerer Urkunden in das Verfahren beantragt. Dabei handelt es sich unter anderem um Übersetzungen dänischer Dokumente.
Konkret geht es um verschiedene familienrechtliche Beschlüsse, Verfügungen und Gerichtsentscheidungen im Fall Block/Hensel, unter anderem zu den Themen Zuständigkeit, Aufenthaltsbestimmungsrecht und Sorgerecht.
14.24 Uhr: Technische Probleme
Eigentlich sollte es jetzt weitergehen, doch es gibt technische Probleme. Offenbar wurde versehentlich die Tonübertragung in den Medienraum ausgeschaltet. Diese muss gewährleistet sein, um die Öffentlichkeit der Verhandlung sicherzustellen.
14.05 Uhr: Soll der Prozesstag schon früher enden? "Halte das psychisch nicht mehr aus"
Nachdem die Videoübertragung ausgeschaltet ist, spricht die Richterin eine Forderung von Verteidiger Daum an, dem Anwalt der angeklagten Cousine von Christina Block, die Verhandlung heute schon vorzeitig um 14 Uhr zu beenden. Sie erinnert daran, dass es bei dem Prozess um eine Haftsache handle und der in Untersuchungshaft sitzende Tal S. berechtigt fragen könnte, warum schon wieder unterbrochen wird.
"Das war eine Bitte, die ich hier auch nicht weiter diskutieren will", so Daum. "Für mich war das schon eine Forderung: Sie kamen nach vorne und meinten: 'Sie hören um 14 Uhr auf!'", entgegnet die Richterin.
"Das ist das Allerletzte, dann hören Sie mir richtig zu", so Daum aufgebracht.
Uta B., die Block-Cousine, ergreift daraufhin selbst unter Tränen das Wort und sagt, sie sei zwar geschwächt, aber sie bitte dennoch, weiterzumachen: "Ich will nicht, dass es wieder meinetwegen unterbrochen wird. Das steht dann wieder in der Presse. Und ich will auch, dass das hier weiter vorangeht, damit es auch für mich irgendwann mal vorbei ist. Ich halte das gesundheitlich und psychisch nicht mehr aus."
Die Richterin gibt ihr 15 Minuten Bedenkzeit, um zu entscheiden, ob fortgesetzt werden soll oder nicht. "Sie sollen sich hier nicht quälen", so die Vorsitzende.
14 Uhr: Befragung unterbrochen
Sei mal thematisiert worden, dass die Kinder gar nicht zur Mutter wollten, fragt der Staatsanwalt weiter.
"Uns wurde gesagt, dass die Kinder massiv von der Mutter entfremdet worden seien und dass die Kinder nicht das Haus verlassen dürfen und quasi in einem Gefängnis leben", so der Zeuge.
Danach wird die Befragung unterbrochen, weil der Anwalt des Zeugen einen weiteren Termin hat. Sie wird morgen, um 9.30 Uhr, fortgeführt.
13.50 Uhr: Zeuge über die Alarmknöpfe der Kinder: "Man soll es wegschmeißen"
Jetzt liegt das Fragerecht bei der Staatsanwaltschaft: "Hat man mal darüber geredet, wie man den Notrufknöpfen der Kinder zu verfahren sei?"
Es sei bekannt gewesen, so der Zeuge, dass die Kinder solche Notrufknöpfe trugen, auch warum: "Es hatte schon einmal einen Versuch gegeben, die Kinder zu holen, und seitdem hatten die Kinder diese Knöpfe", so der Zeuge.
"Man soll es wegschmeißen", das habe David B. gesagt. Konkrete Aufforderungen, danach zu suchen, habe es seiner Erinnerung nach nicht gegeben. Der Zeuge hatte zuvor bereits ausgesagt, Klaras Handy während der Fahrt zum Wald aus dem Fenster geworfen zu haben.
13.43 Uhr: Wer war der Auftraggeber von David B.?
Die Vorsitzende Richterin hat keine Fragen mehr. Der beisitzende Richter der Kammer fragt, ob K. bekannt sei, wer der Auftraggeber seines Chefs David B. gewesen sei.
"Nein", so der Zeuge.
13.40 Uhr: Wie kam es zu der Aussage des Zeugen in Deutschland?
"Wie ist es zu Ihrer Aussage in Deutschland gekommen?", will die Richterin jetzt wissen.
"Meine Rechtsanwälte haben das organisiert. Wir hatten von der ersten Minute an gesagt, dass wir nichts zu verbergen haben", so K.
"Hatten Sie Kenntnis von den Akten in diesem Verfahren?", will die Vorsitzende weiter wissen. "Nein, ab und zu kam etwas bei uns in den Medien, aber ich habe es nicht verfolgt."
"Hat man Ihnen bei ihrere polizeilichen Aussagen eine Gegenleistung versprochen?", hakt die Richterin nach.
"Auf gar keinen Fall. Wir wollten teilen, was wir wissen, und Hilfe leisten", so der Zeuge.
13.25 Uhr: "Nächstes Silvester feiern wir hier auf Kosten von Christina!"
Auf dem Hof in Süddeutschland habe K. die Block-Kinder nicht gesehen, aber Christina Block und ihre Tochter Greta.
"Was genau hat Frau Block auf dem Hof in Süddeutschland gesagt?", will die Richterin wissen. Der Zeuge hatte zuvor ausgesagt, auch dort habe sie sich noch einmal bei dem Team bedankt.
"Sie hat so ungefähr gesagt, dass sie die Kinder lange nicht mehr gesehen habe und jetzt sehr froh sei, die Kinder wiederzusehen, und dass es eine gewisse Krise gebe. Es müsse viel Reparaturarbeit geleistet werden, um die Beziehung wiederherzustellen", so der Zeuge. Zudem soll sie gesagt haben: Wenn jemand etwas brauche, solle er Bescheid sagen.
"Wie haben Sie das so verstanden?", fragt die Richterin.
"Sie hat mir gegenüber gesessen, neben ihr David, der ihr quasi die Worte in den Mund gelegt habe – so in der Art nächstes Silvester feiern wir hier, auf Kosten von Christina. Ich habe es so verstanden, dass es um Geld ging", so K.
13.10 Uhr: Es geht weiter
Nach der Mittagspause fragt die Richterin: Wer nach der Trennung des Teams, nachdem Teile sich mit den Kindern zu Fuß durch den Wald auf den Weg gemacht hätten, zurück ins Hotel nach Hamburg gefahren sei und wie?
"Ich mit einem Auto, Said mit einem anderen Auto und die beiden Saudis auch", so der Zeuge. Alle anderen hätten sich auf den Weg durch den Wald gemacht, beziehungsweise im Fall von Keren T. und David B. zunächst im Wohnmobil an der Grenze gewartet.
Bei den "Saudis" handelt es sich entgegen der Bezeichnung um zwei Israelis, die IT-Experten von David B. gewesen sein sollen.
12.18 Uhr: Mittagspause
Es folgt aufgrund der wenigen Zeit des Zeugen eine verkürzte Mittagspause bis 13.05 Uhr.
12.10 Uhr: Warum die Geheimnistuerei?
"Sei vorher geplant gewesen, dass sie zu seinem Wald fahren?"
"Nein, deswegen kam mir das ja auch komisch vor: Wenn alles mit den Behörden in Deutschland abgesprochen ist, warum auf einmal diese Geheimnistuerei?", fragt der Zeuge mehr in den Raum.
Überhaupt sei – nach seiner Einschätzung – auch die Sache mit dem Wohnmobil und dass die Kinder damit nach Süddeutschland gebracht werden sollten, nicht geplant gewesen. Das sei erst im Eifer des Gefechts entschieden worden.
Er und das Team seien von einer "grauen Zone" ausgegangen. Die Behörden in Deutschland seien dafür gewesen, "aber als wir die Polizeisirenen gehört haben, haben wir uns gedacht: Was passiert hier?"
Die Richterin hakt nach: "Was genau meinen Sie mit 'grauer Zone'?"
"Wir haben verstanden, dass es eine gerichtliche Entscheidung bezüglich der Kinder gab, diese aber nicht für Dänemark gilt. Es wurde uns auch gesagt, Frau Block habe viele Rechtsanwälte, die diese Aktion bejahen", so der Zeuge.
12 Uhr: Block-Kinder sollen geweint haben
Ob er sich noch an die Stimmung im Fluchtauto unmittelbar nach der Entführung erinnere?, will die Richterin wissen. In sein Auto sollen der mutmaßliche Chef-Entführer David B. und die Kinder eingestiegen sein.
"Ich war sehr aufs Fahren konzentriert, aber wenn ich mich richtig erinnere, gab es ein großes Schweigen. Die Kinder haben geweint, David B. schrie, sie sollen ruhig sein und, dass wir jetzt alle zu der Mutter fahren", so der Zeuge.
Er könne jedoch nicht mehr unterscheiden, ob er sich tatsächlich erinnere oder ob er es aus einer Aufzeichnung wisse. "Ich war vorne, sie waren hinten", so K.
11.46 Uhr: Zeuge spricht von einem Kindermädchen
"Wir sind keine operativen Menschen, keine Mossad-Menschen. David war der Chef, und wir dachten, er wisse, was er tut", ist es dem Zeugen wichtig zu betonen. Bei dem Treffen am 30. Dezember soll Christina Block auch gesagt haben: "Nur Israelis können das, sie sind die Besten."
Ging das Treffen, nachdem Block diese nach "einigen Minuten" wieder verlassen hatte, noch weiter?, will die Richterin wissen.
"Nein, wenn ich mich jetzt richtig erinnere, sind wir danach direkt nach Dänemark", so K.
Nachdem die Nachricht mit dem Feuerwerk „entweder von der Schwester der Tochter von Christina Block oder einem Kindermädchen, das dort im Haus von Stephan Hensel gearbeitet hat“, geschickt worden sei, so der Zeuge überraschend.
Nach der Aussage von Christina Block habe Keren T. sie gefragt, wie ihre Kinder sonst Silvester bei ihrem Vater gefeiert hätten. Daraufhin habe sie ihre Tochter Greta gefragt – das einzige Kind, das nicht bei ihr in Hamburg lebt – und diese habe ihr dazu etwas gesagt, das sie anschließend an Keren T. weitergeleitet habe. Mit einer möglichen Entführung habe sie diese Konversation jedoch keineswegs in Verbindung gebracht.
11.40 Uhr: David B. soll zur Maskierung aufgerufen haben
Es geht jetzt noch einmal um das mutmaßliche Treffen mit Christina Block am 30. Dezember 2023. "Wurde Frau Block Ihnen da angekündigt?", fragt die Richterin.
"Ja, von David B.", so der Zeuge. "Er wollte uns vorstellen und stellte sie als Inhaberin des Hotels und zuständig für unseren Aufenthalt sowie als Mutter der Kinder vor." Davor soll er ihnen gesagt haben, sie sollten sich markieren.
"Warum?", hakt die Richterin nach.
"Dafür habe ich keine Begründung", so K. Kleidung für die Maskierung sei bereits bereitgelegt worden.
11.37 Uhr: Mutmaßliche Täter überprüften Fahrzeiten zur Grenze
Vor dem Tag in der Silvesternacht sei die "ganze Gruppe" nur einmal in Dänemark gewesen. Ziel der ersten Reise nach Dänemark sei gewesen, die Zeit zwischen dem Haus von Stephan Hensel und der deutschen Grenze zu messen und die "Umgebung kennenzulernen".
War zu diesem Zeitpunkt schon klar, wann sie die Operation ausführen wollten? "Nein."
Das sei erst direkt am 31. Dezember 2023 passiert. An diesem Tag sei die Information "von einer Person aus dem Haus des Vaters" gekommen, dass die Familie Hensel das Feuerwerk ansehen werde.
11.25 Uhr: Fotos der Kinder wurden gezeigt
"Was wurde bei dem ersten Treffen genau gezeigt?", fragt die Vorsitzende weiter. Fotos der Kinder und auch Karten bei Google Maps vom Haus von Stephan Hensel in Dänemark, so der Zeuge.
Die Vorsitzende hakt nochmal nach, ob nicht doch jeder seine Funktion im Team gehabt habe, wie es beispielsweise David B. ausgesagt hatte.
"Mir wurde nicht gesagt, dass ich der Fahrer sein soll", so der Zeuge. Das sei ihm erst in Dänemark gesagt worden.
11.19 Uhr: "Alles kommt auf Kosten von Christina"
Die Richterin hakt noch einmal bei der Formulierung nach, Keren T. habe man ihnen die Zimmer "gegeben"? "Haben Sie kein Check-in gemacht?"
"Nein."
"Warum nicht?"
"Darauf habe ich keine Antwort, nur dass sich Keren um alles gekümmert hat", so der Zeuge.
"Haben Sie etwas für die Übernachtung im Hotel [Grand Elysée Hamburg] bezahlt?", fragt die Richterin weiter.
"Nein."
"Wer hat dafür bezahlt?"
"Alles kommt auf Kosten von Christina", so der Zeuge. "David B. meinte, wir seien die Ehrengäste des Hotels und das Hotel gehörte Christina", erklärt K.
11.13 Uhr: Es geht weiter
Nach der Pause fragt die Richterin nach der Dauer des Aufenthalts. Nach Angaben des Zeugen war die Zeit in Deutschland auf vier bis zwei Wochen festgelegt. Warum so eine breite Spanne?, will die Vorsitzende wissen.
"Man hat uns nicht alles gesagt. Ich habe keine Nachfragen gestellt", so der Zeuge.
"Sollten Sie keine Nachfragen stellen oder hielten Sie es nicht für notwendig?", fragt die Richterin.
"Wir haben keine gestellt. Ich verstehe die Frage nicht ganz", so K. erneut.
10.57 Uhr: Zeuge bittet um eine Toiletten-Pause
K. bittet um eine kurze Unterbrechung, um auf die Toilette gehen zu können. Es folgt eine zehnminütige Pause.
10.45 Uhr: Warum gab es so eine Eile?
Die Vorsitzende Richterin hakt nach, warum von David B. eine solche Eile ausgegangen sei. "Uns wurde gesagt, dass die Kinder wirklich leiden", so der Zeuge knapp.
10.40 Uhr: "Minimum 10.000 Euro" sollte jeder der Entführer bekommen
Wurde ihm eine Entlohnung angeboten? "Ja, natürlich. Jeder von uns sollte 10.000 Euro bekommen, im Erfolgsfall auch mehr", so der Zeuge.
Auf die Frage, ob jemand die Bezahlung abgelehnt habe – Tal S. hatte etwa ausgesagt, er sei nicht bezahlt worden und habe auch kein Geld annehmen wollen –, entgegnet K.: "Nein, wir sollten alle mindestens 10.000 Euro bekommen."
Am Ende habe er jedoch nur 6.000 Euro von Keren T. erhalten. "Vor dem Hintergrund, dass die Kinder doch wieder zurück nach Dänemark gebracht werden sollten, wurde uns gesagt, das Geld stecke irgendwo, und wir müssten noch warten", so der Zeuge. Das habe ihm David B. mitgeteilt.
10.32 Uhr: Mutmaßlicher Entführer - "Wir waren eigentlich alle nicht geeignet!"
Der Zeuge ist mit seinen Schilderungen zu Ende. Die Vorsitzende Richterin fragt, warum er überhaupt im Auftrag von David B. in Israel eine Gruppe zusammenstellen sollte und dieser das nicht selbst übernommen habe. "Darauf habe ich keine Antwort", so der Zeuge.
Und warum ausgerechnet er? "Das passiert alles um den 7. Oktober 2023 herum, und Davids Leute waren deswegen schon alle rekrutiert", so der Zeuge mit Verweis auf den Hamas-Angriff auf Israel 2023. "Wir waren eigentlich alle nicht geeignet!"
Nach welchen Kriterien er die Gruppe zusammengestellt habe, fragt die Richterin. Der Zeuge verweist auf eine fünfjährige Bekanntschaft und darauf, dass er den Personen vertraut habe.
Das habe jedoch nicht auf Jonathan C. zugetroffen. Dessen Nummer habe er von einem Bekannten erhalten, der gesagt habe, dieser kenne sich in Deutschland gut aus.
"Ging es auch darum, dass die Menschen besondere Fähigkeiten mitbringen sollten?", fragt die Richterin. – "Nein", so K.
10.15 Uhr: "Das kam mir schon komisch vor – warum sollten die Kinder durch einen Wald gehen?"
Der Zeuge bestätigt, dass er eines der Fluchtautos in der Silvesternacht gefahren hat. Zunächst habe er allein im Auto gewartet, bis Keren T. plötzlich gegen das Fahrzeug geschlagen und damit das Zeichen gegeben habe, das Auto "mit dem Gesicht in Richtung Ausgang" zu drehen. Irgendwann sei dann David B. mit den Kindern in sein Auto gestiegen, und sie seien in Richtung eines Waldes gefahren.
"Das kam mir schon komisch vor – warum sollten die Kinder durch einen Wald gehen?", so der Zeuge. Wenige Minuten später habe er bereits Polizeisirenen gehört. David B. habe jedoch gesagt, alles sei in Ordnung, und er sowie Said B., der andere Fahrer, sollten zurück nach Hamburg fahren.
Dort seien sie am nächsten Tag von einem der "Saudis" darüber informiert worden, dass die Kinder in Sicherheit seien und sie nach Stuttgart fahren sollten.
Auf dem Hof in Süddeutschland sei dann kurz nach ihnen auch Christina Block angekommen und habe sich noch bei ihnen bedankt. Später sei man gemeinsam mit "einem deutschen Kerl"zum Flughafen aufgebrochen und zurück nach Israel geflogen. Zuvor habe man noch mit einer Flasche Wein auf die "erfolgreiche Rettung der Kinder" angestoßen.
Erst rund ein Jahr später, nach der Verhaftung von Tal S. im November 2024, habe man gewusst, dass etwas "wirklich schiefgelaufen" sei. "Wir wollten die Details wissen, aber man hat uns gesagt, wir dürften nicht darüber reden", so der Zeuge.
10.05 Uhr: Christina Block soll den Entführern unter Tränen gedankt haben
Daraufhin seien noch drei weitere Treffen gefolgt. Bei einem davon am 30. Dezember 2023 habe David B. ihnen Christina Block vorgestellt. "Sie wirkte sehr bewegt, auch sehr traurig, und hat uns ihre Geschichte aus ihrer Perspektive geschildert", so K.
"Sie hat uns 'Viel Erfolg' mit Tränen in den Augen gewünscht", so der Zeuge weiter. Zudem habe die Unternehmerin ihnen bei dem Treffen und ihnen Kleidung übergeben. "Vielleicht um die Erinnerung an die Mutter wieder so wecken", so der Israeli.
Kurz darauf sei die Nachricht "vom Haus" gekommen, dass die jüngsten Block-Kinder mit ihrem Vater Stephan Hensel das Feuerwerk im Hafen von Gråsten anschauen würden. "Mit dem ganzen Lärm schien das perfekt", so der Zeuge.
9.56 Uhr: Zeuge berichtet vom ersten Treffen
K. beginnt mit der Schilderung eines Ablaufs, der inzwischen von vielen bereits so beschrieben wurde. Auf die Bitte von David B. habe der Zeuge ein Team zusammengestellt, um der Familie Block zu helfen. In dem Zusammenhang soll B. ihm auch von einem "grausamen Vater" berichtet und ihm ein "Dokument" gezeigt haben, dass "alles mit rechten Dinge" zugehe.
Wenige Tage vor der Silvesternacht 2023/24 seien sie dann nach München geflogen – andere, darunter der Angeklagte Tal S., hatten ausgesagt, sie seien nach Frankfurt geflogen – und von dort mit dem Zug nach Hamburg weitergereist.
Dort seien sie von Keren T. in Empfang genommen worden, die ihnen dann auch Zimmer "gegeben" habe. Er habe sich eines mit dem Zeugen Said B. geteilt.
Noch am selben Abend habe ein Treffen stattgefunden, bei dem der mutmaßliche Chef-Entführer David B. die "Pläne" vorgestellt und Fotos gezeigt habe. Außerdem habe er gesagt, man müsse zuvor noch nach Dänemark fahren, um sich vor Ort ein Bild zu machen.
9.42 Uhr: Verteidiger will Identität des Zeugen bestätigt wissen
Der Zeuge gibt an, 42 Jahre alt zu sein, in Jerusalem zu wohnen und im Projektmanagement tätig zu sein.
Der Anwalt des angeklagten Familienanwalts der Blocks, Dr. Marko Voß, erkundigt sich, ob überprüft worden sei, dass es sich bei dem zugeschalteten Mann tatsächlich um Herrn K. handele und wo genau dieser sich befinde. Daraufhin hält der Zeuge seinen Personalausweis in die Kamera. Anschließend schwenkt sein Anwalt die Kamera – allerdings eher schlecht als recht – durch sein Büro, wo augenscheinlich niemand anders anwesend ist.
"Sind Sie damit zufrieden, Herr Voß?", fragt die Vorsitzende Richterin.
"Ich denke, wir haben alle ein Interesse daran. Aber ja – ob sich da jetzt jemand geduckt hat, wissen wir ohnehin nicht", entgegnet Voß.
9.36 Uhr: 60. Verhandlungstag beginnt
Der Prozess beginnt. Nun ist auf dem an die Wand projizierten Skype-Bild auch der Zeuge zu sehen.
Zunächst wird geklärt, wie lange der Zeuge heute zur Verfügung steht. Nach eigenen Angaben hat er nur bis 14 Uhr deutscher Zeit Zeit. Der Dolmetscher, der sonst für den in U-Haft sitzenden Tal S. zwischen Hebräisch und Deutsch dolmetscht, übernimmt heute die Übersetzung der Zeugenaussage.
9.21 Uhr: Videoübertragung läuft schon
Wie zuletzt so oft ist der Zuschauersaal nur wenig gefüllt. Noch sind nicht einmal alle Angeklagten anwesend, doch im Saal 237 ist bereits alles für die Videozeugenvernehmung vorbereitet.
Die Übertragung läuft schon, auf dem Bildschirm wartet schon der Anwalt des Zeugen auf den Prozessbeginn.
9 Uhr: So geht es am Montag weiter
Wie das Gericht am Freitag mitteilte, ist für Montag die Aussage des Israelis K. geplant.
Der mutmaßlich ebenfalls an der Entführung beteiligte Zeuge soll per Bild- und Tonübertragung aus den Kanzleiräumen seines Rechtsanwalts in Israel in den Sitzungssaal 237 zugeschaltet werden. K. soll in der Silvesternacht 2023/24 einer der beiden Fahrer der Fluchtautos gewesen sein.
Der weitere Zeuge, der 35-jährige Said B., hatte bereits im April ausgesagt und eingeräumt, eines der Fluchtfahrzeuge gefahren zu haben.
Diese Form der Vernehmung hatte die Kammer vor dem Hintergrund des Nahost-Konflikts angeboten.
Update, 8.50 Uhr: Recap von Donnerstag
Der 59. Verhandlungstag war geprägt von Diskussionen, Wortgefechten und längeren Unterbrechungen. Als Zeugin war erneut Hauptermittlungsführerin Merle B. (44) geladen. Die Beamtin musste allerdings fast anderthalb Stunden warten, bis sie überhaupt aufgerufen wurde.
Der Grund: Die Verteidigung versuchte im Verlauf des Tages immer wieder, die begrenzte Aussagegenehmigung der 44-Jährigen durch Anträge erweitern zu lassen.
Die Kammer um die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt zog sich mehrfach für längere Zeit zurück, um über die Anträge zu beraten - lehnte diese jedoch allesamt ab.
Das sorgte bei der Verteidigung für Frust. Anwältin Gül Pinar wurde nach einem emotionalen Einwand von der Richterin zurechtgewiesen: "Es gibt keinen Grund, derart aufbrausend und aggressiv zu werden", mahnte Hildebrandt.
Einige Fragen durfte die Ermittlerin immerhin beantworten - wirklich viel Neues kam dabei allerdings nicht herum. Da die Verteidigung auch am vierten Tag ihre Befragung nicht abschloss, muss B. im August erneut mehrere Tage als Zeugin erscheinen.
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