Block-Prozess: Weiterer mutmaßlicher Entführer wird per Video aus Israel zugeschaltet
Hamburg - Am inzwischen 60. (!) Verhandlungstag im Kindesentführungsprozess gegen Christina Block (53) soll der Israeli K. per Video als Zeuge vernommen werden. TAG24 ist vor Ort und berichtet im Liveblog.
9.42 Uhr: Verteidiger will Identität des Zeugen bestätigt wissen
Der Zeuge gibt an, 42 Jahre alt zu sein, in Jerusalem zu wohnen und im Projektmanagement tätig zu sein.
Der Anwalt des angeklagten Familienanwalts der Blocks, Dr. Marko Voß, erkundigt sich, ob überprüft worden sei, dass es sich bei dem zugeschalteten Mann tatsächlich um Herrn K. handele und wo genau dieser sich befinde. Daraufhin hält der Zeuge seinen Personalausweis in die Kamera. Anschließend schwenkt sein Anwalt die Kamera – allerdings eher schlecht als recht – durch sein Büro, wo augenscheinlich niemand anders anwesend ist.
"Sind Sie damit zufrieden, Herr Voß?", fragt die Vorsitzende Richterin.
"Ich denke, wir haben alle ein Interesse daran. Aber ja – ob sich da jetzt jemand geduckt hat, wissen wir ohnehin nicht", entgegnet Voß.
9.36 Uhr: 60. Verhandlungstag beginnt
Der Prozess beginnt. Nun ist auf dem an die Wand projizierten Skype-Bild auch der Zeuge zu sehen.
Zunächst wird geklärt, wie lange der Zeuge heute zur Verfügung steht. Nach eigenen Angaben hat er nur bis 14 Uhr deutscher Zeit Zeit. Der Dolmetscher, der sonst für den in U-Haft sitzenden Tal S. zwischen Hebräisch und Deutsch dolmetscht, übernimmt heute die Übersetzung der Zeugenaussage.
9.21 Uhr: Videoübertragung läuft schon
Wie zuletzt so oft ist der Zuschauersaal nur wenig gefüllt. Noch sind nicht einmal alle Angeklagten anwesend, doch im Saal 237 ist bereits alles für die Videozeugenvernehmung vorbereitet.
Die Übertragung läuft schon, auf dem Bildschirm wartet schon der Anwalt des Zeugen auf den Prozessbeginn.
9 Uhr: So geht es am Montag weiter
Wie das Gericht am Freitag mitteilte, ist für Montag die Aussage des Israelis K. geplant.
Der mutmaßlich ebenfalls an der Entführung beteiligte Zeuge soll per Bild- und Tonübertragung aus den Kanzleiräumen seines Rechtsanwalts in Israel in den Sitzungssaal 237 zugeschaltet werden. K. soll in der Silvesternacht 2023/24 einer der beiden Fahrer der Fluchtautos gewesen sein.
Der weitere Zeuge, der 35-jährige Said B., hatte bereits im April ausgesagt und eingeräumt, eines der Fluchtfahrzeuge gefahren zu haben.
Diese Form der Vernehmung hatte die Kammer vor dem Hintergrund des Nahost-Konflikts angeboten.
Update, 8.50 Uhr: Recap von Donnerstag
Der 59. Verhandlungstag war geprägt von Diskussionen, Wortgefechten und längeren Unterbrechungen. Als Zeugin war erneut Hauptermittlungsführerin Merle B. (44) geladen. Die Beamtin musste allerdings fast anderthalb Stunden warten, bis sie überhaupt aufgerufen wurde.
Der Grund: Die Verteidigung versuchte im Verlauf des Tages immer wieder, die begrenzte Aussagegenehmigung der 44-Jährigen durch Anträge erweitern zu lassen.
Die Kammer um die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt zog sich mehrfach für längere Zeit zurück, um über die Anträge zu beraten - lehnte diese jedoch allesamt ab.
Das sorgte bei der Verteidigung für Frust. Anwältin Gül Pinar wurde nach einem emotionalen Einwand von der Richterin zurechtgewiesen: "Es gibt keinen Grund, derart aufbrausend und aggressiv zu werden", mahnte Hildebrandt.
Einige Fragen durfte die Ermittlerin immerhin beantworten - wirklich viel Neues kam dabei allerdings nicht herum. Da die Verteidigung auch am vierten Tag ihre Befragung nicht abschloss, muss B. im August erneut mehrere Tage als Zeugin erscheinen.
Titelfoto: Marcus Brandt/dpa