Entführer-Anwältin geht Block-Anwalt im Prozess an: "Offensichtlich brauchen Sie da Hilfe"
Hamburg - Am 47. Verhandlungstag im Kindesentführungs-Prozess gegen Christina Block (52) wird die Befragung eines mutmaßlichen Entführers fortgesetzt. Der 35-jährige B. hat nach eigenen Angaben eines der Fluchtautos am 31. Dezember 2023 gefahren. TAG24 ist vor Ort und berichtet in einem Liveticker.
10.36 Uhr: Richterin - "Das kann doch jeder Mensch sehen, dass er keinen Schal trägt"
Bott zeigt weitere Fotos - diesmal aus der Ermittlungsakte.
Dabei handelt es sich um Bilder der Überwachungskamera aus dem "Grand Elysée"-Hotel. Bei jedem einzelnen Bild fragt Bott den Zeugen: "Tragen Sie hier einen Schal?"
Die Richterin greift sichtlich aufgebracht ein: "Das kann doch jeder Mensch sehen, dass er keinen Schal trägt. Dafür müssen wir nicht die nächsten 30 Bilder anschauen!" – und verweist dabei auch auf die unnötige Zeit dafür.
Bott setzt seine Befragung dennoch unbeirrt fort. Der Zeuge hatte am Vortag von einem Schal berichtet, den er auf Reisen stets dabeihabe und mit dem er auf Anweisung des mutmaßlichen Chef-Entführers David B. (68) vermummt gewesen sein soll. Bei der eigentlichen Entführung habe er ihn eigenen Angaben zufolge "aufgrund der Kälte" getragen.
10.14 Uhr: Diskussion nach Diskussion – "Offensichtlich brauchen Sie da Hilfe"
Der Block-Verteidiger hakt weiter nach mutmaßlichen Aussagen des Zeugen K., der bislang noch nicht vor Gericht ausgesagt hat – unter anderem im Rahmen eines Podcasts. Die Richterin beanstandet die Frage, woraufhin auch der Anwalt der Cousine von Block, Reinhard Daum, seinem Kollegen zur Hilfe eilt.
Sichtlich genervt kommentiert die Richterin: "Vielleicht können Sie mit der Formulierungshilfe von Herrn Daum weitermachen!"
Bott versucht es erneut und möchte dem Zeugen ein Dokument auf Englisch vorhalten. Die Richterin unterbricht entschieden: "Die Gerichtssprache ist Deutsch! Der Vorhalt wird zurückgewiesen!"
Die Anwältin des Zeugen beanstandet daraufhin die gesamte Befragung durch Ingo Bott. Die Richterin räumt zwar ein, dass dieser in der "falschen Reihenfolge" fragte, hält seine Fragen aber grundsätzlich für zulässig. Die Anwältin möchte das erst nach Erinnerungen gefragt und dann erst gegebenenfalls etwas vorgehalten wird, und direkt an Bott: "Offensichtlich brauchen Sie da Hilfe – auch aus den anderen Reihen!"
10 Uhr: Block-Anwalt hält dem Zeugen ein Foto aus einem BILD-Artikel vor
Ingo Bott hält dem Zeugen ein Foto aus dem gestrigen Liveticker der BILD vor. Darauf zu sehen: eine Tür, die zu der Wohnung gehören soll, in der sich Teile der später mutmaßlich Entführten erstmals getroffen haben sollen. Laut dem Zeugen soll sie den Eltern von Keren T. gehören – der rechten Hand des mutmaßlichen Chef-Entführers David B.
Die Richterin: "Wollen Sie jetzt wirklich ein Foto eines BILD-Artikels einführen?"
Bott: "Ja."
Richterin: "Aha."
Außerdem befragt Bott den Zeugen zu einem weiteren Foto aus dem Artikel, das seinen Anwalt im Gespräch mit einem Reporter zeigt. Bott will wissen, worum es in diesem Gespräch ging. Die Anwältin des Zeugen beanstandet die Frage erneut.
9.57 Uhr: Erneut Diskussionen im Saal - "Die SPO [Strafprozessordnung] ist mir durchaus bekannt"
Die Befragung gestaltet sich mühsam: Der Zeuge antwortet meist nur mit "Nein" oder "Ich verstehe die Frage nicht". Wie schon am Vortag übersetzt der Dolmetscher von Tal S. aus dem Hebräischen ins Deutsche.
Im Fokus steht unter anderem ein Treffen im Elternhaus von Keren T. sowie mögliche Verbindungen zu einer "politischen Gruppe", in deren Rahmen sich einige der Israelis kennengelernt haben sollen. "Ich weiß nicht, welche Verbindungen da bestehen", so der Zeuge.
Erneut beanstandet die Anwältin des Zeugen eine Frage. Die Richterin weist darauf hin, dass Beschlüsse zu einzelnen Fragen nur unnötig Zeit kosten würden – der Zeuge solle die Frage einfach beantworten "oder eben nicht". Die Anwältin kontert bissig: "Die SPO [Strafprozessordnung] ist mir durchaus bekannt!"
9.45 Uhr: Plötzlich Erinnerungslücken – Zeuge weiß vieles von gestern nicht mehr
Das Fragerecht liegt bei Block-Anwalt Ingo Bott (43). Er fragt den Zeugen zunächst, ob er sich noch an Teile seiner Antworten aus der gestrigen Befragung durch die Richterin erinnere. Der Zeuge scheint sich an vieles, was er erst gestern gesagt hat, nicht mehr erinnern zu können.
Bott hakt weiter nach und erkundigt sich nach dem Arbeitgeber des Zeugen. B. hatte angegeben, als Bauingenieur zu arbeiten und sich für die "Operation" im Dezember 2023 über Weihnachten Urlaub genommen zu haben. "Bei wem haben Sie Urlaub genommen?", fragt Bott.
Daraufhin kommt es erneut zu Diskussionen, diesmal mit der Anwältin des Zeugen, die die Frage beanstandet: "Ich weiß nicht, was das mit dem Fall hier zu tun hat." Die Richterin lässt die Frage zu. Der Zeuge antwortet: "Ich möchte das hier nicht beantworten."
9.40 Uhr: Der 47. Verhandlungstag beginnt – Zeuge hatte "Probleme mit dem Taxi"
Mit zehn Minuten Verspätung beginnt der Prozess direkt mit der Befragung des Zeugen B. Der 35-jährige Israeli hatte der Kammer zuvor Bescheid gegeben, dass er sich gegebenenfalls verspäten werde; er habe "Probleme mit dem Taxi", wie die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt mitteilte.
9.13 Uhr: Mal wieder ein bisschen mehr los
Am 47. Verhandlungstag ist rund eine Viertelstunde vor Prozessbeginn im Zuschauerraum des Saals 237 mal wieder etwas mehr los als an den vergangenen Tagen. Unter den Zuschauern sind auch wieder Familie und Freunde der Angeklagten.
9 Uhr: So geht es am Dienstag weiter
Am 47. Verhandlungstag wird die Befragung des Zeugen Said B. fortgesetzt. Dieser war am Montag aufgefordert worden, einen Schal zum heutigen Termin mitzubringen.
Mit diesem soll sich der 35-Jährige bei einem Treffen mit Christina Block (52) im Hotel "Grand Elysée" auf Anweisung des mutmaßlichen Chef-Entführers David B. (68) vermummt haben. Bei der eigentlichen Entführung habe er ihn eigenen Angaben zufolge "aufgrund der Kälte" getragen.
Der Zeuge hatte zuvor angegeben, diesen Schal bei Reisen stets mit sich zu führen. Aus diesem Grund bat ihn die beisitzende Richterin, ihn zum heutigen Verhandlungstag mitzubringen.
Update, 8.50 Uhr: Recap vom 46. Verhandlungstag
Im Mittelpunkt des 46. Prozesstages stand die Zeugenbefragung eines weiteren mutmaßlichen Entführers. Der 35-jährige Said B. hat nach eigenen Angaben eines der Fluchtautos am 31. Dezember 2023 gefahren.
Bei zwei Treffen in Israel, unter anderem mit Keren T. und David B., sei ihm und seinem Freund, der Zeuge K., der Fall Block vorgestellt worden. Die Richterin fragte: "Warum treffen Sie sich mit jemandem, wenn es heißt, das Thema sei, Kinder zu retten, obwohl Sie Bauingenieur sind?"
Der Zeuge erklärte, er sei zum ersten Treffen mit Keren T. vor allem wegen eines Freundes und aus Neugier gegangen. Ihm sei vermittelt worden, es gehe darum, der Mutter und den Kindern zu helfen, die unter den "Misshandlungen" des Vaters, Stephan Hensel, gelitten haben sollen.
Zudem sei ihm immer wieder versichert worden, dass die Aktion legal sei - zumindest in Deutschland, in Dänemark "habe es ein anderes Gesetz gegeben".
"Wenn in Dänemark etwas rechtlich verhindert ist - wie kann dann alles legal sein? Das verstehe ich nicht ganz?", fragte die Richterin weiter. Der Zeuge gab daraufhin an, für ihn sei letztlich "der Status" von David B. entscheidend gewesen, der "als hochrangiger Mossad-Agent" vorgestellt worden sei. Er habe "viel Gutes für den Staat getan" und man habe ihm geglaubt.
Weiter betonte er: "Heute verstehe ich, dass das Ganze völlig illegal war. Damals war ich jedoch fest davon überzeugt, dass es das Richtige ist." Der Zeuge erklärte, er bereue seine Mitwirkung und wolle nun den Behörden bei der vollständigen Aufklärung helfen. "Ich bin kein Krimineller und kein Verbrecher", betonte B.
Titelfoto: Montage: Christian Charisius/dpa-Pool/dpa (2)