Anwältin der Kinder im Block-Prozess: "Das ist für mich schwer nachzuvollziehen"
Hamburg - Am zweiten von drei Prozesstagen in dieser Woche im Fall Christina Block (53) soll erneut die mutmaßliche Mit-Entführerin Keren T. (51) alias "Olga" aussagen. TAG24 ist vor Ort und berichtet im Liveblog.
10.31 Uhr: Keren T. betont: "Ich werde mich an keine genauen Daten erinnern!"
Etwas zäh arbeitet sich Bott mit Keren T. durch mehrere Daten und Zeitpunkte. Dabei betonte die Zeugin: "Ich werde mich an keine genauen Daten erinnern!"
10.24 Uhr: Was es bringen könne, der Familie Block zu helfen?
Was es bringen könne, der Familie Block zu helfen?, will Bott weiter wissen. Laut der Zeugin hoffte man auf nützliche Kontakte, um für "Cyber Cupula" ein Standbein in Deutschland aufzubauen. Zum ersten Mal seien diese möglichen Vorteile bei einem Treffen in Israel thematisiert worden – und zwar durch den ehemaligen Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes, August Hanning (80).
Welche Rolle die "Eugen Block Holding" dabei spielen sollte? Nach dem Verständnis der Zeugin sei der Penetrationstest im Hotel für die Gesellschaft von Christina Blocks Vater Eugen Block (85) durchgeführt worden. Dazu habe es mehrere Meetings gegeben. Der Test selbst soll im Sommer 2023 ausgeführt worden sein.
Laut Christina Block soll die Firma von David B. wegen dieses Tests engagiert worden sein. Dem widersprachen jedoch sowohl David B. als auch Keren T.: Es sei von Auftrag an um die Kinder gegangen.
10.10 Uhr: "Wollen Sie diesen Widerspruch noch behellen?"
Bott fragt weiter nach dem Gehalt von Keren T. "Ich habe ungefähr 2000 Euro erhalten", so die Zeugin. Daraufhin konfrontiert der Block-Verteidiger sie mit der Aussage von David B., wonach sie zunächst nicht bezahlt worden sei, da sie sich noch "im Training" befunden habe.
Dabei habe es sich laut der Zeugin um eine Einführung in IT-Themen gehandelt. "Wir lernen auch heute noch", so Keren T. Bezahlt worden sei sie aber dennoch. Irgendwann habe David B. entschieden, dass sie es nun "verdiene", bezahlt zu werden.
Bott beharrt auf dem Widerspruch und verweist darauf, dass sie laut David B. vor 2024 nicht bezahlt worden sei. „Wollen Sie diesen Widerspruch noch behellen?" Anwalt der Zeugin: "Nein, wollen wir nicht!"
9.54 Uhr: Keren T. war Generel Managerin
Jetzt liegt das Fragerecht bei Block-Verteidiger Ingo Bott (43). Er befragt die Zeugin zu ihrer genauen Funktion bei der IT-Sicherheitsfirma "Cyber Cupula" von David B. Sie sei General Managerin gewesen und unter anderem auch für das Personalwesen zuständig.
Ob ihre Tätigkeit etwas mit ihrer Ausbildung als Grafikdesignerin zu tun gehabt habe? "Nein", antwortet die Zeugin. Die Frage, ob sie damit Quereinsteigerin gewesen sei, versteht sie offenbar nicht. Bott geht darüber hinweg und fragt stattdessen nach David B.s Aufgabe in der Firma. Die Antwort der Zeugin fällt knapp aus: "Er war der CEO."
Christina Block hatte in ihrer Einlassung angegeben, dass "Cyber Cupula" ursprünglich für die IT-Sicherheit des Hotels "Grand Elysée" engagiert worden sei. Das Team sei dann eigenmächtig auf die Idee gekommen, ihr in der Sorgerechtssache um ihre Kinder zu helfen.
9.52 Uhr: Anwältin der Kinder - "Das ist für mich schwer nachzuvollziehen"
Über die letztlich doch nicht wie erwartete Reaktion der Kinder und deren ablehnende Haltung gegenüber dem Team und anfangs auch ihrer Mutter habe man auch mit Chef-Entführer David B. (68) nicht gesprochen. "Das ist für mich schwer nachzuvollziehen, wenn sie doch mit einer anderen Reaktion gerechnet haben", so Dr. Tanja Jeney.
Keren T. bleibt dabei, dass darüber nicht gesprochen worden sei.
9.45 Uhr: Zeugin spricht von Gespräch mit Greta
Die Anwältin der Kinder fragt T., wie sie erwartet habe, dass die Kinder in der Silvesternacht auf sie und das Team reagieren würden.
"Wir dachten, dass sie vielleicht ein bisschen ängstlich sein würden und nicht verstehen, wer wir sind. Deshalb wollten wir ihnen erklären, dass wir keine schlechten Menschen sind und sie zurück zu ihrer Mutter bringen." Dafür sei wichtig gewesen, ein deutschsprachiges Teammitglied dabei zu haben.
Mit dieser Erklärung habe die Zeugin erwartet, "dass es für sie [die Kinder] in Ordnung sein würde."
Greta, die zweitälteste Tochter von Christina Block und die einzige, die noch bei ihr in Hamburg lebt, habe der Zeugin erzählt, dass sie "gezwungen" worden sei – mutmaßlich vom Vater Stephan Hensel –, schlecht über ihre Mutter und Deutschland zu reden. "Ich dachte, das [die Anti-Haltung der Kinder gegenüber der Entführern] geht schnell vorüber. Und so war es dann ja auch, als sie wieder mit ihrer Mutter zusammen waren", so die Zeugin.
9.38 Uhr: Prozess startet
Mit ein paar Minuten Verspätung beginnt der 52. Verhandlungstag mit der weiteren Zeugenbefragung von Keren T. Das Fragerecht liegt jetzt bei der Nebenklagevertreterin von Klara und Theo, Rechtsanwältin Dr. Tanja Jeney.
9.19 Uhr: Interesse wieder abgeflaut
Nachdem die Zeugenaussage von Keren T. am Mittwoch letzter Woche noch einmal für mehr Presse- und Zuschauerandrang gesorgt hatte, ist das Interesse in dieser Woche wieder deutlich abgeflaut.
Kurz vor Prozessbeginn um 9.30 Uhr sind nur wenige der Bänke im Zuschauerraum gefüllt.
9 Uhr: So geht es am Donnerstag weiter
Am 52. Verhandlungstag wird die Zeugenaussage von Keren T. fortgesetzt. Am dritten Tag ihrer Aussage erhalten die Verteidiger Gelegenheit, ihre Fragen an die mutmaßliche rechte Hand von Chef-Entführer David B. (68) zu stellen.
Update, 8.50 Uhr: Recap vom 51. Verhandlungstag
Am 51. Verhandlungstag hat erneut die Zeugin Keren T. alias "Olga" ausgesagt.
Vor Gericht erklärte die 51-Jährige, Christina Block habe innerhalb der Gruppe den Spitznamen "Lady C" oder auch "Ladybug" getragen. Außerdem sagte sie aus, vier Beteiligte hätten für die Aktion an Silvester 23/24 jeweils 10.000 Euro erhalten. Bei einer Auszahlung sei sie selbst anwesend gewesen.
Keren T. berichtete zudem, sie habe das Haus der Kinder in Dänemark observiert und entsprechende Berichte an den mutmaßlichen Hauptorganisator David B. weitergeleitet. Die eigentliche Mitnahme der Kinder habe sie jedoch nicht direkt gesehen. Wegen des Feuerwerks, der Dunkelheit und ihrer Aufgabe, auf das Team zu achten, habe sie weder den Zugriff noch das Geschehen um den Vater Stephan Hensel beobachten können.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll sich David B. vor der Tat zweimal mit Eugen Block, dem Vater von Christina Block, getroffen haben. Dabei sei gefordert worden, die Kinder nach Deutschland zurückzubringen. Keren T. bestätigte diese Treffen, sei aber selbst nicht dabei gewesen. Laut Aussage der Zeugin habe zudem Druck auf die mutmaßlichen Entführer bestanden.
Zum ersten Wiedersehen zwischen Christina Block und ihren Kindern auf einem Bauernhof in Süddeutschland schilderte Keren T. eine zunächst angespannte Situation. Die Kinder hätten zunächst "geredet und geschrien", ehe sie kurze Zeit später gemeinsam als Familie auf dem Bett gesessen hätten. Die Atmosphäre sei danach "gut" gewesen, sagte die Zeugin abschließend.
Titelfoto: Montage: Christian Charisius/dpa (2)