Hamburg - Am Dienstag (9.30 Uhr) steht der mittlerweile 72. Verhandlungstag im Kindesentführungsprozess gegen Christina Block (53) an. Nach Monaten könnte sich die Steakhouse-Erbin wieder selbst zu Wort melden. TAG24 ist vor Ort und berichtet im Liveblog.
11.58 Uhr: Verteidiger David Rieks geht auf einzelne Korrespondenzen ein
Um seine Argumentation zu unterstreichen, geht Rieks in der Folge auf einzelne Korrespondenzen seines Mandanten am 1. Januar 2024 ein. Er spricht über Nachrichten von und an den Familienanwalt Dr. Andreas C. und über Chats mit Christina Block. Diese beinhalteten keinerlei tatrelevanten Inhalte.
Dass sein Mandant am Neujahrstag zu etwaigen Zugverbindungen recherchiert habe, lege darüber hinaus nahe, dass die Aufforderung, nach Süddeutschland zu kommen, unerwartet gekommen sei - sonst hätte man etwaige Reiseoptionen doch schon vorab geprüft.
11.43 Uhr: Delling-Anwalt sieht keinen einzigen Hinweis für Beteiligung
Da sich auch Sascha Böttner, der Verteidiger des in U-Haft sitzenden mutmaßlichen Mit-Entführers Tal S., äußerst kurz hält, ist anschließend Delling-Anwalt David Rieks an der Reihe. "Ganz so kurz schaffe ich es nicht", kündigt der Jurist an.
Der Anwalt spricht als erstes über die in der Selbstleseliste enthaltene gesammelte Kommunikation seines Mandanten. Aus dieser ergebe sich kein einziger Hinweis darauf, dass Delling in die Planung oder Durchführung der Entführung involviert gewesen sei.
Dass sein Mandant nach der erfolgten Entführung mit der mutmaßlichen Mit-Entführerin Keren T. alias "Olga" Kontakt gehabt habe, sei auf die polizeiliche Aufforderung zurückzuführen, er solle herausfinden, wo sich seine Lebensgefährtin Christina Block aufhalte.
11.24 Uhr: Verteidiger von Andreas C. hält sich deutlich kürzer
Nach der Pause hat Dr. Marko Voß, der Verteidiger des mitangeklagten Familienanwalts Dr. Andreas C., das Wort. Er kündigt eine Stellungnahme an, die nur zwei Seiten umfasse.
Der Jurist spricht über verschiedene Dokumente und angebliche Termine. Konkret bezieht er sich auf ein angebliches Treffen zwischen David B., Keren T. alias "Olga", seinem Mandanten und dessen Sohn Ende November/Anfang Dezember 2023.
Für dieses Treffen gebe es keinerlei Beweise - weil ein entsprechendes Meeting nie stattgefunden habe, so Voß.
11.04 Uhr: Zehn Minuten Pause
Bott ist mit seinem knapp 90-minütigen Monolog durch. Richterin Hildebrandt ordnet erst mal eine kurze Pause an.
In zehn Minuten geht es weiter.
10.57 Uhr: Block-Anwalt sicher: David B. nutzte auch Alpakahof-Betreiber aus
Der Block-Anwalt macht mit seiner ausführlichen Stellungnahme weiter und kommt nun auf die Betreiber des Alpakahofs in Süddeutschland zu sprechen, zu dem die Kinder nach der Entführung gebracht worden waren.
Bott bekräftigt, dass die Familie ebenfalls von David B. für dessen Zwecke ausgenutzt worden sei. Er erinnert in diesem Zuge daran, dass die Betreiber des Hofes laut eigener Aussage auf eine geschäftliche Zusammenarbeit mit dem Israeli gehofft hätten.
Von der geplanten beziehungsweise durchgeführten Entführung habe die Familie offensichtlich nichts gewusst, was erneut zeige, dass B. sehr versiert darin sei, Menschen für die Durchsetzung seiner Interessen zu gewinnen.
10.33 Uhr: Block-Sohn Theo über seine tote Oma: "Sie kommt in die Hölle"
Bott kommt nun auf verschiedene Aussagen der Kinder nach der Entführung zu sprechen. Der Anwalt argumentiert, dass vor allem in Theos Fall deutlich werde, dass dessen Aussagen stark durch Fremdwahrnehmungen und -schlussfolgerungen geprägt seien.
So hätte der Block-Sohn in seinen Vernehmungen sein "gelerntes Verhalten abgespult", was ihm von seinem Vater Stephan Hensel eingeimpft worden sei.
Das zeige sich unter anderem dadurch, dass er auf den Tod seiner Großmutter Christa Block mit einer Mittelfinger-Geste und der Aussage "Sie kommt in die Hölle" reagiert habe. Das sei "nicht normal" für einen damals Zehnjährigen, betont Bott.
10.21 Uhr: Entführung trug laut Bott nicht die Handschrift seiner Mandantin
Anschließend nimmt sich der Block-Verteidiger das Rückholungskonzept des Psychologen Dr. Stefan R. vor. Bott betont, dass die Entführung in der Silvesternacht 2023/24 nicht "die Handschrift" dieses Konzeptes und auch nicht "die Handschrift" seiner Mandantin trage.
Stattdessen habe es sich um eine eigenmächtige Aktion von David B. und dessen Komplizen gehandelt, wie der Jurist zum wiederholten Male unterstreicht.
10.10 Uhr: Bott: Treffen am 28. Dezember 2023 hat es nie gegeben
Als nächstes kommt Bott auf den mutmaßlichen Chef-Entführer David B., dessen IT-Firma "Cyber Cupula" und das vermeintliche Treffen im "Grand Elysée"-Hotel am 28. Dezember 2023 zu sprechen.
Der Verteidiger betont erneut, dass es dieses Treffen nie gegeben habe. Im Kalender seiner Mandantin, der Teil der Selbstleseliste sei, habe es keinen entsprechenden Termin gegeben, zudem habe es zahlreiche widersprüchliche Aussagen der vermeintlichen Teilnehmer gegeben.
Es spreche viel dafür, dass B. und dessen rechte Hand Keren T. alias "Olga" im Nachhinein diesen und andere Termine frei erfunden hätten, um den Anschein zu erwecken, die Steakhouse-Erbin sei in die Planung der Entführung involviert gewesen.
9.56 Uhr: Block-Anwalt spricht über Dämonisierung seiner Mandantin
Bott spricht über den Zustand der Kinder Klara und Theo nach deren "Einbehaltung" in Dänemark durch den Vater Stephan Hensel im Jahr 2021. Er bezieht sich auf Einschätzungen von Sachverständigen, die beurteilt hätten, dass der Verbleib der Kind in Dänemark nicht dem Kindeswohl entsprochen habe.
Der Anwalt wiederholt, dass Hensel die Kinder abgeschottet habe und eine Dämonisierung der Mutter durch ihn stattgefunden habe. Darüber hinaus kommt Bott auf Verhandlungstermine vor dem Familiengericht zu sprechen, bei denen der Block-Ex seine Gegenüber allesamt verbal angegriffen und ihnen Inkompetenz vorgeworfen habe.
9.43 Uhr: Verhandlung läuft, Block-Anwalt hat als erstes das Wort
Die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt eröffnet die heutige Verhandlung. Sie verkündet, dass eine der Beisitzerinnen der Kammer in den Mutterschutz gegangen sei und deshalb ab sofort vertreten werde.
Als erstes hat anschließend Block-Anwalt Ingo Bott das Wort, um sich zu den im Selbstleseverfahren eingeführten Urkunden zu äußern.
9.30 Uhr: Beginn verzögert sich
Wie so oft verzögert sich der Beginn der Verhandlung auch heute.
Zur eigentlichen Startzeit ist unter anderem von Gerhard Delling und dessen Anwalt David Rieks noch nichts zu sehen.
9.20 Uhr: Ordentlich Andrang im Gerichtssaal
Die Aussicht auf eine mögliche Einlassung der Hauptangeklagten sorgt erwartungsgemäß für ordentlich Interesse.
Wenige Minuten vor Verhandlungsbeginn ist der Zuschauerraum von Saal 237 quasi bis auf den letzten Platz gefüllt.
9 Uhr: So geht es am Dienstag weiter
Wie das Gericht vorab mitteilte, haben die Verfahrensbeteiligten am Dienstag nochmals die Gelegenheit, zu den im Selbstleseverfahren eingeführten Urkunden Stellung zu nehmen.
Ob die angekündigte Einlassung von Christina Block am Dienstag erfolgen/beginnen wird, hängt demnach vor allem davon ab, wie viel Zeit die besagten Stellungnahmen in Anspruch nehmen werden.
8.45 Uhr: Recap von Donnerstag
Die Richterin ließ zu Prozessbeginn protokollieren, dass alle Beteiligten ausreichend Zeit zur Vorbereitung gehabt hätten und sich nun zum Selbstleseverfahren äußern könnten.
Dennoch gab es nur Stellungnahmen in Form von Widerspruchsanträgen. In den knapp eineinhalb Stunden drehte sich die Verhandlung vor allem erneut um die IT-Asservate, auf die sich die in der Selbstleseliste aufgeführten Urkunden und Dokumente beziehen.
Mehrere Verteidiger widersprachen deren Verwertung als Beweismittel mit dem Argument, die Daten seien nicht rechtmäßig beschlagnahmt worden und somit "rechtswidrig".
Im Zuschauerraum hatten sich am Donnerstag wieder mehr Menschen eingefunden, doch viele von ihnen wurden enttäuscht: Christina Block äußerte sich nicht.