Hin und Her beim Block-Prozess: Öffentlichkeit erst ausgeschlossen, jetzt darf sie doch wieder rein

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Hamburg - Nach einer dreiwöchigen Unterbrechung und dem Ausfall des ursprünglich geplanten Verhandlungstags am Montag wird der Kinderentführungs-Prozess gegen Christina Block (53) am Dienstag fortgesetzt. Am 64. Verhandlungstag steht die Erstattung des Gutachtens der forensischen kinder- und jugendpsychiatrischen Sachverständigen auf dem Programm. TAG24 ist vor Ort und berichtet im Liveblog.

Steakhouse-Erbin Christina Block (53) wird vorgeworfen, die Entführung ihrer beiden jüngsten Kinder in Auftrag gegeben zu haben. Hier mit ihrem Anwalt Ingo Bott (43).
Steakhouse-Erbin Christina Block (53) wird vorgeworfen, die Entführung ihrer beiden jüngsten Kinder in Auftrag gegeben zu haben. Hier mit ihrem Anwalt Ingo Bott (43).  © Marcus Brandt/Pool dpa/dpa

10.45 Uhr: Öffentlichkeit darf doch wieder rein

Kommando zurück! Die Öffentlichkeit darf nun doch wieder in den Saal – das teilen die Justizbeamten vor Ort mit. Auch die Medienvertreter können wieder Platz nehmen.

Warum die Entscheidung revidiert wurde, ist bislang unklar.

10.40 Uhr: Öffentlichkeit wird ausgeschlossen

Die Kammer entscheidet: Die Öffentlichkeit wird ausgeschlossen. Alle mussten den Zuschauerraum verlassen.

10.36 Uhr: Bott äußert sich erneut

Vor der Entscheidung ergreift doch nochmal Ingo Bott das Wort. Es geht wieder um den Briefumschlag, er spüre ja "wie es brodele". Er betont, dass bislang keine Gelegenheit bestanden habe, die betreffenden Beweisanträge in der Hauptverhandlung zu stellen.

Eine "heimliche" Vorgehensweise habe es aber nicht gegeben. Aus dem Gutachten gehe zudem hervor, dass der Sachverständigen "oft" Unterlagen übergeben worden seien.

Die Richterin stellt erneut klar: Der Vorwurf sei nicht, dass Unterlagen übergeben wurden, sondern dass dies "an dem Gericht vorbei" geschehen sei und die Dokumente nicht Teil der Akte sind.

10.26 Uhr: Die Kammer zieht sich zurück

Pinar ist fertig. Die Kammer zieht sich zurück, um über den Ausschluss der Öffentlichkeit zu entscheiden.

Wird gleich die Öffentlichkeit ausgeschlossen? Die Kammer und alle Prozessbeteiligten am 64. Verhandlungstag.
Wird gleich die Öffentlichkeit ausgeschlossen? Die Kammer und alle Prozessbeteiligten am 64. Verhandlungstag.  © Marcus Brandt/Pool dpa/dpa

10.15 Uhr: Noch eine Stellungnahme

Bevor die Kammer über einen möglichen Ausschluss der Öffentlichkeit entscheidet, äußert sich Gül Pinar, die Anwältin des angeklagten Sicherheitsunternehmers, zum Zeugen Jonathan G.

Sie betont erneut, dass ihr Mandant "mal wieder" in den Aussagen des Zeugen überhaupt keine Rolle gespielt hat. "Er kannte meinen Mandanten nicht", so Pinar.

10.07 Uhr: Lügt Christina Block?

Block äußert sich nun selbst zu dem Vorfall. Sie sagt, sie habe gedacht, die Unterlagen würden der Sachverständigen "helfen". Es sei nie ihre Absicht gewesen, "etwas zu verdunkeln" oder Einfluss auf Beweismittel zu nehmen.

Den Umschlag habe sie der Sachverständigen während einer Anamnese übergeben, als beide gemeinsam auf ihrer Terrasse gesessen hätten. Die Beweisanträge habe sie dabeigehabt, weil an diesem Tag auch Prozesstag gewesen sei. Den Brief der Freundin habe sie kurz zuvor aus dem Briefkasten genommen und spontan auch mit in den Umschlag gesteckt.

Sie habe der Sachverständigen "viele Unterlagen" gegeben und es einfach "schade" gefunden, dass diese die entsprechenden Beweisanträge nicht kenne. Das habe sie auch gesagt. Daraufhin habe die Sachverständige geantwortet, sie könne ihr die Unterlagen einfach mitgeben.

Während Block das erzählt, schüttelt die Sachverständige den Kopf. Auf Nachfrage der Vorsitzenden Richterin stellt sie klar, dass sie das nie gesagt habe. "Überrascht" sei sie vor allem aber auch von dem Brief der Freundin gewesen, da dieser nicht Teil der Gerichtsakten ist.

Damit ist Blocks Einlassung beendet. Die Vorsitzende Richterin kündigt erneut an, dass die Kammer nun prüfen werde, ob Maßnahmen gegen die Unternehmerin ergriffen werden.

9.55 Uhr: Kurze Pause

Bott und Block ziehen sich zu einer kurzen Besprechung zurück. Sie wollen beraten, ob sich die Unternehmerin doch noch selbst zu ihrem Vorgehen äußern wird. Das Gericht unterbricht die Verhandlung für zehn Minuten.

Zuvor hatte die Vorsitzende angekündigt, zu prüfen, ob weitere Maßnahmen ergriffen werden.

9.45 Uhr: Voraussetzung für Haftbefehl gegen Block laut Staatsanwalt erfüllt

Zur Überraschung vieler konfrontiert die Vorsitzende Richterin Christina Block gleich zu Beginn des Verhandlungstags. Es geht um Unterlagen, die diese außerhalb der Hauptverhandlung in einem Umschlag an die Sachverständige übergeben haben soll.

"Warum haben Sie das gemacht?", fragt die Richterin. Block-Anwalt Ingo Bott (43) antwortet für seine Mandantin: "Das war ein Versehen, das meine Mandantin auch bereut."

Die Richterin zeigt sich skeptisch: "Ich halte das nicht für einen Irrtum." Schließlich gehöre zu den Unterlagen auch ein Brief, den eine Freundin von Christina Block direkt an die Sachverständige gerichtet haben soll.

Bott schildert das Verhalten seiner Mandantin "als lebensnah und nachvollziehbar". Die Richterin entgegnet jedoch: "Wenn das das erste Mal wäre. Aber ich habe Frau Block bereits im November davor gewarnt, Einfluss auf Beweismittel zu nehmen. Ich dachte, das wäre verstanden worden."

Die Staatsanwaltschaft geht sogar noch einen Schritt weiter. Aus ihrer Sicht erfüllt das Verhalten die Voraussetzungen für den Erlass eines Haftbefehls.

Nach TAG24-Informationen sollen sich unter den Unterlagen auch Beweisanträge von Ingo Bott befunden haben. Darin geht es unter anderem um den Vorwurf, Stephan Hensel habe eine Mitarbeiterin belästigt.

9.40 Uhr: Tag 64 startet

Mit ein paar Minuten Verspätung startet der 64. Verhandlungstag.

9.15 Uhr: Einige Medienvertretende da

Obwohl die Öffentlichkeit voraussichtlich ausgeschlossen wird, haben sich bereits einige Medienvertretende im Zuschauerraum von Saal 237 versammelt. Zuschauer sind bislang allerdings keine vor Ort.

Die Sachverständige Mareike Schüler-Springorum kommt am Dienstag zum Gerichtssaal.
Die Sachverständige Mareike Schüler-Springorum kommt am Dienstag zum Gerichtssaal.  © Marcus Brandt/dpa

9 Uhr: So geht es am Dienstag weiter

Es ist möglich, dass die Kammer die Öffentlichkeit für die gesamte Dauer der Gutachtenerstattung ausschließt.

Das würde neben der Vorstellung des Gutachtens auch die anschließenden Fragen der Verfahrensbeteiligten an die Sachverständige sowie deren Stellungnahmen betreffen. Über einen Ausschluss wird das Gericht allerdings erst zu Beginn der Hauptverhandlung am Dienstag entscheiden. Darauf hatte das Landgericht bereits am Freitag hingewiesen.

Die forensische kinder- und jugendpsychiatrische Sachverständige Mareike Schüler-Springorum hat zahlreiche Verhandlungstage begleitet. In ihrem Gutachten soll sie unter anderem die psychischen Folgen der mutmaßlichen Entführung für die beiden jüngsten Block-Kinder bewerten.

Die Kinder selbst werden vor Gericht nicht aussagen, wurden jedoch von der Sachverständigen befragt.

Die Zeugenbefragung von Ex-GNTM-Model und mutmaßlichem Mit-Entführer Jonathan G. (35, l.) wurde am 63. Verhandlungstag abgeschlossen.
Die Zeugenbefragung von Ex-GNTM-Model und mutmaßlichem Mit-Entführer Jonathan G. (35, l.) wurde am 63. Verhandlungstag abgeschlossen.  © Marcus Brandt/dpa

Update, 8.50 Uhr: Recap vom 63. Verhandlungstag

Am 63. Verhandlungstag wurde die Befragung des mutmaßlich an der Entführung beteiligten Ex-GNTM-Models Jonathan G. (35) fortgesetzt und abgeschlossen.

Dabei ging es unter anderem um seinen psychischen Zustand und persönliche Lebensbereiche. Dieser Teil der Verhandlung fand ebenso wie die Verlesung einer Krankenakte von Block-Sohn Theo unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Im öffentlichen Teil der Verhandlung machte Jonathan G. Christina Block und den mutmaßlichen Chef-Entführer David B. (68) für seine aktuelle Situation verantwortlich.

Nach Abschluss der Zeugenvernehmung übten die Verteidiger deutliche Kritik an G.s Aussage. Sie bezeichnete seine Schilderungen als "völlig unglaubhaft" und warf ihm vor, teilweise "schlicht gelogen" zu haben.

Titelfoto: Marcus Brandt/Pool dpa/dpa

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