Hamburg - Am Dienstag wurde der Kindesentführungsprozess gegen Christina Block (53) und sechs weitere Angeklagte mit dem 77. Verhandlungstag fortgesetzt. TAG24 war vor Ort und berichtete im Liveblog.
An dem nur rund einstündigen Verhandlungstag sagte zunächst der Rechtsanwalt Nils T. zu den persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen des mitangeklagten Familienanwalts Andreas C. aus. Dieser hatte sich zuvor entschieden, sich nicht dazu zu äußern und weiterhin zu schweigen.
T., der in derselben Kanzlei wie C. tätig ist, äußerte sich dabei auch zu den Einkünften von C. Er sprach dabei von einem "hohen sechsstelligen Betrag" pro Jahr, von dem aber noch Steuern, Versicherungsbeiträge, etc. abgehen würden.
Nach der kurzen Zeugenaussage gab es Stellungnahmen der Verfahrensbeteiligten zu einigen gestellten Anträgen, ehe sich ein Wortgefecht zwischen Reinhard Daum, dem Verteidiger der mitangeklagten Block-Cousine Uta B., und der Richterin entwickelte.
Diese argumentierte, dass die Angaben von B. zu ihrer finanziellen Situation "nicht plausibel" gewesen seien. Daum reagierte und sprach von einer "Vernichtung" seiner Mandantin. Unter anderem seien Banken und andere Institutionen von der Kammer kontaktiert und zur Herausgabe von Informationen aufgefordert worden.
10.35 Uhr: Verhandlung für heute beendet
Nach diesem Wortgefecht beendet die Richterin die heutige Verhandlung nach nur einer Stunde.
Weiter geht es am morgigen Dienstag um 9.30 Uhr.
10.31 Uhr: Wortgefecht zwischen Verteidiger und Vorsitzender Richterin
Nun entbrennt noch einmal eine Diskussion zwischen Reinhard Daum, dem Verteidiger der mitangeklagten Block-Cousine Uta B., und der Richterin. Diese argumentiert, dass die Angaben von B. zu ihrer finanziellen Situation "nicht plausibel" gewesen seien.
Daum wird laut und spricht von einer "Vernichtung" seiner Mandantin. Hintergrund: Die Kammer sei an verschiedene Institutionen, unter anderem Banken, herangetreten, um etwaige Informationen einzuholen.
Der Anwalt betont, dass seine Mandantin dazu bereit sei, Kontoauszüge vorzulegen. Die Richterin fragt ihn daraufhin, warum dieses Angebot nicht schon eher erfolgt sei.
10.26 Uhr: Vorsitzende Richterin klärt über weitere Planung auf
Die Richterin klärt anschließend über die weitere Planung auf. So müssten naturgemäß nun die schriftlich gestellten Anträge bearbeitet werden.
Zudem soll es noch eine Einlassung eines Angeklagten geben, die am Mittwoch oder Donnerstag erfolgen soll.
10.18 Uhr: Prozessbeteiligte äußern sich zu einzelnen gestellten Anträgen
Als nächstes verkündet die Kammer, dass das Selbstleseverfahren abgeschlossen sei. Die Verfahrensbeteiligten haben nun die Möglichkeit, zu einzelnen gestellten Anträgen Stellung zu beziehen.
Unter anderem äußern sich die Staatsanwaltschaft, Block-Verteidiger Ingo Bott und David Rieks, Anwalt des mitangeklagten Gerhard Delling, zu einzelnen Anträgen.
10.07 Uhr: Kammer braucht keine weiteren Zeugenaussagen
Die Kammer ist zurück und teilt mit, dass tatsächlich keine weiteren Zeugen zu den persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen des Familienanwalts gehört werden müssen.
Ein Zeuge, der bereits vor Ort war, bekommt persönlich von der Richterin gesagt, dass er nicht mehr benötigt werde. Er zieht unverrichteter Dinge wieder von dannen.
10.03 Uhr: Müssen doch keine weiteren Zeugen mehr vor Gericht erscheinen?
Dr. Marko Voß, der Verteidiger des Familienanwalts, betont in einer anschließenden Stellungnahme, dass nun alle Details zu den persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen seines Mandanten geklärt seien.
Er beantragt daher, die anderen dazu von der Kammer geladenen Zeugen - er spricht von neun (!) - wieder abzuladen. Die anderen Verteidiger und auch die Staatsanwaltschaft schließen sich dem Antrag an. Die Kammer zieht sich daraufhin zur Beratung zurück.
9.55 Uhr: Anwaltskollege spricht über Finanzen des Familienanwalts
Nach der familiären Situation fragt die Richterin den Rechtsanwalt nach den finanziellen Umständen von C. T. spricht mit Blick auf die vergangenen Jahren von einem "hohen sechsstelligen Betrag", den C. eingenommen habe, von dem aber noch Steuern, Versicherungsbeiträge, etc. abgehen würden.
Zu etwaigen Schulden von C. erklärt T., dass er nichts Genaueres sagen könne. Er wisse allerdings, dass es einige Immobilien gebe, für die Kredite abbezahlt werden müssten. Auch im Fall von C. sei der langwierige Prozess mit erheblichen finanziellen Einbußen verbunden.
T. bezeichnet C. als "Workaholic", der im Grunde nur für zwei Dinge leben würde: seine Familie und seine Arbeit. Kurz darauf wird der Zeuge schon wieder aus dem Zeugenstand entlassen.
9.41 Uhr: Verhandlung läuft, Rechtsanwalt als erster Zeuge geladen
Die Verhandlung ist eröffnet. Es geht sogleich los mit der Befragung des ersten Zeugen.
Es ist der Rechtsanwalt Nils T. (57). Dieser soll zu den persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen des mitangeklagten Familienanwalts Andreas C. aussagen.
Dieser hatte sich dazu entschieden, weiterhin zu schweigen, sodass sich die Kammer die Informationen auf anderem Wege einholen muss. Thun und C. arbeiten in derselben Kanzlei.
9.26 Uhr: Kaum Andrang im Landgericht
Wenige Minuten vor Verhandlungsbeginn ist der Zuschauerraum in Saal 237 bis auf einige Pressevertreter noch so gut wie leer.
Auch von etwaigen Schulklassen ist - anders als zuletzt - bis dato nichts zu sehen.
9 Uhr: So geht es am Dienstag weiter
Wie das Gericht bereits in der vergangenen Woche mitteilte, sind am Dienstag mehrere Zeugen zu den persönlichen und beruflichen Verhältnissen einzelner Angeklagter geladen.
Um wen es sich bei diesen Zeugen genau handelt, ist unklar.
8.45 Uhr: Recap vom 76. Verhandlungstag
Am 76. Verhandlungstag ging es unter anderem um die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse des in U-Haft sitzenden mutmaßlichen Mit-Entführers Tal S.
Der Israeli erzählte von seinem früheren Job als "Ermittler für Stromdiebstahl". Diesen Beruf habe er bis zu seiner Verhaftung gehabt, so der Mitangeklagte. Auf Nachfrage der Richterin bestätigte S., dass er in diesen Job zurückkehren könne, sollte er freigesprochen werden. Bei einer Verurteilung sei diese Möglichkeit hingegen futsch.
Emotional wurde es, als Uta B. ihre finanzielle Situation offenbarte. Die Block-Cousine sprach mit zittriger Stimme von "rund 30.000 Euro brutto", die sie am Ende des Jahres ungefähr verdient habe. Erneut betonte die Mitangeklagte, dass sie und ihr Mann durch das Verfahren extrem viele Einbußen hätten. Dabei kamen ihr die Tränen.
Ganz am Ende der Verhandlung teilte die Kammer dann auch noch mit, dass bei B. auch eine "Mittäterschaft" in Betracht gezogen werde. Bisher stand lediglich Beihilfe im Raum. Die Block-Cousine reagierte mit weiteren Tränen.