Anwältin im Block-Prozess: "Das ist unwürdig"
Hamburg - Der Prozess im Fall Christina Block (52) geht am Donnerstag in eine neue Runde: Am 40. Verhandlungstag soll ähnlich wie am Dienstag ein weiterer Polizist vor dem Hamburger Landgericht aussagen. TAG24 ist vor Ort und berichtet in einem Liveblog.
Update, 10 Uhr: Prozesstag startet verspätet
Mit knapp 30 Minuten Verspätung wegen des Streiks von Bussen und U-Bahnen in Hamburg startet der 40. Verhandlungstag direkt mit einer Anmerkung von Anwältin Frau Pinar. Sie vertritt den angeklagten Sicherheitsunternehmer im Prozess.
Pinar war am 39. Verhandlungstag nicht anwesend. "Es war ungeheuerlich, was der Zeuge hier abgeliefert hat", so die Anwältin über die Zeugenaussage des Polizisten Matthias H. (43) am Dienstag.
"Zu vielen wesentlichen Ermittlungsschritten konnte sich der Zeuge nicht mehr en détail erinnern", kritisiert sie weiter. "Das ist unwürdig." Schließlich sei es die Aufgabe des Polizisten gewesen, alles gewissenhaft zu dokumentieren.
Auch der Anwalt des mutmaßlichen Entführers Tal S. äußert sich nun noch zum Verhandlungstag vom Dienstag. Dieser bezieht sich allerdings auf die Inaugenscheinnahme der gezeigten Bilder aus dem Hotel Grand Elysée.
Update, 9.30 Uhr: Christina Block kommt erst kurz nach offiziellem Beginn
Wenige Minuten nach offiziellem Beginn betreten Christina Block (52), Gerhard Delling (66) und Stephan Hensel (51) den Gerichtssaal. Startschuss für den Prozesstag ist eigentlich immer um 9.30 Uhr.
Die Schöffen fehlen noch, weshalb sich der Start um einige Minuten verzögert.
Update, 9.10 Uhr: Nur wenig Besucherinteresse
Am 40. Verhandlungstag ist das Interesse ähnlich wie an den Tagen zuvor bislang gering: Nur wenige Zuschauende sowie Medienvertretende sind im Saal 237 vertreten.
Update, 9 Uhr: So geht es am Donnerstag weiter
Am Mittwoch teilte das Gericht mit: Für 9.30 Uhr ist ein weiterer Hamburger Kriminalbeamter als Zeuge geladen. Weitere Zeugenaussagen sind für diesen Verhandlungstag nicht geplant.
Informationen dazu, wie es mit der Zeugenaussage des mutmaßlichen Chef-Entführers David B. (68) weitergeht, teilte die Richterin auch am Dienstag noch nicht mit. Dessen Aussage hätte in der vergangenen Woche fortgesetzt werden sollen.
Wegen des Krieges im Nahen Osten können weder David B. noch seine mutmaßliche rechte Hand, Keren T., sowie zwei weitere Israelis, die bereits bei der Hamburger Staatsanwaltschaft ausgesagt haben, derzeit nach Deutschland reisen.
Update, 8.50 Uhr: Recap von Dienstag
Am 39. Verhandlungstag stand ein eher wortkarger sowie genervter Zeuge im Mittelpunkt, der die Gemüter einiger Verteidiger deutlich erhitzte. Vor allem Dr. Marko Voß, Anwalt des angeklagten Familienanwalts, warf ihm vor, "nur Widersprüche zu produzieren".
Auch zwischen Ingo Bott und dem Zeugen Matthias H. (43) kam es zeitweise zu Spannungen.
Als der Polizist Fragen mit dem Hinweis abwehrte, nicht mehr zuständig gewesen zu sein, entgegnete Bott: "Wir haben hier auch schon sehr engagierte Mitarbeiterinnen des ASD erlebt, die sich auch später noch mit ihren Fällen beschäftigt haben." Der Zeuge reagierte scharf: "Werfen Sie mir vor, nicht engagiert zu sein? Passen Sie auf, was Sie sagen."
Besondere Diskussionen löste erneut die Frage aus, ob die Anfang Januar 2024 - also kurz nach der Entführung der jüngsten Block-Kinder - von Eugen Block (85) engagierten Sicherheitskräfte bewaffnet gewesen seien oder nicht.
Die Zeugin und Sicherheitsbeamtin Patricia W. (52) hatte bereits Ende Januar 2026 dazu vor Gericht ausgesagt: Sie habe am 1. Januar 2024 dem angeklagten Sicherheitsunternehmer den Auftrag erhalten, zwei Wohnhäuser - die von Eugen und Christina Block in Hamburg - zu sichern. Ziel sei gewesen, "Scherereien" zu verhindern und Unbefugte vom Gelände fernzuhalten; bewaffnet seien sie und ihr Team definitiv nicht gewesen.
In einem Vermerk des heutigen Zeugen aus dem Jahr 2025 - also eineinhalb Jahre nach dem Einsatz im Haus von Frau Block - findet sich jedoch der Hinweis, Patricia W. habe ihm gegenüber erklärt, sie und ihr Team seien bewaffnet gewesen. Kontrolliert habe er das damals aber nicht: "Das war für mich auf einem privaten Grundstück kein Thema."
Nebenklagevertreter Philip von der Meden (42) sagte dazu, dass es nicht entscheidend sei, ob jemand bewaffnet gewesen sei oder nicht, sondern wie die Kinder die Situation im Haus ihrer Mutter wahrgenommen hätten.
Titelfoto: Marcus Brandt/Pool dpa/dpa