Anwalt im Block-Prozess zur Richterin: "Sie sollten sich schämen!"

Hamburg - Am Freitag wird der Kindesentführungs-Prozess gegen Christina Block (52) fortgesetzt. Nachdem am 33. Verhandlungstag keine Zeugen vernommen wurden, sind am 34. gleich drei geladen. Darunter befindet sich nach Angaben des Gerichts auch die Sekretärin von Eugen Block (85). TAG24 ist vor Ort und berichtet in einem Liveblog.

Christina Block (52) mit ihrem Anwalt Ingo Bott (42). Im Hintergrund ihr mitangeklagter Lebensgefährte Gerhard Delling (66).
Christina Block (52) mit ihrem Anwalt Ingo Bott (42). Im Hintergrund ihr mitangeklagter Lebensgefährte Gerhard Delling (66).  © Marcus Brandt/Pool dpa/dpa

Update, 11.39 Uhr: Superkurze Zeugenbefragung

Weiter gehts mit der Zeugenbefragung des Bankmitarbeiters (62), der Christa Block (†) im Juni 2023 120.000 Euro ausgezahlt hat.

Er erinnere sich an diese Auszahlung auch nur, weil die Mutter der Unternehmerin "ein paar Wochen danach verstorben ist". Das Geld sei drei Tage vorher bestellt worden, von wem wisse er nicht mehr. Christa Block sei bei der Abholung "wie immer gewesen". Sie soll in Begleitung eines Wirtschaftsprüfer gekommen sein, auf Nachfrage des Nebenklagevertreters erkennt der Zeuge einen Mitarbeiter von Dr. Andreas C. als den Begleiter.

Damach ist seine Befragung auch schon nach ein paar Minuten wieder beendet. Es folgt die obligatorische Mittagspause bis 13 uhr.

Update, 11.30 Uhr: Richterin spricht von einem "bedauerlichen Versehen"

Nach der zweiten Pause verkündet die Richterin zwei neue Beschlüsse, zunächst wird der Antrag der beiden Verteidiger von Uta und Marc B. abgelehnt, die Verhandlung für eine Stunde zu unterbrechen.

Bei dem Vorwurf der "Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung" handle es sich um "bedauerliches Versehen der Kammer", betonte die Richterin. Die Kammer gehe nicht von diesem Vorwurf aus. "Die Anklage war vermutlich auch ein versehen", wirft Anwalt Fock missbilligend ein.

Update, 11.10 Uhr: "Sie sollten sich schämen!"

Unmittelbar nach der Pause ergreift Rechtsanwalt Daum erneut das Wort: "Es ist geradezu skandalös, dass dieser Beschluss erkennen lässt, dass die Kammer meinen Antrag offenbar nicht einmal richtig gelesen hat", erklärte er. "Wenn Sie jetzt erklären, dass meine Mandantin Bescheid wüsste, ist dieses Verfahren langsam so weit, dass Sie sich schämen sollten!"

Dem Beschluss zufolge werde seiner Mandantin sowie ihrem mitangeklagten Ehemann "Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung" vorgeworfen. In der Anklageschrift hingegen laute der Vorwurf auf "Beihilfe zur Entführung und zur Freiheitsberaubung".

Er wirft der Richterin vor, ihre rechtliche Einschätzung so darzustellen, dass eine sachgerechte Verteidigung kaum möglich sei. "Das ist erschütternd", so Daum.

Der Anwalt von Marc B., Nils Fock, schließt sich seinem Kollegen an und spricht von einer "Frechheit". Beide Verteidiger beantragen eine weitere Pause, um sich mit ihren Mandanten zu besprechen. Die Verhandlung wird erneut für zehn Minuten unterbrochen.

Die vorsitzende Richterin des Verfahrens: Isabel Hildebrandt.
Die vorsitzende Richterin des Verfahrens: Isabel Hildebrandt.  © Marcus Brandt/dpa

Update, 10.55 Uhr: Cousine von Block bricht in Tränen aus

Jetzt geht es um den Antrag des Rechtsanwalts Reinhard Daum vom 13. Januar 2026.

Der Verteidiger von Uta B., der angeklagten Cousine von Christina Block, hatte im Namen seiner Mandantin beantragt, im Sinne eines fairen und transparenten Verfahrens umfassend darüber informiert zu werden, welche konkreten Vorwürfe die Staatsanwaltschaft ihr im Einzelnen zur Last legt. Bis zum heutigen Tag sei dies nicht geschehen.

Die Richterin lehnt den Antrag jetzt mit einem Beschluss ab. Woraufhin Uta B. in Tränen ausbricht. Daum reagiert vehement und verlangt eine Unterbrechung der Verhandlung: "Ich lasse nicht zu, dass Sie jetzt einfach weiterverhandeln", erklärt er und wendet sich direkt an die Richterin.

Es folgt eine 10-minütige Pause.

Update, 10.45 Uhr: "Mein Vater hat meine Sorgen nicht gehört"

Die Zeugenbefragung von Isabell K. ist beendet und Christina Block nimmt persönlich Stellung. Sie betont erneut, dass ihre Mutter genau wie sie "tief traurig darüber gewesen [ist], dass die Kinder von einem auf den anderen Tag weg waren". Schlussendlich sei Christa Block auch in ihrem "Unverständnis" und ihrer Trauer gestorben.

"Die Zeugenaussage zeigt, dass viele Dinge passiert sind, zu dessen Zeitpunkt ich aber nichts davon wusste", so Block weiter, die damit unter anderem auf den Besuch ihrer Eltern in Dänemark 2022 und die Geschenkübergabe im Dezember 2023 durch die angeklagten Sicherheitsunternehmer P. anspielt. Sie hätte beide Aktionen nicht befürwortet, aus Angst, dass diese ihre Chance, ihre Kinder jemals wiederzusehen, noch weiter verringere.

"Aber mein Vater hat meine Sorgen nicht gehört und hat sich wie so oft über mich hinweggesetzt. Im Übrigen sind auch seine jetzigen Aktivitäten nicht mit mir abgestimmt", so die Unternehmerin bitter.

Update, 10.26 Uhr: Bott tauscht sich doch nicht mit seiner Mandantin aus

Nachdem sich Bott dann doch nicht mit Christina Block, sondern mit Dr. Marko Voß, dem Anwalt des angeklagten Familienanwalts der Blocks, ausgetauscht hat, geht die Befragung weiter.

Bott fragt nach dem Verhältnis von Christa Block und ihren Enkelkindern, dieses sei "sehr gut" gewesen. Dies wisse sie aus mehreren Telefonaten mit der Frau ihres Chefs. Besonders in Erinnerung geblieben sei ihr ein Fotoshooting zum 80. Geburtstag der Oma der Block-Kinder.

Nachdem Theo und Klara im Sommer 2021 nicht mehr zurückgekommen waren, sei Christa Block "ganz, ganz traurig und ungläubig darüber, dass das passieren kann" gewesen. Dies wisse sie auch aus einem Telefonat mit der Block-Mutter.

Bott fragt auch diese Zeugin schon nach den 120.000 Euro, die von dem Konto der Mutter – Christa Block – abgehoben worden sein sollen. Doch die Zeugin gibt an, davon auch nur aus der Presse zu wissen. Zum damaligen Zeitpunkt habe sie noch keine Vollmacht für das Konto gehabt.

Update, 10.12 Uhr: "Sagt Ihnen der Name 'Cyber Cupula' etwas?"

"Sagt Ihnen der Name 'Cyber Cupula' etwas?", will die Richterin weiter wissen. "Ich weiß, dass sie einmal bei uns in der Unternehmenszentrale waren, aber inhaltlich war ich überhaupt gar nicht involviert", betont die Zeugin.

Ebenso seien ihr weitere Namen wie "System 360 Grad" (die Firma, die 2022 einen ersten Versuch gestartet haben soll, Theo und Klara nach Deutschland zu bringen) nur aus der Presse bekannt.

Auf Nachfrage von Nebenklagevertreter Dr. Philip von der Meden gab die Zeugin an, dass "Herr Block sehr traurig" über die Situation mit seinen Enkelkindern war und ist, dies aber nie im Büro ausgelebt habe.

Jetzt liegt das Fragerecht bei Block-Anwalt Ingo Bott (42), dieser beantragt jedoch eine Pause, "um sich mit seiner Mandantin abzustimmen". "Das verstehe ich nicht, Sie wussten doch, dass die Zeugin heute kommt", so die Richterin, gewährt aber eine Pause von fünf Minuten.

Update, 10.03 Uhr: Zeugin hat Zugriff auf das Privatkonto von Eugen Block

Im Zusammenhang mit dem Sicherheitsunternehmer P. erinnerte sich die Zeugin auch an die von diesem gestellten Rechnungen, die sowohl Eugen Block als auch sie "persönlich" als zu hoch empfunden hätten. Darüber habe sie dann auch den mitangeklagten Familienanwalt Dr. Andreas C. informiert.

Seitdem Tod von Christa Block (†82) im Jahr 2023 übernehme sie die Online-Überweisungen für das Privatkonto von Eugen Block. "Das ist ein leidliches Thema, wenn man sich damit nicht auskennt", so die Zeugin, die ihrem Chef nach seinem Verlust ihre Unterstützung aktiv angeboten habe.

Update, 9.50 Uhr: "Ja, woher wusste ich das?"

Die Richterin bittet die Zeugin zu erzählen, was sie im Zusammenhang der im Prozess verhandelten Themen vielleicht noch erinnert. Diese gab an, dass es mal einen Brief von Eugen Block an eine Richterin gab und einen Mail-Verkehr mit dem angeklagten Sicherheitsunternehmer.

"Nachdem seine Ekelkinder vom Vater in Dänemark einbehalten wurden, hat Herr Block jeglichen Funken Hoffnung gehegt, dass der Rechtsstaat ihm helfen wird, dass er seine Enkelkinder wieder sehen darf", so die Zeugin. Mehr wisse sie nicht, da sie zwar die Mails nach Relevanz aussortiere, dabei aber nicht in die "inhaltliche Tiefe" gehe.

"Woher wussten Sie dann, dass die Mail von Herr P. [der Sicherheitsunternehmer] relevant waren?", will die Richterin wissen. Die Zeugin zögert – "Ja, woher wusste ich das?", murmelt sie – und dann gibt sie an, dass ihr Eugen Block wohl mitgeteilt haben muss, dass er Mails von P. erwarte.

Update, 9.43 Uhr: Zeugin entscheidet welche Mails "relevant" sind

Die vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt will wissen, inwiefern die Zeugin mit Eugen Block (85) zusammenarbeitet.

K. erzählt, sie habe 2014 als seine Assistentin angefangen und sei bis heute auch dafür zuständig, den "bestmöglich strukturierten Arbeitsalltag" zu organisieren, obwohl sie inzwischen auch ihre eigenen Projekte innerhalb der Holding führe. Unter anderem sei sie für die E-Mails von Eugen Block zuständig. Solche, die sie für "relevant" halte, drücke sie ihm aus und lege ihm in eine Mappe in sein Büro.

"In privaten Dingen bin ich eigentlich nicht aktiv, aber wenn er mich da um Hilfe bitte, dann helfe ich im auch da", so die Zeugin auf Nachfrage der Richterin. Dabei handle es sich aber um "ganz alltägliche Dinge" wie Arzttermine vereinbaren oder mal ein Taxi zu bestellen.

Titelfoto: Marcus Brandt/dpa

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